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Bad Saulgau

Ein musikalisches Festgeschenk sondergleichen

Bad Saulgau / Lesedauer: 3 min

Nicht enden wollende Beifallstürme, Jubel und Tränen für ein musikalisches Festgeschenk sondergleichen, das die St. Johannes-Chorknaben, das Orchester „La Banda“,und die Solisten den Konzertbesuchern in der voll besetzten St.
Veröffentlicht:29.11.2023, 12:01

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Nicht enden wollende Beifallstürme, Jubel und Tränen für ein musikalisches Festgeschenk sondergleichen, das die St. Johannes-Chorknaben, das Orchester „La Banda“,und die Solisten den Konzertbesuchern in der voll besetzten St. Johanneskirche bereiteten.

Mozarts „Missa brevis in C KV 220“ von 1775 eröffnete gleich fulminant das Konzert. Naja von wegen leicht zu musizieren! Wer Mozarts Partituren, und die sind grundsätzlich tückisch, nicht ernst nimmt bis auf den letzten Strich, „den schlägt er ins Maul“, so ein gängiges Dictum. Kein Stirnrunzeln war nötig… Die Interpretation saß!

Auszüge aus dem „Messias“ von G. F. Händel folgten. Die Chorwerke und die Arien mit ihren Rezitativen waren aus dem Großwerk am Verlauf der Heilsgeschichte ausgewählt: Hoffnung - Menschwerdung - Kreuzestod - Auferstehung - Ewigkeit. Gut so, Händel lässt das mit sich machen, hat er doch selbst gerne seine Aufführungen an die jeweilige Situation seiner Zeit angepasst.

Zuerst sei die Leistung des Orchesters gewürdigt. La Banda, der edle Klangkörper, hat das Konzert mit Qualität geadelt. Die Orchesterleute spielten hochmotiviert und konzentriert, nie vorlaut, den Knabenchor und die Solisten wunderbar tragend. Vornehm gestaltet hat das Orchester die Ouvertüre des Oratoriums. Höchste Kompetenz im Umgang mit barocker und klassischer Musik und ihren Partituren. Und das geschieht hier in St. Johannes schon seit 25 Jahren! Ein bemerkenswertes Jubiläum ist das.

Mit diesen den Chorknaben von Herzen verbundenen Musikern gelang dem Chor ein atemberaubendes Singen. Nach dem Blitzen und Leuchten der „Spatzenmesse“ gleich anfangs interpretierte der Chor aus dem „Messias“: „Denn die Herrlichkeit Gottes des Herrn“… ja, sie ist aufgeleuchtet in St. Johannes, was auch bitter nötig ist in diesen Zeiten. Und dann der volle Prunk, aller Festmusiken opulenter Höhepunkt, unüberbietbar seit der Uraufführung durch alle Jahrhunderte bis heute: „Halleluja“! Die Steigerungen, die Dialogstrukturen, die dynamischen Knaller, die Fugati, die Sprache… das ganze Ensemble lief zu Hochform auf. Bleiben wir gleich dabei: der Chor hielt diese große Spannung bis zum Schluss, in den gigantischen Chören „Würdig ist das Lamm“ und „Amen“. Diese sangen die Chorknaben, als ob das ganz selbstverständlich wäre, aber der Insider weiß: Händel komponierte so wie Mozart nie „leicht“. Insbesondere den Schlusschor „Amen“ hat er wahrhaftig geradezu tückisch hingeschrieben. Die Fugen zog er eigenwillig hin und her, baute den Sängern auch noch „Einsatzfallen“ ein, die nur mit höchster Konzentration zu stemmen sind. Dem müssen aber Chorstunden vorausgehen, die zum Stöhnen und Knurren und Händelverwünschungen animieren. Mit der jungen Leute eigenen Kraft strahlte jetzt ein musikalisches Fest. Chapeau, Chor!

Nun zum Solistenquartett, das top passte. Gerlinde Sämann, die blinde Sopranistin, gefeiert landauf, landab. Sie sagt selbst: „Oft fühle ich mich, als hätte ich Augen überall, die schauen, nur die beiden in meinem Kopf, die schauen nicht.“ Die Anwesenden erfuhren feinsinnige Musikalität, sensible Interpretation, eine ungewöhnliche Palette an Klangnuancen. Dazu gesellte sich ebenbürtig die Altistin Katharina Guglhör. Sie sang das Rezitativ „Denn sieh, der Verheißene des Herrn“ Hoffnung verbreitend, dann die Arie „O Du, der uns die frohe Botschaft verkündet“. Das geriet zu einem wahrhaftig kammermusikalischen intensiven Höhepunkt. Daniel Ostermaier, als kleiner Bub hat er im Vorkurs angefangen, nun steht er da, der Chormann, als respektabler Solist und spendet in feiner Interpretation des Notentextes Trost. Michael Kranebitter, einst Wiltener Sängerknabe, jetzt gefragter, versierter und erfahrener Bassist, interpretierte kraftvoll, den Text erschütternd deutend mit seiner vollen, klangschönen und facettenreichen Stimme.

Nach dem Schlusschor erklang in die betroffene Stille in der Kirche das Prachtgeläut von St. Johannes, die Botschaft des Konzertes der ganzen Stadt kündend. Für den Beifall dankte das Ensemble mit der Wiederholung des „Halleluja“, begeistert stimmten die Solisten ein. Zum Schluss muss höchste Anerkennung und „Danke!“ dem Chorleiter Volker Braig zugerufen werden für sein sensibles, umsichtiges Dirigat mit großer Ausstrahlung und für seine schlüssige Interpretation.