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Bad Saulgau

Der neue Schiri-Obmann lädt die Vereine an einen Runden Tisch

Bad Saulgau / Lesedauer: 4 min

Florian Werkmann ist neuer Obmann der Schiedsrichtergruppe Saulgau. E sieht eine Position in den Vereinen als Schlüsselposition für ein funktionierendes Schiedsrichterwesen.
Veröffentlicht:07.02.2024, 17:30

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Nein, sofort ´,hier’ gerufen habe er nicht, gibt Florian Werkmann freimütig zu. Als es sich andeutete, dass er ein Kandidat sei, Anton Guth als Obmann der Saulgauer Schiedsrichter zu folgen, habe er sich Bedenkzeit erbeten. „Ich musste schon ein bisschen länger überlegen“, sagt der 39 Jahre alte Berufsschullehrer, der 2001 durch seinen Vater zum Schiedsrichterwesen kam. „Zu Beginn habe ich halt meine Spiele gepfiffen. Ich habe ja auch noch Jugendmannschaften beim FV trainiert.“ Die Schiedsrichterei habe erst an Bedeutung gewonnen, als er selbst die Kickstiefel an den Nagel gehängt habe.

Neuerung im Schiedsrichterausschuss

Seit knapp vier Wochen ist Florian Werkmann nun im Amt, von der Versammlung der Saulgauer Schiedsrichter - rund 100 - gewählt, ihr vorzustehen, „Chef“ der Schiedsrichter aus der Gruppe Bad Saulgau im Einzugsgebiet zwischen Altshausen, Mengen, Ostrach und Riedlingen zu sein. In den vier Wochen hat er mit seinem Ausschuss schon ganz konkrete Pläne entwickelt, wie er das Schiedsrichterwesen in die Ära nach Anton Guth, der 16 Jahre Obmann der Gruppe war, führen will.

Jedes Ausschussmitglied erhält Aufgabe

Eine Bedingung, sich überhaupt zur Verfügung zu stellen war, möglichst viele Mitstreiter zu finden, um die Last auf viele Schultern zu verteilen. Dazu gehörte es auch, den Schiedsrichterausschuss auf eine breite Basis zu stellen. Neben Werkmann selbst gehören dem Ausschuss neun weitere Schiedsrichter an: Mario Doser, Melanie Guter, Michael Guter, Svenja Guth, Florian Guth, Christoph Hecht, Maximilian Schmid, Max Schwehr und Fernando Winter. „Jedes Ausschussmitglied bekommt einen Aufgabenbereich: Einteilung Aktive und Jugend, Neulingsgewinnung, Erhalt der Schiedsrichter, Frauen. Die Jugendeinteilung werden wir sogar auf zwei Mitglieder aufteilen“, sagt Werkmann, der die endgültige Zusammensetzung bei der Schiedsrichterschulung am 23. Februar vorstellen möchte.

Geplanter Neulingskurs bringt Rückschlag

Erstes Ziel ist es, neue Schiedsrichter zu gewinnen. Einen Rückschlag musste Werkmann schon hinnehmen: Der für Februar und März geplante Neulingskurs musste abgesagt werden. Nur sieben Anmeldungen lagen vor. Dabei hätte die Gruppe neue Mitglieder dringend nötig. „Wir haben pro Woche - wenn alles läuft - 80 bis 85 Spiele zu besetzen. Viele sagen, ihr habt doch 100 Schiedsrichter. Von denen steht an den Wochenenden oft nur ein Drittel zur Verfügung. Die anderen sind krank, haben Urlaub oder Freitermine. Es gibt heute kaum noch Schiedsrichter, die 50, 60, 70 Spiele pro Jahr wegpfeifen. Viele leiten 15 bis 20 Spiele pro Jahr. Das war’s“, sagt Werkmann. Seit Corona merkten viele: Es geht auch ohne Fußball.

Vereine sollen ihre Probleme ansprechen

Florian Werkmann und seine Mannschaft wollen in einen engen Austausch mit den Vereinen treten. „Wir planen, uns mit den Vereinen - bei einem Termin in den kommenden zwei Monaten - an einen Tisch setzen. Wir werden jeden Verein einladen, jeweils den Vorsitzenden und den Vereinsschiedsrichterbeauftragten.“ Ziel sei ein direkter Austausch, ein Runder Tisch. Die Schiedsrichtergruppe schildert den Vereinen ihre Probleme und die Vereine sollen offen über ihre sprechen. „Wir sind da völlig offen für die Vorschläge, die die Vereine machen“, kündigt Werkmann einen Dialog an.

Sechstellige Summe an den Verband

Jede Saison zahlen die Vereine im gesamten Gebiet des Württembergischen Fußball-Verbandes (WFV) eine mittlere sechsstellige Summe an den Verband, weil sie zu wenig Schiedsrichter stellen. Einen Teil davon, mehrere Tausend Euro, entrichten auch die Vereine der Gruppe Saulgau, „auch wenn es in anderen Gruppen viel schlechter aussieht als bei uns“, sagt Werkmann. Von zentraler Bedeutung sei der Vereinsschiedsrichterbeauftragte. Ein Verein, in dem diese Position gut besetzt sei, funktioniere die Nachwuchsgewinnung. „Denn die Vereine selbst, der Schiedsrichterbeauftragte selbst, weiß, auf wen er im Verein zugehen muss, wer sich für diese Aufgabe eignet“, sagt Werkmann.

Vereine begegnen Probleme unterschiedlich

„Beste Beispiele für einen funktionierenden Schiedsrichterbeauftragten sind der FV Neufra/Donau oder der FV Altheim“, sagt Werkmann. „Andere Vereine haben null Schiedsrichter, aber die interessiert das auch nicht. Die zahlen halt die Strafe.“ Andere Vereine seien durchaus bemüht, erkennt Werkmann, bekämen aber keine neuen Schiedsrichter. Und bei manchen Vereinen gäbe es gar keinen wirklichen Schiedsrichterbeauftragten. „Es kam schon vor, dass wir angerufen haben und feststellen mussten, dass derjenige die Funktion gar nicht mehr ausübt, aus dem Verein ausgetreten oder im schlimmsten Fall verstorben ist.“

Eine schwierige Zeit wartet

Generell will Florian Werkmann ein gutes Miteinander - zum einen unter den Schiedsrichtern und zum anderen mit den Vereinen, wie auch zu den Nachbargruppen. Vielleicht auch, um in Zukunft gemeinsame Neulingskurse abzuhalten.

Dass es nicht leicht wird, alle Aufgaben, die sich der neue Schiedsrichterausschuss vorgenommen hat, umzusetzen, weiß Werkmann. „Wir wollen als Gruppe ein gutes Miteinander fördern. Wir wissen, dass die Aufgaben schwierig sind. Aber wir müssen das jetzt mal anschieben. So wie es jetzt läuft, wird es sonst eine schwierige Zukunft.“