Fotoprojekt

Fotoprojekt in Villingen will auf Pflegenotstand hinweisen

Villingen-Schwenningen / Lesedauer: 3 min

Die leerstehenden Richthofen-Kasernen sind Schauplatz für ein ungewöhnliches Fotoshooting
Veröffentlicht:28.12.2021, 10:07

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Aufrütteln, auf den Pflegenotstand hinweisen und mit teilweise schockierenden Ansichten provozieren – dies soll mit den nicht alltäglichen Bildern gelingen, die in Villingen entstanden sind und bald gezeigt werden sollen. Lange hatte Cathrin Beese, Geschäftsführerin des Pflegeheims Parkresidenz am Germanswald, ihr diesjähriges Fotoprojekt „Sehen Sie hin – eine Dystopie“ im Hinterkopf. Jetzt ist es im Kasten und die Bilder könnten ausgestellt werden. Doch die Corona-Pandemie macht ihr noch einen Strich durch die Rechnung: „Wir müssen abwarten, so leid es uns tut“.

Shooting erfordert Mut

Am 8. September fand das Fotoshooting zu diesem sensiblen Thema statt; der Künstler Andreas Jorns aus Haan, ihm gehört das Vertrauen von Cathrin Beese, war nach Villingen gereist. Der Treffpunkt mit Models, vorwiegend ohne Erfahrung, die sich bei Cathrin Beese beworben hatten, war vor der leerstehenden Richthofen-Kasernen in Villingen. Der Großteil der Modelle jedoch waren die eigenen Mitarbeiter der Parkresidenz. Der Ort des Fotoshootings war eine Überraschung, das Thema auch. Es war nur bekannt, dass man den Mut haben sollte, sich dem Thema auf provokante Art zu stellen.

„Mir kam die Idee bereits vor vielen Jahren. Hintergrund ist, dass ich das Gefühl hatte, wir befinden uns mit der Pflege im Stillstand. Nichts tut sich und nichts bewegt sich nach vorne. Vor allen Dingen tut sich einfach zu wenig für das Personal.“ Cathrin Beese und ihr Team, Fotograf Jorns und die zwölf männlichen und weiblichen Models, zogen gut gelaunt in das ehemalige Casino in Villingen ein, dessen Pracht langsam abblättert, aber dennoch beeindruckt.

Die beiden Make-Up-Artistinnen Petty La Rosa und Sarah Heidelberger hatten schon ihre Tische aufgebaut. Cathrin Beese und ihr Team schleppten einen Karton mit alten Klamotten an: „Sucht euch etwas aus und zieht es an", forderte sie die Models auf. Also gut, man alterte schon beim Umziehen. Dann schritten die Make-Up-Artistinnen zur Tat und jeder Blick in den Spiegel tat weh: „Mein Gott, sehen wir alt aus“, bewunderte man sich gegenseitig.

So langsam zeigte die etwas düstere Umgebung Wirkung und alle wurden ruhiger. „So, zwei kommen mit“, erklärte Cathrin Beese – mit ihrem Team und Jorns zogen sie davon.

Das Lachen bleibt im Hals stecken

Auf die Frage, „was macht Ihr denn?“, antwortete sie: „Wir wollen mit den Bildern aufrütteln und auf den Pflegenotstand hinweisen, natürlich überzeichnen wir.“ In kleinen Gruppen ging es in andere Kasernen zum Fotoshooting - und da blieb das Lachen schon im Hals stecken. Es darf hier noch nicht weiter verraten werden, welche Szenen fotografiert wurden – das Projekt soll einen Überraschungseffekt erzielen. Nur soviel sei gesagt: Jorns Bilder sind alle in Schwarz-Weiß gehalten und sie dürften ihre Wirkung nicht verfehlen.

Die meisten Ausstellungsräume seien geschlossen, Gesprächstermine zu Veröffentlichungen wurden geschoben, so Cathrin Beese. „Wir möchten auf jeden Fall, dass die Bilder von möglichst vielen Menschen gesehen werden, also warten wir noch“, betont sie. Momentan sind sie im Baltic Hotel auf Usedom zu sehen. Veröffentlicht wird das Projekt auf der Homepage, sowie bei Social Media der Parkresidenz am Germanswald und Andreas Jorns.