Familienunternehmen

Arbeit geht der Firma Walter nicht aus

Trossingen / Lesedauer: 4 min

Straßenbau KG feiert zwei Tage lang ihren 75. Geburtstag
Veröffentlicht:30.10.2016, 18:59
Aktualisiert:23.10.2019, 11:00

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So was gibt es nicht allzu oft im Wirtschaftsleben, dass ein Familienunternehmen 75 Jahre alt wird. Und es geht weiter, da es jetzt in den Händen der dritten Generation ist, und die vierte Generation schon in den Startlöchern steht. Mit einem Tag der offenen Tür und zahlreichen Gästen wurde dieses denkwürdige Ereignis bei der Walter Straßenbau KG in Trossingen und in Schura gefeiert.

Mit Jubiläum galt es, noch weiter Ereignisse zu feiern: Nicht nur, dass die Zweigniederlassung im Sächsischen Etzdorf ihr 25-Jähriges feiert. Auch, dass man sich entschloss im Gewerbegebiet „Neuen“ in Schura einen Neuanfang zu machen. Schon am Samstag gab es einen regen Andrang von Besuchern auf dem neuen Gelände. Auf dem Freigelände legte, wer wollte, mal selber die Sticks eines Baggers in die Hand, jonglierte Tennisbälle oder schaute zu, wie ein Deckenfertiger einen Straßenbelag einbaut.

Die mobile Brechanlage zerkleinerte Beton, ein Bagger zeigte, wie mit verschiedenen Anbaugeräten Beton gemeißelt wird, Erdreich aufgelockert und vorsortiert wird und nach dem Einbauen verdichtet wird, und im Labor wurden Analysen vorgeführt. Die Kleinsten suchten in einem Sandhaufen nach verborgenen Schätzen. Die Lehrlinge hatten Wurf- und Geschicklichkeitsspiele aufgebaut, und die anderen Mitarbeiter alle Fragen der Besucher zu beantworten.

Für Willy und Margot Walter sowie für Tochter Sonja Walter war das nur ein Vorgeschmack auf den Sonntag. Am Morgen gab es eine Matinee im Konzerthaus mit über 600 Gästen. Aus der Politik kamen Landrat Stefan Bär, Bürgermeister Clemens Maier, Ernst Pfister und Ernst Burgbacher; aus der Wirtschaft Dieter Diener vom Baugewerbe Stuttgart, Ewald Heinzelmann von der Fachinnung Straßenbau, Michael Weisser vom Gewerbeverein Trossingen und Raimund Kegel von der Handwerkskammer.

Begrüßt wurde auch die gesamte Belegschaft aus der Niederlassung in Etzdorf samt Bürgermeister und Vertretern des Bergwerkvereins und natürlich auch die gesamte Belegschaft in Trossingen. Moderiert wurde die Matinee von Frank Golischwski und Anika Neipp. Zusammen mit Ehefrau Margot und Tochter Sonja ging Willy Walter kurz, aber prägnant auf die Geschichte des Unternehmen ein, zeigte Höhen und Tiefen, und wie sich die Technik, mit der man Straßen baut, im Laufe der Zeit verändert hat. Was aber, so Sonja Walter, wäre die Technik ohne die Mitarbeiter, die sich für die Firma einsetzen und loyal dahinter stehen?

„Generation Sonja“ übernimmt

Den Anfang machte Engelhard Walter mit Pflasterbau. Unverhofft musste dann Willy Walter den Betrieb übernehmen und wurde unterstützt von Fritz Walter, Bruder des Vaters. Jetzt so Willy Walter, ist die „Generation Sonja“ an der Reihe, und Sonja Walter ist mit Leib und Seele dabei, das Unternehmen weiterzuführen. Unterstützung in menschlicher wie in fachlicher Hinsicht findet sie immer bei ihrem Vater und ihrer Mutter.

Im Generationendialog mit Vater Walter verriet Tochter Sonja, dass es nicht der Straßenbau an sich sei, was sie bewogen hat, in den Familienbetrieb einzutreten, sondern der Spaß an der Technik, den Zahlen und der Gestaltung. Jedes Projekt sei ein Prototyp, was Herausforderungen schafft, die sie gerne löst. Vermutlich, so Sonja Walter, sind viele große Konzerne neidisch auf das Unternehmen, was die Zweidrittel-Mehrheit der Frauenquote in der Unternehmensführung betrifft.

Auf die Frage Sonja Walter erläuterte Willy Walter, wie sich das Unternehmen technisch entwickelt hat. Der Umzug, so Sonja Walter, war keine leichte Entscheidung und die Pros und Contras wurden in Familiendiskussionen abgewogen. Erst, als der Verkauf des alten Geländes und das Angebot des neuen Geländes auf dem Tisch lagen, entschloss man sich zum dritten Mal umzuziehen.

Neugier, so Willy Walter, hätte nach Etzdorf in Sachsen geführt. Die politische Entwicklung zusammen mit der Grenzöffnung und Erzählungen von DDR-Bürgern, die in Trossingen Station gemacht haben, verstärkten die Neugier und ein Steinbruch wurde zum Zweigbetrieb.

Es sei sicherlich nicht einfach, so ein Unternehmen auf Erfolgskurs zu halten, so Sonja Walter; aber in den Standorten Trossingen und Etzdorf sie man gut aufgestellt, und wenn man sich das Straßennetz in Deutschland so anschaut, werde die Arbeit so schnell nicht ausgehen.