Einwohnerversammlung

„Ereignisse wurden kritisch begleitet“

Trossingen / Lesedauer: 3 min

Die Einwohnerversammlung greift auf, was die Schuraer das Jahr über bewegt hat
Veröffentlicht:30.10.2018, 18:19
Aktualisiert:22.10.2019, 15:00

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Die Schuraer Einwohnerversammlung am 16. November wird die letzte in Dieter Kohlers Amtszeit als Ortsvorsteher. Ein „komisches Gefühl“ sei das - und Grund genug für ihn, auf 24 Jahre Einwohnerversammlung zurückzublicken.

„Vor meiner ersten Versammlung habe ich mitbekommen, dass einige Leute nur vorbeischauen wollten, um zu hören, was der neue Ortsvorsteher so erzählt“, berichtet Kohler. Als er am 25. November 1994 als frischgebackener Ortsvorsteher erstmals die Bürgerversammlung, wie sie damals noch hieß, leitete, fand die Veranstaltung noch in der Kronenstube statt. Die Wirtschaft in der Espachstraße existiert heute nicht mehr, wechselte sich zu dieser Zeit aber mit dem „Bären“ als Gastgeber ab.

Bereits Tradition ist das Konzept, den Schuraern einen Jahresrückblick des Kindergartens, der Kellenbachschule, der Feuerwehr und des Forstjahrs zu präsentieren. Vor allem aber bildet die Einwohnerversammlung Jahr für Jahr ab, was die Schuraer in den vergangenen Monaten bewegt hat: Meist sind die großen kommunalpolitischen Ereignisse auch Thema der Diskussion. „Dabei wurden die Ereignisse von den Bürgern auch immer kritisch begleitet“, erinnert sich Kohler. Seine erste große Diskussion 1994: Die Ansiedelung einer Sondermülldeponie in der Region, wobei auch der Standort Schura im Gespräch gewesen sei.

Wellen schlug in Schura 2000/01 auch der Plan des Regionalverbands, im jetzigen Gewerbegebiet Neuen ein regionales Gewerbegebiet anzusiedeln, während zeitgleich die Stadt Villingen-Schwenningen ein Logistikzentrum bei Weigheim plante - Schura wäre dann zwischen den beiden Einrichtungen „eingequetscht“ worden. „Es gab dagegen große Protestbewegungen, die Schuraer haben sich vehement zur Wehr gesetzt“, erzählt Kohler, „auch eine Menschenkette gab es.“ Er selbst gab ein flammendes Statement gegen das Vorhaben ab. Pikant für Kohler war dabei seine Doppelfunktion als Trossinger Hauptamtsleiter und Schuraer Ortsvorsteher: Sein damaliger Rathaus-Chef Lothar Wölfe war nämlich Vorsitzender des Regionalverbands. „Beide Pläne wurden letztendlich abgewendet“, resümiert Kohler. „Das war in der Folge auch die Geburtsstunde des Kommunalen Gewerbegebiets Neuen und der Süd-Ost-Umgehung.“

Großgefängnis schlägt Wellen

Genauso hitzig sei es 2013 zugegangen, als in Tuningen oder Weigheim ein Großgefängnis entstehen sollte. „In Schura fand dazu die zweite Bürgerbefragung in unserer Geschichte statt“, so Kohler. 92 Prozent der Bürger lehnten das Gefängnis ab. „Natürlich konnten wir in dieser Sache nur bellen, nicht beißen, es ging ja nicht um unsere Gemarkung. Aber auf moralischer Ebene hat es sicher Bedeutung gehabt.“

Gut besucht sei die Einwohnerversammlung seit jeher gewesen, sagt Kohler. Inzwischen sei es aber schwierig, jüngere Leute zu mobilisieren, teilzunehmen - eine Aufgabe, die für den nächsten Ortsvorsteher sicher nicht leichter wird.

Übrigens: Der berühmte, früher servierte Hammeleintopf bei den Bürgerversammlungen, der auf eine Idee von Dieter Kohlers Vater zurückgeht, fand in seiner Anfangszeit ein Ende. „Die Wirte haben in meinen ersten Jahren begonnen, den Hammel mit Rind zu mischen und später dann komplett zu ersetzen. Ich bin also sozusagen schuld am Rindfleisch-Eintopf“, scherzt Kohler.