Verhaltensmuster

Verdrängen als Mutter aller Verhaltensmuster

Tuttlingen-Möhringen / Lesedauer: 3 min

Gesichtsleserin Tatjana Strobel spricht in der Reihe Erfolgsmacher über Verhaltensstrategien Erwachsener
Veröffentlicht:28.04.2017, 18:14
Aktualisiert:23.10.2019, 06:00

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Als „Physiognomie-Expertin“ liest Tatjana Strobel für verschiedene Medien Charaktermerkmale aus den Gesichtern Prominenter. Am Donnerstagabend hat sie bei ihrem Vortrag im Rahmen der Reihe „Die Erfolgsmacher“ ihrem Publikum Tipps vermittelt, wie negative, bereits in der Kindheit geprägte Verhaltensweisen, zu positiven Strategien „gedreht“ werden können.

Auch beim zweiten der sechs „Erfolgsmacher“-Vorträge blieben in der Angerhalle nur wenige Plätze leer. Strobel führte ihre Zuhörer in die Grundlagen der Psychologie und Menschenkenntnis ein. Auf der Bühne stand kein wissenschaftlich verbildeter Referent, sondern eine Frau mit Herzblut, die ihre Ausführungen mit vielen Geschichten illustrierte. Sie hätte sich schon immer für Menschen interessiert, erzählt Strobel. Und immer hätten Fremde ihr ihr Herz ausgeschüttet. Die Aussagen eines „Gesichterlesers“ seien so faszinierend gewesen, dass sie ihren gut dotierten Job als Geschäftsführerin bei einer Schweizer Parfümeriekette mit 600 Mitarbeitern quittierte. Seither liest sie, nach einer entsprechenden Ausbildung, selbst aus den Gesichtern fremder Menschen.

Die Grundlage ihres Vortrags bildete ihr Buch „Die hohe Kunst der Selbstdarstellung“. Es trägt den Untertitel: „Was wir uns von Arschlöchern abschauen können“. Es sei ihren früheren Chefs gewidmet, erzählt die Autorin. Allerdings scheint sie inzwischen versöhnt mit deren Gebaren. Im Zuge ihrer Recherchen sei sie zum Schluss gekommen, dass „Arschlöcher ganz arme Menschen sind“. Sie hätten alles, was sie anderen zufügten, einmal selbst erlebt und keine anderen Überlebensstrategien entwickelt.

Die Verhaltensstrategien Erwachsener sind auf unterschiedliche Prägung in den ersten zehn Lebensjahren zurückzuführen, erkärte Strobel. Liebe könne ein Kind nie genug erfahren. Individualität müsse unbedingt gestärkt werden. Kinder bräuchten klare Strukturen, und sei es nur, um dagegen anzukämpfen. Sie müssten ihre eigenen Erfahrungen machen dürfen: „Wer oft auf der Schnauze lag, hat Strategien entwickelt, um aufzustehen.“ Und schließlich bräuchten sie ein Lernumfeld, das Raum für Freude und Fantasie ließe.

Streit muss sein: Konflikte zu verdrängen, ist gefährlich

Aus diesen Prägungsmustern entwickelten sich die Verhaltensstrategien, die Erwachsene ihr Leben lang beibehielten. „Verdrängen“ sei die „Mutter aller Muster“. Konflikte zu vermeiden, sei gefährlich, denn: „Streit muss sein“. Nur in der Reibung könne man neue Lösungen finden. Leistungsorientierte Menschen wollten sich auf diese Weise beweisen. Menschen mit Helfersyndrom hofften dadurch auf Anerkennung. Machtmenschen hätten zwar vordergründig kein Selbstwertproblem, hätten aber als Kind oft Ohnmacht erlebt und daraus diese Strategie entwickelt. Narzisten seien als Kind oft „kaputtgelobt“ worden. Sie seien zwar eloquent, charmant und begeisternd, aber ihr inneres Kind mache sie unfähig zur Selbstkritik. Wer versuche, sich als Lügner Bedeutung zu verschaffen, schade häufig anderen, aber am meisten sich selbst, weil er nicht hinter sich stünde.

Um das „Denken, Fühlen und Handeln zum Einklang zu bringen“, hatte Strobel einige Tipps für ihre Zuhörer. „Finden Sie Ihr Potential“, lautete der erste und es gab auch eine Hausaufgabe. Alle sollten ihre Stärken notieren, und zwar eine für jedes Lebensjahr. Die eigene Einzigartigkeit erkennen, den Mut aufbringen, sich neu auszurichten und die Einzelschritte im eigenen Tempo gehen, riet Strobel. Und sich Energiequellen suchen – und sei es „eine Bastelstunde bei den Aborigines“. Und zum Abschluss gab sie dem Publikum auf den Weg: „Lieben Sie sich selbst, was Sie tun, ihre Mitmenschen und das Leben“.