StartseiteRegionalRegion SigmaringenBad SaulgauErotik, Heimat, Drama: Diese 10 Filme lockten die meisten Besucher ins Kino

100 Jahre Kino

Erotik, Heimat, Drama: Diese 10 Filme lockten die meisten Besucher ins Kino

Bad Saulgau / Lesedauer: 6 min

Der Bad Saulgauer Kinobetreiber lüftet zum Jubiläum das Geheimnis - und sorgt für viele Überraschungen. Oder hätten Sie gewusst, dass Loriot in einem Kriegsfilm mitgespielt hat?
Veröffentlicht:11.11.2023, 17:00

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100 Jahre Kino ‐ das schaffen nicht viele. Das Kino Saulgau schon. Es feiert im November mit Sondervorstellungen, Aktionen und Gewinnspielen seinen runden Geburtstag, weil es allen Widerständen und Krisen in der Branche getrotzt hat. „Aber muss man dafür auch was tun“, sagt Kinobetreiber Jürgen Burth.

Vater hält nicht viel davon

„Das Wunder des Schneeschuhs“ hieß der erste Film, der im Dezember 1923 von den Gebrüdern Alfons und Willi Burth in einer Turnhalle an der Schützenstraße gezeigt wurde.

So sah der Saal des früheren Oberlandtheaters aus.
So sah der Saal des früheren Oberlandtheaters aus. (Foto: Privat)

Die Familie Burth betrieb damals an der Schützenstraße ein Geschäft für Aussteuer, war aber auch Ausstatter für Tennis- und Skisport. Vater Georg hielt viel von seinem Geschäft und wenig von dem neumodischen Geschäftsfeld, das seine beiden Söhne aufbauen wollte.

Erweiterung auf 400 Plätze

Doch der Erfolg sollte den beiden recht geben. Sieben Jahre lang fungierte die alte Turnhalle als Kinosaal, ehe die Burths an der Ecke Kaiserstraße/Schützenstraße das Lichtspielhaus Saulgau mit mehr als 200 Plätzen bauten.

Streaming-Dienste können niemals das Kinoerlebnis ersetzen.

Jürgen Burth

1939 begann sogar die Erweiterung auf 400 Plätze. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnten die Bauarbeiten 1949 abgeschlossen werden. Das Kino bekam den Namen Oberlandtheater. Es folgte in den 1960er-Jahren das zweite Kino, das Bambi.

Rückläufige Zahlen

Das frühere Oberland-Theater gibt es schon lange nicht. Stattdessen gibt es das Kino Saulgau an der Poststraße, dem heutigen Standort. Doch die Besucherzahlen im Kino waren anfangs rückläufig. Schuld daran war das Fernsehen, das älteres Publikum davon abhielt, ins Kino zu gehen. Als Gegenmittel produzierte Hollywood Filme am laufenden Band. „Die Kinobranche hat sich schnell erholt“, sagt Jürgen Burth, der 30 Jahre lang bei der Raiffeisenbank beschäftigt war, ehe er in den Familienbetrieb einstieg.

2023 existiert das Kino Saulgau nach wie vor noch, musste aber kräftig investieren, um nicht von der Bildfläche zu verschwinden wie andere Kinos in Deutschland. „Wir haben laufend in die neueste Technik investiert“, so Jürgen Burth.

46 Bewegungen

Nicht nur das: Das Kino Saulgau renovierte in den vergangenen Jahren seine drei Säle komplett, verfeinerte die Tonanlage mit bis zu 14 Kanälen, forcierte die Digitalisierung, tauschte alle Lautsprecher aus, vernetzte das Kassensystem und baute D-Box-Sitze ein, die 46 verschiedene Bewegungen auslösen können und vor allem bei Actionfilmen von den Besuchern reserviert werden.

Nächste Konkurrenz

Während der nächsten unverschuldeten Krise, der Corona-Pandemie, erhielten die Kinos die nächste Konkurrenz, auf die sie hätten verzichten können: Streaming-Dienste, die vor vielen Jahren DVD’s ablösten, die längst vom Markt verschwunden sind: „Die Leute konnten während des Lockdowns nicht raus. Es wurde ihnen langweilig und so schauten sie zu Hause“, ergänzt Jürgen Burth, der sich mit seinem Team auch davon nicht aus der Fassung bringen ließ.

Es wird bald einen Engpass an Blockbustern geben.

Jürgen Burth

„Streaming-Dienste können niemals das Kinoerlebnis ersetzen“, so Burth, dessen Weiterentwicklung in seine Säle sogar zur Folge hatte, dass er weniger Plätze hat. Die opferte er aber gerne für mehr Bequemlichkeit, mehr Beinfreiheit, mehr Service. „Das wird alles sehr geschätzt“, so Burth.

Schauspieler streiken

Für die Kinobetreiber folgte in diesem Jahr die nächste schlechte Nachricht, als die Schauspieler in den Streik getreten waren, sodass während dieses Zeitraums keine Filme mehr produziert werden konnten.

„Es wird deshalb bald einen Engpass an Blockbustern geben.“ Und dennoch: Das Kino Saulgau erreicht allmählich wieder das Niveau vor Corona, hat wieder so viele Besucher, dass Burth froh ist, diese Investitionen getätigt zu haben.

Weitere Aktionen sind geplant

Erst kürzlich bekam er zum fünften Mal in Folge einen Preis für seine besondere Filmreihe. Weitere Events und Aktionen sind in Planung. Tochter Madita kümmert sich darum und um die sozialen Medien. Die nächste Generation steht demnach bereit, wenn der 58-Jährige irgendwann das Geschäft an sie weitergibt. Aber noch Jürgen Burth viel zu viel Lust, um die Erfolgsgeschichte des Familienbetriebs weiterzuschreiben.