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Festakt

Helene Weber: Schule trägt Namen einer starken Frau

Bad Saulgau / Lesedauer: 3 min

Namensgebung der Kaufmännischen und Sozialpflegerischen Schule – Kampf für Gleichberechtigung
Veröffentlicht:11.04.2014, 15:55

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Jetzt gibt es wohl im ganzen Landkreis Sigmaringen keine Schule mehr, die noch ohne Namen ist. In einem feierlichen Festakt ist am vergangen Donnerstag die Kaufmännische und Sozialpflegerische Berufsschule Bad Saulgau im Wuhrweg als Helene-Weber-Schule aus der Taufe gehoben worden. Alles was Rang und Namen hat im öffentlich Leben, aus Politik und Gesellschaft, Industrie und Wirtschaft, einschließlich der Geistlichkeiten von den beiden Kirchen, war zugegen, als die Namensgebung vollzogen wurde.

Die Spitze der kommunalen Mandatsträger wurde angeführt von Landrat Dirk Gaerte und Bad Saulgaus Bürgermeisterin Doris Schröter. Schulleiterin Elisabeth Croisier agierte bei ihrer Begrüßungsrede umsichtig und vergaß daher so gut wie niemand willkommen zu heißen in der langen Liste der zahlreichen Ehrengäste. Mit dem Lied „Seid bereit“ empfingen Schülerinnen des Wirtschaftsgymnasiums als Quintett vokal und instrumental das vollbesetzte Auditorium.

In seinem Grußwort hob Landrat Dirk Gärte eingangs hervor, dass es sich das Kreistagsgremium bei der Auswahl einer trefflichen Namensfindung alles andere als leicht gemacht hätte. Was vonseiten der Pädagogik jungen Menschen auf den Weg gegeben werden sollte, sei „ein Wertekompass“.

Rednerin skizziert Werdegang

Mit Dr. Helene Weber sei ausdrücklich aus heutiger Sicht eine Frau zum Zuge gekommen, die sich in der deutschen Vor- und Nachkriegsgeschichte mit einer außergewöhnlichen und herausragenden Persönlichkeitsstruktur einen bleibenden Namen gemacht hätte.

Keine geringere als die erste Hauptpreisträgerin des Helene-Weber-Preises, der 2009 an die Kommunalpolitikerin und Unternehmerin Dorothea Maisch aus Gaggenau verliehen wurde, konnte als Festrednerin gewonnen werden. Sie skizzierte lebendig und mit enormem Engagement das Leben und den Werdegang der Namensgeberin. „Ein Leben für Politik und Caritas“, so skizzierte Dorothea Maisch die Vita von Helene Weber (1881bis 1962).

Früh habe sich Helen Weber dem europäischen Gedanken gewidmet. Unter anderem sei sie dem katholischen Frauenbund aktiv verpflichtet gewesen. Für die Belange der Frauen habe sich Helene Weber bald auch international eingesetzt, so zum Beispiel für das aktive und passive Wahlrecht. Frauenbildung, Jugendwohlfahrt und Interesse an politischer Mitbeteiligung von Frauen, seien der ehemaligen Zentrums- dann später CDU-Politikerin am Herzen gelegen.

Ein Leben lang habe Helene Weber für die Gleichberechtigung der Frauen gekämpft, sie dürfe im modernen Sinne als eine „Netzwerkerin“ gesehen werden, die auf der einen Seite für Tradition und Werte, auf der anderen für Fortschritt und Visionen gestanden hätte. Helene Weber gelte unstrittig als eine der vier Mütter des Grundgesetzes, dazu hätten ihre drei Mitstreiterinnen Friederike Nadig, Helene Wessel und Elisabeth Selbert gehört. Nach dem Tod von Elly-Heuss-Knapp, Frau des ersten deutschen Bundespräsidenten Theodor Heuss, hatte Helene Weber von 1952 bis 1961 das deutsche Müttergenesungswerk geleitet.