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18–Jährige bekommt nach ihrem Tod den letzten Wunsch erfüllt

Bad Saulgau / Lesedauer: 4 min

Lina hat schon als Kind gesundheitliche Probleme. Mit 18 Jahren stirbt sie. Eine gute Bekannte startet deshalb eine Spendenkampagne.
Veröffentlicht:29.04.2023, 17:00

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Janine Wächter aus Heratskirch hat nicht lange überlegt, um der befreundeten Familie Sielaff aus dem Bad Saulgauer Teilort bei ihrer Trauer um ihre verstorbene Tochter Lina zu helfen. Lina wurde nur 18 Jahre alt. Ihr letzter Wunsch war ein Urnenbegräbnis im Bestattungswald Frankenbuch. „Wir wollten die Familie mit einer Spendenkampagne finanziell entlasten“, sagt Janine Wächter. Und Wächter ist bereits kurz davor, die angestrebte Spendensumme von 15.000 Euro zu erreichen.

Ärzte rätseln 

Lina Sielaff kämpfte schon seit ihrem ersten Lebensjahr mit schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen. „Kein Arzt konnte ihr aber genau sagen, was sie eigentlich hat. Es gab nie eine richtige Diagnose“, sagt Janine Wächter, die Lina schon als Kind aufwachsen sah und mit ihren Eltern gut befreundet ist, weshalb sie immer auf dem Laufenden war, wie es Lina, die geschwächt im Rollstuhl saß, gesundheitlich ging.

Lina ist das zweitälteste von insgesamt fünf Kindern. „Sie war intelligent, hat immer gelacht, war zu Späßen aufgelegt“, sagt Janine Wächter über Lina. Doch ihr viel zu kurzes Leben war geprägt von zahlreichen Krankenhausaufenthalten, von mehreren Operationen. „Sie konnte nie richtig essen, musste die Mahlzeiten wieder erbrechen“, sagt die 41–Jährige, selbst Mutter von minderjährigen Kindern. 2019 musste schließlich Linas Speiseröhre entfernt werden. Von diesem Zeitpunkt an ging es bergab, ihre Schmerzen nahmen zu, der Darm hörte auf, zu arbeiten.

Nur noch Haut und Knochen

Als Janine Wächter die 18–Jährige im Januar dieses Jahres zum letzten Mal sah, „war sie nur noch Haut und Knochen“, so Wächter. Schon lange davor hatte Lina den Entschluss gefasst, auf lebensverlängernde Maßnahmen zu verzichten. Sie verstarb am Mittwoch, 19. April, im Sigmaringer Krankenhaus.

Sie war intelligent, hat immer gelacht, war zu Späßen aufgelegt.

Janine Wächter

Aber Lina schaffte es noch, ihren Eltern ihren letzten Wunsch zu nennen: ein Begräbnis im Bestattungswald Frankenbuch — unter einem Kastanienbaum. Davon berichteten Linas Eltern der befreundeten Familie Wächter einen Tag nach ihrem Tod.

Geschwister leiden mit

Von diesem Zeitpunkt an war Janine Wächter klar, „dass ich helfen wollte.“ Linas Vater arbeitete von morgens bis abends, um die Fahrten in die Kliniken, die vielen Medikamente bezahlen zu können. Linas Mutter war rund um die Uhr für ihre kranke Tochter da, ihre Geschwister litten mit, gemeinsame Ausflüge und Urlaubserlebnisse gab es selten.

Janine Wächter aus Heratskirch hilft der trauernden Familie mit einer Spendenkampagne.
Janine Wächter aus Heratskirch hilft der trauernden Familie mit einer Spendenkampagne. (Foto: Dirk Thannheimer)

„Die Eltern haben in all den Jahren sehr viel Geld in Lina gesteckt“, so Wächter, die deshalb die Idee hatte, ein Spendenkonto zu eröffnen, um Linas letzten Wunsch erfüllen zu können und gleichzeitig der Familie finanziell unter die Arme zu greifen. Schon allein der Baum im Bestattungswald kostet etwas mehr als 9000 Euro. „Die Eltern waren happy, als ich ihnen davon erzählte“, so Wächter, deren Mann Thomas ebenfalls darüber nachgedacht hatte, der Familie zu helfen.

Aktion kurz vor dem Ziel

Janine Wächter meldete sich bei GoFundMe an, einer großen sozialen Crowdfunding-Plattform für Spendenkampagnen, deren Begünstigte in diesem Fall Linas Mutter ist. „Da wird erst alles ganz genau geprüft, bevor das Geld gesammelt werden“, sagt Wächter, die unter dem Titel Herzenssache Lina die Seite am Montag, 24. April, freischaltete. Innerhalb einer Woche gingen bereits mehr als 10.000 Euro Spenden ein. „Ich bin total überwältigt und habe nur positive Rückmeldungen erhalten“, sagt Wächter, die viele Spender überhaupt nicht kennt. „Sie kommen aus ganz Deutschland.“

In bunter Kleidung am Grab

Am Freitag, 5. Mai, wird Lina an dem Ort beerdigt, den sie sich vor ihrem Tod ausgesucht hat. „Sie wollte aber keine Trauerfeier, sondern eine Lebensfeier. Die Gäste sollen nicht schwarze Kleidung, sondern bunte Kleidung tragen“, ergänzt Wächter, die die Eltern am Tag der Beerdigung wenigstens damit trösten kann, dass ganz viele Menschen — bekannte und fremde — eine große Anteilnahme an Linas Tod zeigen.