Orgelsommerkonzert

Viele Musikfreunde kommen zum 4. Orgelsommer-Konzert

Tuttlingen / Lesedauer: 2 min

Kirchenmusikerdirektor Helmut Brand begeistert einmal mehr seine Zuhörer
Veröffentlicht:28.08.2016, 19:43
Aktualisiert:23.10.2019, 13:00

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Trotz bestem Sommerwetter ist am Samstagabend die Stadtkirche beim 4. Orgelsommerkonzert mit Orgelfreunden gut gefüllt gewesen. Ein Zeichen, wie sehr Kirchenmusikdirektor Helmut Brand auch als virtuoser Organist geschätzt wird.

Er begann das Konzert mit Passacaglia in c-moll von Johann Sebastian Bach , einem Werk, in dem dieser über 20 Wiederholungen des Bassthemas und einer Fuge seiner Fantasie freien Lauf lassen konnte. Dies führte Helmut Brand überlegen vor.

Der französische Komponist César Franck (1822-1890) schilderte in seinen Orgelwerken menschliche Gemütsbewegungen mit sprechender Melodik und reicher Klanglichkeit, möglich gemacht durch die neuen großen Orgeln von Cavaillé-Coll. So ließ Helmut Brand dessen „Piéce heroique“ mit all den Klangraffinessen der vom französischen Stil beeinflussten Stadtkirchenorgel durch seine flinken Finger und Fußspitzen im Kirchenraum grandios erklingen.

Noch eine Steigerung gab es durch die Sätze 1,4 und 5 aus der Symphonie für Orgel Nr. 5 in f-moll von Charles-Marie Widor (1844-1937). Schon im ersten Satz zauberte Helmut Brand mit seiner überlegenen Spieltechnik ein riesiges Klanggemälde aus den Tasten der Orgel. Da befand man sich in wundersamer Seligkeit. Der zweite Satz wirkte dann durch die sanfte Registrierung wie ein andächtiges Beten. Der fünfte Satz, die berühmte Toccata, wird durch ihre Brillanz gerne zu Hochzeitsfeierlichkeiten gewünscht, so man einen Organisten vom Format eines Helmut Brands hat. Hier hatte man dies. Vollkommen hingerissen spendeten die Zuhörer danach einen Zwischenapplaus.

Da gab es keine Steigerung mehr. Darum setzte er danach Introitus und Offertorium von Charles Tournemire ins Programm, einem Schüler Widors. Es war ruhige Gottesdienstmusik mit gregorianischer Melodik. Jedes dieser Stücke ließ Brand mit der Melodie auf dem Glockenspiel der Orgel ausklingen.

Als Schlussstück spielte er aus Edward Elgars „Pomp and Circumstance“ den Marsch Nr. 4. Es war, als zog der König durch die Straßen Londons mit einem großen Schlussfest. Der kaum enden wollende große Beifall galt dem ganzen Konzert. Und nachdem dieser verklungen war, sagte Helmut Brand, er wolle die Zugabe dem in der vergangene Woche verstorbenen Harald Waldrich widmen, der elf Jahre lang in seinem Chor gesungen habe. Er spielte nun mit fast übersinnlich zarter Klanglichkeit „Im Paradies“ von Gabriel Fauré. Hatte Brand hierzu drei Hände? Er sagte, die Melodie habe er mit dem Pedal in Sopranhöhe gespielt, und so habe er beide Hände für die Begleitung zur Verfügung gehabt. Welch ein himmlischer Beschluss!