Führungsriege

Paukenschlag: Aesculap trennt sich von Forschungschefin Katrin Sternberg

Tuttlingen / Lesedauer: 3 min

Es soll Differenzen mit dem neuen Aesculap-Chef Jens von Lackum gegeben haben. Wie das Unternehmen die Trennung begründet und auf wen es künftig setzt.
Veröffentlicht:30.06.2022, 11:16
Aktualisiert:30.06.2022, 13:05

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Kurz nach seinem Amtsantritt sortiert Aesculap-Chef Jens von Lackum die Führungsriege neu. Forschungschefin Katrin Sternberg muss den Hut nehmen, dafür bekommen zwei neue einen Posten im Vorstand.

Vor allem diese Nachricht kam am Donnerstag überraschend: Das Tuttlinger Medizintechnikunternehmen und Katrin Sternberg, Vorstandsmitglied für Forschung und Entwicklung, gehen ab Juli getrennte Wege. Als Grund gab der Mutterkonzern B.Braun aus Melsungen „unterschiedliche Auffassungen über die künftige strategische Ausrichtung der Sparte“ an. Man habe sich „im Einvernehmen dafür entschieden“, dass Sternberg ihr Amt niederlege, heißt es in einer Pressemitteilung.

Nach Informationen unserer Zeitung soll es Differenzen zwischen dem Aesculap-Vorstandsvorsitzenden von Lackum und Katrin Sternberg gegeben haben. Sternberg war im August 2018 in den Vorstand von Aesculap aufgerückt. Die promovierte Biomechanikerin war von der Universität Rostock nach Tuttlingen gewechselt und hatte es als erste Frau in das oberste Führungsgremium von Aesculap geschafft.

Nachfolger kommen aus dem Unternehmen

Für die Aesculap AG ist es der zweite Wechsel in der Führungsetage innerhalb kürzester Zeit. Ende März war der langjährige Vorstandsvorsitzende Joachim Schulz in den Ruhestand gegangen. Seinen Posten hatte der bisherige Stellvertreter Jens von Lackum übernommen.

Medizintechnikunternehmen

Jens von Lackum wird neuer Chef von Aesculap

qTuttlingen

Der Vorstand hat ab Juli dann wieder drei Mitglieder: Sternberg wird durch Holger Reinecke und Andreas Hahn ersetzt. Zudem rücken die neue Personalchefin Ines Lützen und der neue Verantwortliche für Global Marketing und Sales, Lubomir Klepac, in den erweiterten Vorstand von Aesculap auf, der aus acht Mitgliedern besteht.

Reinecke ist zugleich CEO von Schölly

Holger Reinecke übernimmt die Bereiche Forschung und Entwicklung und Regulatory Affairs. Zudem wird er weiter CEO der Firma Schölly sein. Aesculap ist seit Juli 2021 Mehrheitseigner von Schölly.

Reinecke ist studierte Chemiker. Er promovierte an der Technischen Universität Clausthal-Zellerfeld. Anschließend bekleidete er in mehreren Firmen unterschiedliche Positionen in den Bereichen Forschung & Entwicklung, Produktion und Marktentwicklung. Bis 2014 hatte Reinecke zehn Jahre lang einen Lehrstuhl an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und war in Personalunion Leiter des Instituts für Mikro- und Informationstechnologie der Hahn-Schickard-Gesellschaft in Villingen-Schwenningen.

Hahn ist seit 30 Jahren bei Aesculap

Andreas Hahn wird künftig für die Bereiche Finanzen und Controlling, Qualitätsmanagement, Zentrale Technische Dienste und Fusionen und Übernahmen verantwortlich sein.

Hahn begann seine Karriere bei den Alno-Möbelwerken in Pfullendorf. Nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann und einem Studium der Betriebswirtschaftslehre wechselte er zur Aesculap AG, für die er seit mehr als 30 Jahren tätig ist. Seit 2006 ist Hahn Senior Vice President Finance & Controlling.

Läuft Umsetzung der EU-MDR schleppend?

Zu den Hintergründen der Personalwechsel ist wenig bekannt. Aus Unternehmenskreisen war jedoch zu hören, dass die Umsetzung der europäischen Medizinprodukteverordnung (EU-MDR) bei Aesculap nicht so schnell vorangehe wie geplant. Zudem bremse die EU-MDR das Unternehmen aus, weniger Produkte würden hergestellt.

Dazu schreibt Aesculap auf Anfrage: Die Implementierungsaktivitäten würden seit dem Beschluss zur EU-MDR auf Hochtouren laufen. Es hätten auch „signifikante Teile des Portfolios den Zertifizierungsprozess durchlaufen, aber es liegt weiterhin noch ein Stück Weg vor uns.“ Die Zertifizierung sei vor allem zeitlich eine große Kraftanstrengung.

Umsatzwachstum

B. Braun geht 2022 von weiterem Umsatzwachstum bei Aesculap aus

qTuttlingen

Tatsächlich wurden deshalb einige Produkte gestrichen. Vor dem Hintergrund des hohen Zulassungsaufwands habe man sich veranlasst gesehen, „einige Produktbereiche nicht mehr unter MDR zuzulassen und damit künftig einzustellen, so zum Beispiel im Bereich der Traumatologie“, heißt es von Aesculap. Und weiter: „Außerdem haben wir uns dazu entschieden, einige Innovationsprojekte nicht mehr fortzuführen, weil der damit verbundene zusätzliche regulatorische Aufwand wirtschaftlich nicht mehr vertretbar wäre.“

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