Waffenbesitz

19-Jähriger wegen Waffenbesitzes verurteilt

Tuttlingen / Lesedauer: 3 min

Tuttlinger kaufte Maschinenpistole und Pumpgun nebst Munition im Internet
Veröffentlicht:31.05.2016, 17:50
Aktualisiert:23.10.2019, 15:00

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Ein 19-Jähriger ist am Dienstag vor dem Amtsgericht Tuttlingen wegen illegalen Waffenbesitzes zu 120 Sozialstunden und einer Geldstrafe verurteilt worden. Der Tuttlinger Teenager hatte im sogenannten Darknet (illegales Internet) eine vollautomatische Maschinenpistole und eine Pumpgun nebst Munition gekauft. Benutzt und abgefeuert hatte der junge Mann die Waffen nicht.

Mit einem blauen Auge kam der junge Tuttlinger vor Gericht davon, da Richterin Larissa Terlecki der Einschätzung der Jugendgerichtshilfe folgte und für den zur Tatzeit 18-Jährigen aufgrund seiner diagnostizierten sozialen Unreife das Jugendstrafrecht anstatt das Strafrecht für Erwachsene anwendete. „Sie haben Mist gebaut – und zwar richtig“, machte die Amtsrichterin in der Urteilsbegründung dem jungen Mann noch einmal eindeutig klar, dass sein Vergehen zwar unter der Kategorie Jugendsünde einzuordnen sei, jedoch die Tat alles andere als harmlos sei. Nach Erwachsenenstrafrecht hätte diese Tat Gefängnis bedeutet.

20 Polizisten stürmen das Haus

„Was meinen Sie, was ich gedacht habe, als ich die Akten auf den Schreibtisch bekommen habe?“ Richterin Terlecki fragte den Angeklagten. Das Wort Amoklauf sei ihr als erstes in den Sinn gekommen. „Ich hatte damit nichts vor und wollte die nur sammeln“, entgegnete der 19-Jährige, der sich reumütig zeigte und die Tat in vollem Umfang gestand. Zudem stellte er der Polizei für weitere Ermittlungen gegen illegale Waffenverkäufer sein Benutzerkonto im Internet zur Verfügung.

„Es tut mir vor allem für meine Eltern leid“, brach der junge Mann in Tränen aus. Seine Eltern seien aus allen Wolken gefallen, als eines abends plötzlich 20 Polizisten ihr Haus durchsuchten und die Schusswaffen sowie einen Schlagring fanden.

2014 hatte der damals 17-Jährige im sogenannten Darknet (illegales Internet) eine vollautomatische Maschinenpistole samt Munition für 1700 Euro bestellt. „Drei Tage später war die da. Das war nicht schwieriger als bei Ebay. Zwei Klicks, das war es im Endeffekt“, schilderte der Industriekaufmann-Azubi, wie leicht es gewesen sei, an die Waffe zu kommen. Knapp ein Jahr später kaufte er für 1350 Euro eine zweite Schusswaffe – diesmal eine Pumpgun (Mehrladerflinte) nebst Munition. Auch der Amokschütze von Erfurt 2002, Robert Steinhäuser, besaß eine solche Waffe.

Aufgeflogen war der junge Mann nicht durch das Abfeuern der Waffen, sondern durch die Ermittlungen des Bundeskriminalamtes, die bei der Überwachung illegaler Waffendeals im Darknet auch auf den Tuttlinger Käufer aufmerksam geworden waren.

Er habe zu diesem Zeitpunkt oft vor dem PC gehangen und Ballerspiele gespielt, Freunde habe er keine gehabt, so der Angeklagte. Die Schusswaffen hatte er ohne das Wissen seiner Eltern im Keller versteckt. „Mich haben Waffen einfach fasziniert. Aber ich tue niemandem etwas, nicht einmal Tieren kann ich etwas tun“, sagte der 19-Jährige, der nach eigenen Angaben bereits im Besitz einer Schreckschusspistole und einer Deko-Waffe vom Typ AK 47 Kalaschnikow gewesen sei.

Richterin Larissa Terlecki verurteilte den jungen Mann zu 120 gemeinnützigen Arbeitsstunden sowie einer Strafe von 1000 Euro zu Gunsten einer sozialen Einrichtung. Dem 19-Jährigen kam seine günstige Sozialprognose zugute, straffällig war er bislang auch nicht.