Süß

40 Kilogramm Pollen für ein Glas Honig

Tuttlingen-Möhringen / Lesedauer: 4 min

24-Stunden-Serie, Teil XIII: Von 15 bis 16 Uhr bei den Bienenvölkern in Möhringen
Veröffentlicht:31.08.2015, 10:10
Aktualisiert:24.10.2019, 00:00

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Liebes Bienchen, gib mir Honig: Wir haben uns bei Hobby-Imker Thomas Hauser und den Bienenvölkern in Möhringen umgeschaut.

Es summt und surrt. Aufgeregt fliegen ein paar Bienen aus dem Stock, als Thomas Hauser den Deckel abnimmt. Heute überprüft er neun von insgesamt rund 20 Bienenvölkern, die er und sein Schwager rund um Möhringen angesiedelt haben.

Auf dem Platz im Wald bei Möhringen leben ein paar der Bienenvölker auf beinahe 900 Höhenmetern, erklärt der Hobby-Imker. „Hier entsteht ein ganz anderer Honig als unten im Möhringer Tal. Die Vegetation hier oben ist eine andere, mehr Obstbäume und weniger Raps zum Beispiel.“ Daher sei in diesem Sommer Honig mit zwei unterschiedlichen Farben entstanden: sattes, helles Gelb von den Bienen aus dem Wald und mattes, dunkleres Gelb von den Tal-Bienen. Außerdem sei auch der seltene Waldhonig dabei gewesen, erzählt Thomas Hauser.

Seit 1999 betreut er die Bienenvölker. Zuvor war die Möhringer Imkerei das Ein und Alles seines Vaters. Als Jugendlicher habe er allerdings nicht sonderlich viel bei der Honig-Gewinnung geholfen, erzählt Thomas Hauser: „Hin und wieder habe ich geholfen, etwas Schweres zu tragen. Aber ich hatte nie wirklich Ahnung davon, wie man mit Bienen umgeht.“ Nach dem Tod des Vaters kamen dann immer wieder Nachbarn auf die Hausers zu und fragten nach dem Honig. Nach einer gewissen Bedenkzeit entschloss sich Thomas Hauser dann, die Bienen zu übernehmen: „Sie waren sowieso schon jahrelang so etwas wie ein Teil unserer Familie und bestimmten unter anderem den Jahresablauf, also wollte ich es versuchen.“ Sein Schwager Peter Hofman stieg zur Unterstützung in die Pflege der Bienen mit ein.

Jede Menge Überraschungen

„Nach dem ersten Jahr dachten wir, wir würden schon alles über Bienenzucht wissen. Aber es gibt immer wieder Überraschungen“, erzählt Hobby-Imker Thomas Hauser. Nach und nach bauten sie sich Bienenvölker auf und arbeiteten sich in das Thema ein. Nun schaut Thomas Hauser im Sommer beinahe jeden Tag nach den Bienen. Er überprüft zum Beispiel, ob im Stock noch genügend Futter vorrätig ist. Alles, was die Bienen ganz unten ablegen, dürfen sie behalten, um ihren Wintervorrat daraus zu bilden. Nur der Honig aus den oberen Schichten wird für den Eigenverbrauch oder Verkauf gewonnen. Damit die Bienen den Winter überleben, muss Thomas Hauser aber ein wenig helfen: „Wir füttern jedes Jahr allen Völkern zusammen etwa 28 Kilogramm Rübensirup zu.“

Eine weitere wichtige Aufgabe in der Bienenzucht sei auf jeden Fall die Behandlung der Varroamilben, erklärt der Imker. Für diese Tätigkeit dürfe es aber nicht heißer als 30 Grad oder richtig kühl sein. Man müsse den richtigen Tag abpassen. Dann kommt ein Schwammtuch mit Ameisensäure in den Stock, damit die Milben absterben. „Das muss zwar sein, um die Bienen vor dem Milbenbefall zu retten, gerne lege ich ihnen aber das Tuch mit Säure nicht in ihr Wohnzimmer“, sagt Hauser.

Größte Gefahr sind Menschen

Die Varroamilbe gilt als einer der Hauptgründe für das Bienensterben, das in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Thomas Hauser sieht die Milbe ebenfalls als Gefahr, jedoch nicht als die Größte. „Dass es die Varroamilbe seit etwa 40 Jahren gibt, hat niemand verschuldet. Die Bienen haben allerdings Probleme, die der Mensch verursacht hat: Umweltverschmutzung und Monokultur auf den Feldern zum Beispiel.“ Damit die Bienen vital und gesund bleiben, müssten sie im Jahr rund 40 Kilogramm Pollen von unterschiedlichen und nicht nur einer Blüten-Sorte sammeln. Im Moment würde es den Bienenvölkern rund um Möhringen aber gut gehen. Und eine gesunde Biene kann etwa ein Teelöffel Honig in ihrem Leben produzieren.

„Manchmal sitze ich einfach gern eine halbe Stunde vor einem Bienenstock und beobachte, wie die Bienen rein- und rausfliegen. Die Imkerei ist ein schönes Hobby und auch ein wenig nützlich.“ Da sei der Honig nur ein leckeres Nebenprodukt.

Alle Teile der Serie lesen Sie online auf schwaebische.de/24h-tuttlingen.