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Bummeln: Rottweils Stadtmitte ist saniert

Rottweil / Lesedauer: 3 min

Flaniermeile soll bisher als Durchgangsstraße empfundene Hochbrücktorstraße aufwerten – Fest am Wochenende
Veröffentlicht:11.10.2011, 18:40
Aktualisiert:25.10.2019, 15:00

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Fast zwei Jahre nach Planungsbeginn wird am kommenden Wochenende Rottweils „neue Mitte“ mit einem großen Fest eröffnet. Die Neugestaltung von zwei zentralen Straßen wurde ursprünglich mit 2,8 Millionen Euro kalkuliert. Besucher von außerhalb müssen sich kaum umstellen: Im Gegenteil, Parten an den Straßen um die Fußgängerzone geht per Brezeltarif sogar eine halbe Stunde kostenlos, allerdings darf man nur eine Stunde parken. Die Vier-Stunden Zonen der Parkplätze und des Parkhauses beim Kriegsdamm und Nägelesgraben erlauben sogar zwei Stunden kostenlos parken. Zeit genug für den Einkauf in der Innenstadt. Wer sich den ganzen Tag in Rottweil herumtreiben will findet Tagesparker-Zonen im Bereich der Groß’schen Wiese. Allerdings sind auch hier nur zwei Stunden kostenlos. Geheimtipp für Marktbesucher von außerhalb sind der Gefängnisparkplatz oder die Parkplätze am Stadtgraben.

Tempolimit 20 Stundenkilometer, Fahrbahnbreite fast um die Hälfte auf sechs Meter reduziert, die Hängeleuchten durch 30 mächtige Lichtstelen ersetzt: Grundlegende Änderungen hatte der Gemeinderat Mitte November 2009 für die Hochbrücktorstraße und den unteren Teil der Hauptstraße beschlossen. Das Ziel war eine „verbesserte Aufenthaltsqualität für Fußgänger und Radler, eine geringere Verkehrsbelastung und eine optische Aufwertung der Innenstadt“. Ob dies vor allem bei den Leuchten, die auch bei der Sanierung der Spaichinger Innenstadt, gebaut in den 70er-Jahren, eingesetzt werden, im mittelalterlichen Rottweiler Stadtbild gelungen ist, ist nicht nur in Rottweil umstritten.

Direkter Auslöser für das Projekt war die dringende Notwendigkeit, die gealterten Grauguss-Rohre im Untergrund zu ersetzen. Auch die Tatsache, dass seit der Erstellung einer Umgehungsstraße die B 27 nun nicht mehr mitten durch Baden-Württembergs älteste Stadt führt, förderte den Gedanken an eine „Flaniermeile“. Eine Stuttgarter Planungsfirma wurde beauftragt, die Bürger wurden zu einer „Werkstatt“ geladen.

Mitte Mai 2010 erfolgte der Spatenstich, die Durchfahrt durch Rottweil und auch die Zufahrt zu manchen Geschäften war monatelang gesperrt oder zumindest erschwert.

Landesweite Beobachtung garantiert der Stadt der auf zwei Jahre angelegte Modellversuch des Tempolimits auf 20 Stundenkilometer, wofür die Stadt auf eine Fördersumme verzichtete, die bei einer Beschränkung auf 30 Stundenkilometer geflossen wäre. Nicht unumstritten sind auch die beidseitigen, vom Straßenniveau leicht angehobenen „Angebots“-Streifen von 1,25 Meter Breite. Sie ermöglichen den Begegnungsverkehr von zwei Bussen, sind aber keine ausgewiesenen Radwege. „Die in Spaichingen haben keine Radwege und es geht auch“, hatte ein Stadtrat in einer Diskussion gemeint.

Wo früher schräg geparkt wurde, weisen nun dunklere Steine im Pflasterbelag einige Parkbuchten aus. Offen ist noch, ob diese Markierung nicht mit weißer Übermalung verdeutlicht werden sollte.

Den Fußgängern stehen jetzt sehr breite Bürgersteige zur Verfügung, die mit acht Holzbänken, Fahrradständern und einem kleinen Trinkwasserbrunnen „möbliert“ sind.

Als Querungshilfen gibt es einige Zebrastreifen, die Ampeln wurden gänzlich aus den beiden Straßenzügen verbannt. Sehbehinderten wird mit Leitstreifen geholfen, einige Geschäfte erhielten eine Rampe als barrierefreien Zugang.