Klangkunst

So vielfältig kann die Geige klingen

Trossingen / Lesedauer: 2 min

Im voll besetzten Würfelsaal der Volksbank präsentiert Marina Chiche ihr Instrument
Veröffentlicht:04.10.2015, 14:24
Aktualisiert:23.10.2019, 22:00

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„Vis à vis - Klangkunst im Würfel“ erwies sich am Donnerstagabend wieder einmal als magischer Anziehungspunkt für Liebhaber hochwertiger Konzerte im besonderen Flair der Volksbank Trosssingen. Kein einziger Platz blieb frei; versprach doch der Abend mit Prof. Marina Chiche, Dozentin für Geige an der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen , ein ungewöhnliches Konzert.

Marina Chiche nahm ihre aufmerksamen Zuhörer mit auf eine spannende Zeitreise. Im Mittelpunkt stand ihre Gagliano-Geige aus dem Jahr 1762. Die Geige ist eigentlich kein Solist, sie ist nicht selbständig, sondern braucht Begleitinstrumente, erklärte die Dozentin. Findige Komponisten waren damit nicht zufrieden. Sie schrieben Werke für neu entwickelte Spieltechniken, die vielfältige Klangräume öffneten. Dadurch wird eine einzelne Geige zum Duo oder gar mit orchestralem Klang zum großen Chor.

Johann Sebastian Bach (1685 - 1759) komponierte Sonaten und Partiten für Violine solo. Marina Chiche bescherte ihrem Publikum faszinierende „Aha-Erlebnisse“, indem sie die zart und verletzlich wirkende Melodie und die volltönende Basslinie trennte und einzeln vorstellte. „So“ haben wir Geige kaum einmal gehört und gleichzeitig auf so unterhaltsame Art sehr viel gelernt, staunten die begeisterten Zuhörer.

Immer wieder unterbrach Chiche den konzertanten Teil und wies auf Besonderheiten hin. So eröffnete sie dem Publikum sensiblen Zugang zur Vielfalt des Instruments. Für Bach-Fugen verschiebt sich das Thema auf mehrere Saiten, deren Klang sich eng umschlingen und scheinbar die Orgel ertönen lassen.

Eine völlig andere Art, mit der Geige umzugehen und damit das ganze Klangpotential von sehr hell bis ganz tief auszuloten praktizierte Niccolò Paganini (1782 - 1840). Hier wurde die Geige zur Sopranistin oder folgte dem Tenor, imitierte Flöte und Gitarre in atemberaubender Geschwindigkeit. Mit Pierre Boulez (*1925) holte Marina Chiche die Geige in die Gegenwart. Zwischen Windhauch und Sturm schuf die Geige eine ungeheure Spannung und erzählte eine phantastische Geschichte im geheimnisvollen Zauberwald.

Mit Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 - 1704) schloss sich der eindrucksvolle musikalische Streifzug durch die Entwicklung der Geige als Soloinstrument.

„Vis à vis“ verspricht am 19. November im Würfelsaal der Volksbank Trossingen eG mit „Literarische Kapriolen um Geld und Musik“ ein unterhaltsames Programm. Der Erlös aller Veranstaltungen dieser Reihe kommt über den Förderverein der Hochschule bedürftigen Studierenden zugute.