Zielstrebigkeit

Jungs gehen ihren Weg mit Rückenwind

Spaichingen / Lesedauer: 4 min

Jungs gehen ihren Weg mit Rückenwind
Veröffentlicht:30.01.2010, 20:20
Aktualisiert:26.10.2019, 06:00

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Um auf einem Weg voranschreiten zu können, braucht ein Mensch Orientierung, Freunde, Freude an der Bewegung und Zielstrebigkeit. Alle diese Faktoren haben Jugendliche und „gestandene Männer“ sieben Monate lang gemeinsam entwickelt. Am Samstag wurde das Projekt „Jungs bewegen WAS“ als „Ort im Land der Ideen“ in der Spaichinger Moschee ausgezeichnet.

Von unserer Redakteurin Regina Braungart

Um den richtigen Weg und göttlichen Beistand bat zu Beginn der Veranstaltung im voll und bunt besetzten Gebetssaal mit der Rezitation der Eröffnungssure (Fatiha) Imam Turgut Cavdar. Um den Lebensweg von der Schule zum Beruf, den Weg der Persönlichkeitsentwicklung ist es auch bei dem nun ausgezeichneten Projekt gegangen, bei dem Männer in Führungspositionen oder mit Personalverantwortung 13 Jungs der siebten bis neunten Klasse von Real- und Hauptschule die Rolle von „Paten“, „großen Brüdern“ übernommen hatten. Und dies in Stationen über sieben Monate lang. Dass dieses unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten von der Deutschen Bank ausgelobten Preises, bei dem sich das von Tanja Köhler , Pasos Denkingen, und Myriam Nürnberger, Trainerteam Aldingen, unter über 2000 Bewerbungen ausgewählt wurde, als einer der innovativen „Orte“ Deutschlands ausgewählt wurde, lag an der Idee und der Umsetzung: Mit „Vielfalt, Kreativität und Herzblut“, wie Landrat Guido Wolf in seinem Grußwort sagte. Leidenschaft und Umsetzungsstärke seine die Elemente, die eine gute Idee voranbringen, und diese Projekte und Ideen seien ein entscheidender Faktor für den Fortschritt unseres Landes, so Bernd Häcker von der Deutschen Bank bei der von Karin Boy moderierten Preisübergabe.

Dass die „großen und kleinen Jungs“ zusammen mit den beiden Impulsgeberinnen Tanja Köhler und Myriam Nürnberger auf ihrem besonderen Weg kräftig Rückenwind hatten und haben, zeigte die Feier am Samstag. Denn nicht nur die Vertreter von Firmen, Institutionen, gesellschaftlichen Gruppen waren gekommen, sondern Landrat Guido Wolf, dessen Amt zusammen mit der Agentur für Arbeit das Projekt gefördert hatten und dessen Mitarbeiter Sozialdezernent Bernd Mager einer der „großen Jungs“ war, Fritz Buschle MdL, Franz Schuhmacher, Bürgermeister Hans Georg Schuhmacher, Denkingens Bürgermeister Rudolf Wuhrer, Handwerkskammerpräsident Bernd Hoch, Polizeichef Gerhard Bitsch samt Kollegen, der stellvertretende Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Rottweil, Peter Schuster, und viele weitere wurden vom Hausherrn, dem Vorsitzenden des türkisch-islamischen Vereins, Nihat Demirci, begrüßt und später aufs Köstlichste von den Frauen des Vereins bewirtet.

In fünf Sprachen begrüßten die „kleinen Jungs“ die Gäste, in tamilisch, rumänisch, russisch, deutsch und türkisch, denn die 13 haben ganz unterschiedliche Herkunft. Bürgermeister Schuhmacher ging in seinem Grußwort auf die Richtung des ausgezeichneten Projekts ein: einerseits Orientierung auf Werte und Ziele hin, andererseits ein hoher Grad an Flexibilität würde von jungen Menschen erwartet, wenn sie ins Berufsleben einsteigen. Das zu vermitteln schafften die Elternhäuser oft nicht mehr. Bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund komme auch das Netzwerkwissen aus anderen kulturellen Zusammenhängen dazu, ein Wissen, das dieses Projekt mit dem hier vorherrschenden Netzwerkwissen verknüpft habe.

Tanja Köhler zeichnete den holprigen Start nach, denn kurz vor dem Eröffnungswochenende, bei dem die kleinen und großen Jungs durch gemeinsames Klettern wechselseitiges Vertrauen und Verlässlichkeit erlebt haben, kamen fünf Absagen: „Ich war vollkommen entsetzt“. Nach einem Tipp sprach der damalige Vorsitzende des türkisch-islamischen Vereins Halil Sentürk daraufhin Jugendliche an, die wie Emre Topcam nicht lange überlegten, sondern ihre Tasche packten und mitfuhren. „Ich hab eigentlich gar nicht viel gewusst, nur, dass es um Berufe geht. Ich war neugierig, auf das was kommt, und schon ging’s los“, berichtete Emre bei der Preisverleihung. Was Tanja Köhler mit „Flexibilität und Offenheit“, also Tugenden, die für einen Berufsstart notwendig sind, übersetzte. Alle, große wie kleine Jungs hatten sich auf dem Weg, zu dem später die Besuche bei Polizei, der Bäckerei Schnekenburger, der Firma Volz in Deilingen, der Bauunternehmung Schumacher und andere gehörten, sichtlich mit Freude bewegt. „Dass die Großen immer für uns und unsere Fragen da waren“ und die Firmenbesuche, das hat sich bei den Jugendlichen, wie Emre berichtete, besonders eingeprägt. Und Peter Krause bestätigte, dass auch die „großen Jungs“ gelernt hätten und auch weiter für Fragen und Anliegen zur Verfügung stünden.

Manuel Arenas-Sepulveda, Sven Baumgärtner (Genial Media), Jan Buschmann (Agentur für Arbeit), Thomas Heinemann (Light & Sound), Peter Krause, Ali Özkan (Firma Volz), Agustin Perez-Berjano (Aesculap), Heiko Pflumm, Armin Schumacher (Bauunternehmung) und Peter Strobel hatten die Patenschaften übernommen. Einen „Baggerführerschein“ und einer Urkunde nahmen unter Beifall die „kleinen Jungs“ Martin Roletor, Wladislaw Halturin, Valentin Boaza, Sivathasan Piravin, Felix Bültmann, Vadim Paul, Alexander Seewald, Matthias Winze, Überyid Yildirim, Murat Rüzgar, Adem Yildirim, Serhat Altintas und Emre Topcam entgegen.

Mehr gibt es unter www.jungs-bewegen-was.de