StartseiteRegionalRegion SigmaringenBad SaulgauÖl läuft am Windrad herunter – Anlage im Bad Saulgauer Windpark steht still

Stillstand seit März

Öl läuft am Windrad herunter – Anlage im Bad Saulgauer Windpark steht still

Bad Saulgau / Lesedauer: 3 min

Die Betreiberfirma begründet den Stillstand mit einem Getriebeschaden. Einige Bürger vermuten eine andere Ursache.
Veröffentlicht:17.05.2023, 05:00

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Eine von drei Windkraftanlagen auf dem Schellenberg zwischen Braunenweiler und Renhardsweiler steht seit längerer Zeit still. Der Grund hierfür ist nach Angaben der Windkraftfirma Uhl aus Ellwangen ein Getriebeschaden. Indes kursieren Gerüchte, dass es eine Havarie gegeben haben soll. „Das stimmt nicht“, sagt Matthias Pavel, Projektleiter der Firma Uhl. Er bestätigt aber, dass Öl ausgelaufen ist.

Thema im Technischen Ausschuss

Aufmerksamen Beobachtern war aufgefallen, dass sich die nördlichste und an Braunenweiler nächstgelegene Anlage seit Ende März nicht mehr dreht. Auch in der vergangenen Sitzung des Technischen Ausschuss, als die Firma RES den zweiten Windpark in Bad Saulgau vorgestellt hatte, wurde das stillstehende Windrad thematisiert.

Mehrere Bürger, die sich auch schriftlich an die „Schwäbische Zeitung“ Bad Saulgau wandten, vermuten eine Havarie und werfen sowohl der Firma Uhl, die seit Ende 2019 den ersten Windpark in Bad Saulgau betreibt, als auch der Stadt Bad Saulgau vor, die Öffentlichkeit absichtlich nicht informiert zu haben.

Vorwurf an Firma und Stadt

Lothar Bihl aus Bad Saulgau fragt sich deshalb: „Wird hier nicht öffentlich berichtet, weil der Vorfall nicht in das Bild der neuen und so umweltverträglichen Energiegewinnung und grünen Ideologie passt?“ Dieser Vorfall werde stattdessen in der Hauptstadt der Biodiversität totgeschwiegen, wo Naturschutz so hochgehalten werde.

Auf einer der drei Anlagen verenden nach einem Getriebeschaden Insekten auf dem Ölfilm am Turm.
Auf einer der drei Anlagen verenden nach einem Getriebeschaden Insekten auf dem Ölfilm am Turm. (Foto: Lothar Bihl)

Die Stadt Bad Saulgau wurde zeitnah über den Getriebeschaden und das auslaufende Öl informiert. „Wir sind aber nicht die Betreiberin des Windparks“, sagt Thomas Schäfers, Pressesprecher der Stadt Bad Saulgau.

Hunderttausende von Insekten sind an dem Ölfilm verendet.

Lothar Bihl

Es stimme aber, dass knapp zehn Liter von insgesamt am 145 Meter hohen Turm nach unten gelaufen seien, so Schäfers. Die restlichen 790 Liter wurden in unmittelbarer Nähe des Getriebes in den dafür vorhergesehen Auffangrichtungen gesammelt. Lothar Bihl fotografierte den Turm, an dem das Öl nach unten lief. „Hunderttausende von Insekten sind an dem Ölfilm verendet‟, so Bihl. 

Beim Landratsamt gemeldet

Die Firma Uhl hatte sich ihrerseits am 28. März beim zuständigen Fachbereich des Landratsamtes Sigmaringen gemeldet, kurz nachdem wegen des Getriebeschadens Öl ausgelaufen war. „Es gab aber keine Havarie“, äußert sich Matthias Pavel zu den Gerüchten.

Eine Anlage habe einen Getriebeschaden gehabt, weshalb sie außer Betrieb sei, so Pavel. Dass nach nicht einmal vier Jahren Laufzeit eine Anlage bereits einen Totalschaden habe, sei ungewöhnlich, könne aber passieren, so Pavel, der versichern kann, dass das Öl mit entsprechenden Vorrichtungen aufgefangen worden und nicht ins Grundwasser gelangt sei. „Wir verwenden für unsere Anlagen nur Öl, das nicht das Grundwasser gefährden kann“, ergänzt Pavel.

Es sind durch das auslaufende Öl keine Schäden für die Umwelt entstanden.

Sebastian Korinth

Und genau dies befürchtete Lothar Bihl. „Inwiefern unser Trinkwasser, das im Wasserschutzgebiet Mannsgrab gewonnen wird, gefährdet ist, muss eine Fachstelle feststellen.“ Auch diese Prüfung ist bereits passiert. „Es sind durch das auslaufende Öl keine Schäden für die Umwelt entstanden“, sagt Sebastian Korinth, Pressesprecher des Landratsamts Sigmaringen, das demnach keinen Handlungsbedarf mehr sehe.

Abschaltung an Sonntagen

Die defekte Anlage auf dem Schellenberg steht indes noch eine Weile still. Anfang Juli soll das Getriebe ausgetauscht werden. Dass im Übrigen die Anlagen häufiger sonntags abgeschaltet werden, hat wirtschaftliche Gründe. „Wenn am einem Sonntag die Sonne scheint, es windig ist und gleichzeitig Stromverbraucher wie Gewerbebetriebe nicht arbeiten, dann ist zu viel Strom auf dem Markt“, sagt Pavel.