StartseiteRegionalRegion SigmaringenBad SaulgauAuf diesen beiden Straßen passieren die meisten Unfälle

Brennpunkt-Strecken 

Auf diesen beiden Straßen passieren die meisten Unfälle

Bad Saulgau / Lesedauer: 4 min

Alleine im August sterben auf den Strecken zwei junge Menschen. Das geht auch erfahrenen Feuerwehrleuten nah. 
Veröffentlicht:13.09.2023, 05:00

Artikel teilen:

Auf zwei Achsen in Bad Saulgau herrscht besonders viel Verkehr und daher ein erhöhtes Unfallrisiko — auf der Landesstraße 283 von Bad Saulgau nach Steinbronnen und auf der Bundesstraße 32 von Bad Saulgau nach Herbertingen. Alleine im Monat August kamen auf den beiden Strecken zwei junge Menschen ums Leben.

Jede Hilfe kommt zu spät

Zwei tragische Unfälle haben die Menschen in der Region erschüttert. Am 1. August starb eine 18–Jährige, die auf der L 283 mit ihrem Toyota von Steinbronnen in Richtung Bad Saulgau unterwegs war und kurz vor der Abzweigung nach Bondorf auf die Gegenfahrbahn kam, wo sie mit einem entgegenkommenden Auto kollidierte. Die 18–Jährige erlag ihren schweren Verletzungen an der Unfallstelle.

Auf diesen beiden Streckenabschnitten gibt es ein hohes Verkehrsaufkommen, was natürlich Gefahren birgt.

Stadtbrandmeister Karl-Heinz Dumbeck 

Und am 30. August endete ein Verkehrsunfall erneut tödlich — dieses Mal auf der B 32. Zwei Autos stießen frontal zusammen, nachdem eine 57–jährige Fahrerin, die in Richtung Herbertingen unterwegs war, in einer Rechtskurve auf die Gegenfahrbahn geriet, auf der sich eine 18–Jährige mit ihrem Citroën befand.

Die Kollision überlebte die 18–Jährige nicht. Im Landkreis Sigmaringen waren es bislang sechs tödliche Unfälle, drei Autofahrer, zwei Motorradfahrer und ein Radfahrer. Im Vergleich dazu: Im gesamten Jahr 2022 kamen neun Verkehrsteilnehmer ums Leben.

So ist die Bilanz der vergangenen zehn Jahre

Dass beide Straßen ein Gefahrenpotenzial mit sich bringen, zeigt eine Statistik des Polizeipräsidiums Ravensburg, die sich auf die vergangenen zehn Jahre bezieht.

Demnach haben sich auf dem Streckenabschnitt Bad Saulgau — Steinbronnen (L 283) insgesamt zehn schwere Verkehrsunfälle ereignet — bei der die 18–Jährige starb und weitere elf Menschen schwer sowie fünf Menschen leicht verletzt wurden. Auf dem Streckenabschnitt Bad Saulgau — Herbertingen (B 32) waren es sogar 23 schwere Verkehrsunfälle, bei denen fünf Menschen tödlich sowie 30 Menschen schwer und 18 Menschen leicht verletzt wurden.

Querverbindung nach Ulm

Wer die Uhr noch weiter zurückdreht, wird auf die Jahre 2000 bis 2006 stoßen, in denen auf der L 283 zwischen Bad Saulgau und Steinbronnen sieben Menschen bei Verkehrsunfällen starben. Die L 283 ist Teil einer auch von Lastwagen gern benutzten Querverbindung nach Ulm oder zur Autobahn nach München.

Nach den ersten tödlichen Unfällen hatte die Straßenbehörde reagiert und 2004 ein Überholmanöver eingerichtet, das die Autofahrer vor zu riskanten Überholmanövern abhalten sollte. Weil sich aber trotz des Überholverbots ein weiterer tödlicher Unfall ereignete, organisierten Mitglieder eines Gebetskreises am 20. Mai 2006 einen Kreuzweg auf diesem Streckenabschnitt. 200 Menschen gedachten an den teilweise mit Kreuzen gekennzeichneten Unfallstellen der Verstorbenen.

Unterschiedliche Ursachen

Die Unfallursachen auf beiden Streckenabschnitten sind indes unterschiedlich, wobei die Pressestelle des Polizeipräsidiums Ravensburg als häufigste Ursachen nach wie vor überhöhte Geschwindigkeit, riskante Überholmanöver, zu wenig Abstände, das Missachten der Vorfahrt oder Beeinträchtigung durch Alkohol oder Drogen nennt. Doch mittlerweile scheinen immer mehr Verkehrsteilnehmer durch Handys oder andere Einflüsse abgelenkt zu werden.

Schwierige Einsätze für die Feuerwehr

Bei schweren Verkehrsunfällen — vor allem mit eingeklemmten Insassen — rückt die Feuerwehr aus, um Hilfe zu leisten. „Auf diesen beiden Streckenabschnitten gibt es ein hohes Verkehrsaufkommen, was natürlich Gefahren birgt“, sagt Bad Saulgaus Stadtbrandmeister Karl–Heinz Dumbeck. An seinen Kameraden seien die beiden tödlichen Unfälle im August nicht spurlos vorbeigegangen.

In den Uniformen stecken auch nur Menschen, denen solche Unfälle an die Substanz gehen.

Karl-Heinz Dumbeck

Jedes Mal, wenn die Feuerwehr zu einem schweren Verkehrsunfall ausrücke, herrsche eine große Anspannung bei den Einsatzkräften, zumal immer damit gerechnet werden müsse, die Unfallbeteiligten zu kennen. „In den Uniformen stecken auch nur Menschen, denen solche Unfälle an die Substanz gehen“, ergänzt Dumbeck, der in solchen Fällen eine Nachbesprechung macht und auch auf Notfallseelsorger zurückgreift, die die Feuerwehrleute betreuen.

Selbst einem altgedienten Feuerwehrmann wie ihm gingen solche Unfälle, bei denen junge Menschen ihr Leben verlieren, nahe. Oft fragt er sich deshalb: „Wie viel Leid von anderen Menschen kann ein Einzelner vertragen?