Mahnwache

Gedenken an 54 Schicksale

Villingen-Schwenningen / Lesedauer: 2 min

Vorerst letzte Mahnwache für Opfer des NS-Regimes – Fortsetzung im Herbst
Veröffentlicht:24.01.2018, 09:30
Aktualisiert:22.10.2019, 22:00

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Die vorerst letzte Mahnwache auf dem Münsterplatz in Villingen hat sich nicht nur mit den jüdischen Opfern des Nationalsozialismus befasst, sondern auch mit Sinti und Roma, politisch und religiös Verfolgten, Zwangsarbeiterschicksalen und den Biografien ehemaliger Schülerinnen von St. Ursula. Friedrich Engelke, Vorsitzender des Vereins „Pro Stolpersteine“, blickte auf zehn Mahnwachen zurück, die von Oktober 2017 bis Januar in Villingen und Schwenningen veranstaltet wurden.

Er erinnerte an die 54 Personen, die in den vorhergehenden Mahnwachen in kurzen Biografien vorgestellt wurden. Engelke blickte auf die Schicksale von Menschen, die von den Nazis auf alle möglichen Arten schikaniert und terrorisiert wurden. Er begann bei den zwölf deportierten jüdischen Villingern nach Gurs. Es folgte das Gedenken an die Sinti-Familien Reinhardt, die ebenfalls in Vernichtungslagern umkamen.

Namentlich genannt wurden fünf Schülerinnen des Klosters St. Ursula , die teilweise noch flüchten konnten. Der Schwenninger Jakob Schuler, der im Ersten Weltkrieg ausgezeichnet wurde und sich als Stadtrat am kommunalen Geschehen beteiligte, versuchte über die Schweiz zu flüchten, was ihm nicht gelang, da er zurückgeschickt wurde. Der elsässische Bahnarbeiter Renatus Flick stahl ein kleines Essenspaket und wurde dafür von einem Sondergericht zum Tode verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft verwehrte den Angehörigen mit der Arroganz der Macht ein Begräbnis. Die Tochter des Schwenninger Pfarrers Richard Schäfer schilderte ihre Kindheitserfahrungen. Sie erinnert sich noch an ihre Ängste und die direkte Bedrohung ihres Vaters durch die Gestapo. Noch am 21. April 1945, wenige Tage vor der offiziellen Kapitulation Deutschlands, sollten 16 Schwenninger erschossen werden. Darunter war der Name ihres Vaters. Engelke bedauerte zum Abschluss, „dass nur wenige Opfer des NS-Regimes in der neuesten Chronik der Stadt Villingen-Schwenningen einen Platz gefunden haben“.

Die Mahnwachen werden im Herbst in Villingen und Schwenningen fortgesetzt.