Handymast

Unversöhnt: Gegner sind nicht überzeugt

Trossingen / Lesedauer: 4 min

Unversöhnt: Gegner sind nicht überzeugt
Veröffentlicht:20.10.2011, 18:55
Aktualisiert:25.10.2019, 14:00

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Unbefriedigend für alle Beteiligten ist am Mittwochabend das Gespräch der Bürgerinitiative gegen den Handymasten in der Butschstraße mit Bürgermeister Dr. Clemens Maier und einem Vertreter der Telekom zu Ende gegangen. Die Bürgerinitiative schlug vor, Dr. Peter Nießen, Physiker und Leiter eines Fachinstituts für elektromagnetische Verträglichkeit zur Umwelt eine Mobilfunk-Konzeption für Trossingen ausarbeiten zu lassen. Den hält jedoch Bürgermeister Maier für nicht neutral und lehnte ihn als Gutachter strikt ab. Er bot vielmehr an, einen Referenten vom Regierungspräsidium oder Ministerium einzuladen.

Im Großen Sitzungssaal des Rathauses saßen sich auf einer Seite fünf Vertreter der Bürgerinitiative, auf der anderen der Bürgermeister und ein Experte der Telekom gegenüber. Wenigstens auf eines konnten sich alle einigen: „Alle wollen mobil telefonieren, aber niemand will die Strahlenbelastung durch die Mobilfunkanlagen“, formulierte Bernhard Scherle für die Bürgerinitiative. Dafür erhielt er ein zustimmendes Nicken von Hans-Peter Frick , der als Experte für Mobilfunk und Umwelt Ansprechpartner der Deutschen Telekom Netzproduktion für Kommunen in Baden-Württemberg ist.

Aus dieser Feststellung zog Scherle den Schluss, dass eine gute Mobilversorgung zum einen und Immissionsschutz für die Bevölkerung zum anderen zwei gleichwertige Ziele seien, die eine Kommune beide verfolgen müsse. Das Bundesamt für Strahlenschutz sage nur, dass Grenzwerte vor nachgewiesenen Gefahren schützen. Doch sei eben nicht sicher, ob nicht in der Zukunft bisher noch nicht anerkannte Gefahren als nachgewiesen gelten. Um daher eine möglichst gleichmäßig geringe Strahlenbelastung für die Bürger zu erreichen, bevorzugt die Bürgerinitiative einen möglichst hohen Sendemast am Ortsrand.

„Kein Betreiber baut Basisstationen, wo er keine braucht“, betonte Hans-Peter Frick von der Telekom. Der Bedarf, mithin „der Kunde ist der Architekt des Netzes“ so Frick, der im Übrigen, was die Ungefährlichkeit der fürs Telefonieren benötigten elektromagnetischen Strahlung betrifft, der Strahlenschutzkommission glaubt.

Umso näher die Basisstation an den Handys sei, umso geringer sei die benötigte Stärke. „Ich als Handynutzer freue mich, wenn ich in der Nähe einer Basisstation telefonieren kann“, sagte Frick, da dann die hochfrequenten Strahlen, die das Handy ausstrahlen muss, um die Antenne zu erreichen, weniger stark sein müssen und damit auch die mögliche Beeinträchtigung geringer.

Der Unterschied sei nur, betonten die Vertreter der Bürgerinitiative, dass jeder entscheiden könne, wann er sein Handy anmache, während die Basisstation ständig strahle. Allerdings, so Frick, könne man die Handys seiner Nachbarn eben nicht kontrollieren.

Frick bot Messungen der Strahlenimmission in den Wohnungen der Anwohner an. Da aber die Telekom selbst als kommerzieller Anbieter Interessenvertreter ist, wünschen sich die Handymast-Gegner ein neutrales Gutachten. Sie meinen, dass das EMF-Institut von Dr. Peter Nießen eine Mobilfunk-Konzeption für Trossingen erstellen könne, wie es das bereits für einige andere Kommunen getan habe. Da aber das Institut, wie Bernhard Scherle selbst zugab, „nicht gerade als Freund“ der Telekom gilt, hält nun wiederum Bürgermeister Maier Nießen für nicht neutral.

Maier schlug vielmehr vor, einen Referenten vom Regierungspräsidium oder vom Umweltministerium nach Trossingen einzuladen, worüber die Handymast-Gegner sich wenig begeistert zeigten. „Warum misstrauen Sie den Behörden?“, fragte Maier. „Wir misstrauen nicht den Behörden. Wir vertrauen Dr. Nießen“, war die Antwort.

Da sich die Bürgerinitiative in ihren Bedenken nicht ernst genommen fühlt, so kündigte Bernhard Scherle an, werde man jetzt versuchen, sich direkt an den Gemeinderat zu wenden. „Wenn der zum gleichen Ergebnis kommt“, so Scherle, „dann sind wir natürlich am Ende der Fahnenstange.“