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Von Platzwart bis Vorstand: Die Marquarts machen es

Tuttlingen / Lesedauer: 4 min

Beim FC Reichenbach engagieren sich 13 Männer mit gleichem Nachnamen und sorgen dadurch für Verwirrung
Veröffentlicht:31.08.2017, 17:49
Aktualisiert:23.10.2019, 02:00

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Ob Platzwart, Hausmeister des Vereinsheims, Spieler, Trainer oder Vorsitzender: Die Geschicke des FC Rot-Weiß Reichenbach sind momentan eng mit einem Namen verknüpft – Marquart. 13 Männer engagieren sich beim Fußballverein nach dem Motto „Marquart machts“.

Dass sich momentan so viele Marquarts am Vereinsleben beteiligen, sei eigentlich ein Zufall – in dem 536 Einwohner zählenden Ort aber eben auch wahrscheinlich. „Das ist einfach der gängigste Name in Reichenbach. Mehr als die Hälfte der Leute im Ort heißt so“, sagt Frank Marquart , der den Verein seit 1994 als Vorsitzender führt.

Ein Familienbetrieb ist der Club trotz der vielen Marquarts aber nicht. „Reichenbach ist ein kleines Dorf. Da halten alle zusammen. Zum Zeltaufbau vor dem Heuberger sind viele Leute gekommen. Das war schnell geschafft“, lobt der stellvertretende Vorsitzende, Andreas Marquart , die Dorfgemeinschaft. Die Verbundenheit mit dem Ort hebt auch Marc Marquart hervor. „Wir wollen etwas zurückgeben, was wir früher mit auf den Weg bekommen haben“, sagt der 29-Jährige, der seit einigen Jahren für den SV Gosheim spielt, aber weiter Jugendtrainer für Reichenbach ist. Schon früher habe beim FC der große auf den kleinen Marquart geschaut, sagt der SVG-Kicker.

Vater Thomas und Sohn Dennis spielten noch zusammen

Was für den Jugendbereich gilt, trifft mittlerweile auch auf die erste Herrenmannschaft zu. Mit Dennis hat Thomas Marquart – seit 2003 Trainer der Rot-Weißen – seinen eigenen Sohn unter den sportlichen Fittichen. Es ist, und das ist wenig verwunderlich, nicht die einzige verwandtschaftliche Beziehung unter den FC-Marquarts. Mit Jonas und Martin sowie Markus, Andreas und Thomas gibt es mehrere Geschwister im Verein. Familiär verbunden ist das Brüder-Trio auch noch mit den Cousins Klaus und Frank. „Ich komme allerdings von der anderen Seite der Familie“, meint der Vorsitzende, der sein Amt bei der Generalversammlung am Freitag, 15. September, abgeben wird.

Auf den Fußballplätzen der Region haben die Marquarts aus Reichenbach bereits für einige Verwirrung gesorgt. Die Zuschauer hätten schon erstaunt geschaut, als Dennis seinem Vater zurief: „Papa, jetzt spiel schon rüber“, erzählt Thomas, der bis 2015 noch als Spielertrainer auflief. Und Andreas ergänzt, dass es schon vorgekommen sei, dass der falsche Marquart nach einem Platzverweis die Konsequenzen ausbaden sollte. „Johannes hat damals eine Rote Karte bekommen und Martin wurde gesperrt.“ Erst eine E-Mail vom Vorsitzenden Frank Marquart trug dazu bei, das Missverständnis aufzuklären. Noch mehr Überzeugungsarbeit war bei einem Besuch eines Mitarbeiters einer Firma für Sportplatzbau nötig. „Der Mann ist zu uns gekommen und alle, die vom Verein dabei waren, haben sich mit Marquart vorgestellt. Er hat gedacht, wir wollen ihn verarschen und er wollte schon wieder gehen.“

Auch jugendliche Marquarts zieht es mit Macht zum FCR zurück

Mittlerweile hat sich die Lage für die Schiedsrichter entspannt. Mit Dennis, Johannes, Jonas, Marco und Martin spielen nur noch fünf Marquarts in der ersten Mannschaft. „Es gab aber auch Zeiten, da konnten wir elf Marquarts aufstellen“, sagt Andreas Marquart. Ein komplett namensgleiches Team zusammen zu bekommen, dürfte mittlerweile schwer werden. Auch wenn es einige Marquarts gibt, die zum erweiterten Kader der Fußball-Mannschaft gehören. Beim 1:2 beim SV Egesheim saß mit Ersatztorwart Marcel ein weiterer Marquart auf der Ersatzbank.

Am Nachschub mangelt es auch in den nächsten Jahren nicht. Zwar hat Reichenbach selbst keine Jugendmannschaft mehr und kooperiert im Jugendbereich mit dem TV Wehingen und dem SV Gosheim . Die Hoffnung besteht aber, dass die Reichenbacher Kinder, die in allen Altersklassen mitspielen, nach ihrer fußballerischen Ausbildung wieder zum FC zurückkehren. So wie Robin Marquart. Der Sohn von Markus Marquart sei nach der E-Jugend nach Wehingen gegangen und will, da er bald vor dem Übergang zu den Senioren steht, „mit aller Macht zurück“ nach Reichenbach. Deshalb, sagt Klaus Marquart, sei es auch wichtig, dass die Erwachsenen aus Reichenbach sich bei der Zusammenarbeit mit Wehingen und Gosheim selbst als Trainer einbringen.

In Reichenbach wird Robin Marquart möglicherweise bald wieder die Fußballstiefel schnüren. Anschließend tritt er vielleicht auch in der Führungsarbeit in die Fußstapfen eines anderen Marquarts. So ist es auch bei der Nachfolge von Frank Marquart gedacht. Die Aufgabe des Vorsitzenden soll zwar auf mehrere Schultern verteilt werden. Unter den potenziellen Vorstandsmitgliedern wird sicher auch ein Marquart zu finden sein. Alles andere wäre in Reichenbach schon verwunderlich.