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Bad Saulgau

Die Nazis beendeten 1933 die Demokratie in Saulgau

Bad Saulgau / Lesedauer: 2 min

Vor 90 Jahren wurde mit der mehr oder weniger euphorischen Gleichschaltung der staatlichen und privaten Institutionen, in 358 Gemeinden Oberschwabens, der freien Meinungsäußerung und freien Wahlen durch die Nazis bis 1945 ein Ende gesetzt. In Saulgau geschah dies 1933 auch mit der Absetzung des seit 1910 amtierenden und demokratisch gewählten Bürgermeisters Hans Luiz.
Veröffentlicht:13.11.2023, 10:02

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Vor 90 Jahren wurde mit der mehr oder weniger euphorischen Gleichschaltung der staatlichen und privaten Institutionen, in 358 Gemeinden Oberschwabens, der freien Meinungsäußerung und freien Wahlen durch die Nazis bis 1945 ein Ende gesetzt. In Saulgau geschah dies 1933 auch mit der Absetzung des seit 1910 amtierenden und demokratisch gewählten Bürgermeisters Hans Luiz.

Die Begründung laut Staatsarchiv Sigmaringen: „Da Hans Luiz immer auf’s schärfste gegen die NSDAP und ihre Führer Stellung genommen hatte!“

Er war für die längste Amtszeit eines Bürgermeisters in Saulgau, in drei Amtsperioden auf insgesamt 35 Jahre von 1910 bis 1945 von den Saulgauer Wählern, jeweils mit großer Mehrheit nominiert worden. Die gewaltsame Beendigung seiner Tätigkeit, war für ihn persönlich ein bleibender Einschnitt in seinem Berufsleben und in gesellschaftlicher Stellung in seinem späteren täglichen Leben. Hierbei darf erwähnt werden, dass selbst Stadtpfarrer Alfons Müller wegen politischem Vergehen zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt wurde.

Doch immerhin nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Hans Luiz im Vertrauen auf seine persönliche Grundhaltung und als überzeugtes Mitglied der früheren Zentrumspartei (heutige CDU) Erster Vorsitzender der Entnazifierungs-Kommission. Dies geschah natürlich nur mit Zustimmung der französischen Militärregierung. Zugehörig war auch Karlmann-Brechenmacher; weiter der ehemalige Ertinger Bürgermeister Anton Koch, der 1933 vom Saulgauer NSDAP-Kreisleiter Erich Waizenegger und seinen Gehilfen die Rathaustreppen hinunter geprügelt wurde, da dieser diese Leute als nicht legitimiert sah. Außerdem waren auch unter anderem der Saulgauer Gemeinderat Oskar Haas (KPD/aus dem KZ Heuberg freigekommen) und der KZ-Überlebende Siegbert Einstein aus Buchau mit dabei. Die vorrangige Aufgabe war vor allem die Nazi-Strukturen in den Behörden aufzulösen.

Eine gewisse Wiedergutmachung erfuhr Hans Luiz durch die spätere Anerkennung seiner Dienste in einer Gemeinderatssitzung wo er vom Saulgauer Bürgermeister Reichert und dem damaligen Landrat Eisele, im Beisein des Vertreters der französischen Militärregierung Oberleutnant Ritzenthaler geehrt wurde.


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