Denkingen

Erinnerungen, auf Leinwand gebannt

Denkingen / Lesedauer: 4 min

Hobby-Künstler Walter Marquart aus Denkingen malt Leben und Leute seiner Heimat
Veröffentlicht:31.03.2016, 19:44
Aktualisiert:23.10.2019, 17:00

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Ist er ein Reichenbacher, ein Denkinger oder ein Heuberger? Wenn man Walter Marquart diese Frage stellt, dann gibt es eigentlich nur eine Antwort: „Ich bin eigentlich alles.“ Marquart ist nicht nur gelernte Mechaniker, sondern auch Musiker und Künstler.

Er stammt aus Reichenbach , wurde 1937 in eine kinderreiche Familie mit sechs „Mädle“ und vier „Buaba“ hinein geboren und ist der Liebe wegen in Denkingen gelandet. In den Genen der Marquarts schlummert ein kreatives Gen, das musikalische und gestalterische Anlagen in sich birgt, die aber Zeit seines Lebens nur bedingt zur Entfaltung kommen konnten.

Was die Musik angeht, so war seine „Karriere“ öffentlich: Das heißt, er war lange Jahre im Musikverein Reichenbach aktiv und brachte es bis zum Vize-Dirigent unter dem damaligen Leiter, Anselm Schnee. Leidenschaftlich hat er sich der Blasmusik hingegeben, doch das ist lange her. Die andere Leidenschaft entdeckt man in den Kellerräumen des rüstigen Rentners: In einem ziemlich dunklen Verlies steht eine Staffelei und in einem ebenso dunklen Nebenraum stapeln sich seine Bilder, so als hätten sie keinen besseren Platz verdient.

Erinnerungen auf der Leinwand

Marquart erzählt gerne aus seinen frühen Tagen, von seinem Heimatort und den Menschen, die dort lebten und heute noch leben. Da ist ihm viel in Erinnerung geblieben, und das hat er auch versucht mit Ölfarbe auf die Leinwand zu bringen.

Man entdeckt ein Bild von der Heubergbahn, eine Ortsansicht seines Heimatortes, arbeitende Menschen auf dem Feld, einen schweren Holztransport herunter vom Martinsberg, der „Besuch“ französischer Soldaten am Ende des Krieges und auch seine neue Heimat Denkingen mit dem Klippeneck im Hintergrund.

Über eine Darstellung aber lässt er sich besonders aus: Sie zeigt den „Öl-Getti“, Oberlehrer Josef Huber , mit seiner Nichte Trudl bei der Feldarbeit „uff Ölers Sauacker“. Huber sei, so Marquart „ein Heiliger seiner Zeit“ gewesen. Er habe wunderbar Orgel gespielt und bei ihm habe man alles lernen können. Zweifellos muss der „Öl-Getti“ einen großen Einfluss auf Walter Marquart gehabt haben, denn seine Erinnerungen sprudeln zu diesem Thema nur so aus ihm heraus.

Eine andere Person hat auf Walter Marquart eine besondere Faszination ausgeübt, obwohl er ihn persönlich nie kennen gelernt habe. Es handelt sich um Thaddäus Weinmann aus Deilingen, der über Bärenkräfte verfügt haben muss, und dem es in den 50er-Jahren bei der Vieh-Körung in Wehingen gelungen sei, einen der stärksten Bullen des Heubergs zu bändigen.

Diese Geschichte habe er vom „Haga-Fuatterer“ Josef Quarleiter erzählt bekommen. Sie sei damals ein Riesen -Thema an den Stammtischen gewesen, weil es einem Menschen gelungen sei, einen Bullen in die Knie zu zwingen.

In einem Bild hat er diesen eigentlich ungleichen Zweikampf festgehalten. Es zeigt den Thaddäus Weinmann, wie er in der Wehinger Ortsmitte – im Hintergrund ist der Hochberg und der Lemberg zu sehen – mit dem Bullen kämpft und ihn in die Knie zwingt. Ehrlich gesagt, ist das nicht das Beste, was aus seiner Schaffensperiode hervorgegangen ist. Da schmeichelt dem Hobbymaler die Darstellung der Heubergbahn und die seines Heimatortes doch etwas mehr. Und dennoch ist Marquart heute noch so sehr mit diesem Bullen-Thema beschäftigt, dass man annehmen könnte, es hätte sich richtig in sein Gedächtnis eingebrannt.

Pinselstriche nach Gutdünken

Wie auch immer: Hätte er eine Kunstschule besucht, wäre sein gestalterisches Talent wohl noch besser zur Entfaltung gekommen. So malt er jetzt seine Gedanken nach eigenem Gutdünken auf die Leinwand. Und wenn der Pinsel nicht richtig seine Spuren auf der Leinwand hinterlassen will, dann geht der Walter in den Wald und hackt „kilometerweise“ Holz. Aber g`schafft wird immer.