Stolpersteine

Ausschuss sagt Ja zu Stolpersteinen

Tuttlingen / Lesedauer: 2 min

Arbeitsgruppe soll Namen von NS-Opfern recherchieren – Acht Stellen geplant
Veröffentlicht:11.11.2014, 14:39
Aktualisiert:24.10.2019, 08:00

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Zwar bietet schon die Tuttlinger Fußgängerzone genügend Stolperfallen, bald sollen an anderer Stelle aber noch mehr hinzukommen – allerdings nur symbolischer Art: An acht Stellen will die Stadt, voraussichtlich im kommenden Jahr, Stolpersteine verlegen lassen. Sie sollen an Opfer der Nazi-Diktatur erinnern.

Der Verwaltungs- und Finanzausschuss sprach sich in seiner Sitzung am Montag dafür aus, das Projekt des Künstlers Gunter Demnig in der Stadt umzusetzen. Dabei hatte es im Vorfeld Diskussionen gegeben, ob diese Form der Erinnerung auch die richtige sei. Die SPD-Fraktion hatte eine „individuelle Lösung für Tuttlingen“ vorgeschlagen, entsprechend „einfallslos“ fand SPD-Gemeinderat Fabian Rothfuss nun den Vorschlag der Verwaltung, sich an dem weit verbreiteten Projekt Stolpersteine zu beteiligen.

Tatsächlich sei es aber gerade dieser Aspekt, der sie überzeugt habe, sagte Museumsleiterin Gunda Woll , die sich um die Stolpersteine kümmert. „Es ist das größte dezentrale Mahnmal Deutschlands, an dem wir uns beteiligen können.“

40 000 Steine, 820 Städte

Der Künstler hat bereits 40 000 Stolpersteine anfertigen lassen. Seit er das Projekt 1992 startete, wurden die Steine in 820 deutschen Städten verlegt, auch in 14 weiteren Ländern gibt es die Steine. Die Quader mit beschrifteter Messingoberfläche werden in Gehwege eingelassen und erinnern an Juden, Behinderte, Sinti, Roma, Homosexuelle oder Andersdenkende, die während der NS-Diktatur verschleppt und ermordet wurden. Die Steine werden mit Namen, Geburts- und Sterbedatum versehen und sind vor den Häusern zu finden, in denen die Person ihren letzten selbstgewählten Wohnsitz hatte.

Das Prinzip Stolpersteine ist umstritten: Kritiker sagen, die Opfer würden „wortwörtlich mit Füßen getreten“. Künstler Demnig dagegen vertritt die Ansicht, die Passanten verbeugten sich vor den Opfern, weil sie nach unten sehen müssten, um die Namen zu lesen. Zuletzt hatte es in Villingen-Schwennningen eine Kontroverse über die Bedeutung der Stolpersteine gegeben: Der Gemeinderat hatte sie letztlich abgelehnt.

„Mehr als Gedenkplatte“

Die Tuttlinger Gemeinderäte teilen diese Bedenken der VS-Kollegen nicht. Wichtig sei es, an die Opfer zu erinnern, und die Stolpersteine seien „ein überzeugendes Konzept, das mehr erreichen kann, als eine Gedenkplatte an einer Hauswand“, so Till Haendle (Freie Wähler).

Eine Arbeitsgruppe um Gunda Woll soll nun Namen und Orte recherchieren, die sich für solche Stolpersteine eignen. Die Stadt will zunächst 7000 Euro ausgeben, dabei könnten sich an den acht Stellen durchaus mehrere Namen wiederfinden, erklärte Gunda Woll. Allerdings braucht die Umsetzung nicht nur Planung, sondern auch etwas Zeit: Die Steine werden in Berlin gefertigt, die Wartezeit nach Bestellung beträgt etwa ein dreiviertel Jahr.