Blutuntersuchung

Bürger lassen ihr Blut untersuchen

Denkingen / Lesedauer: 3 min

Bürger lassen ihr Blut untersuchen
Veröffentlicht:22.10.2010, 17:45
Aktualisiert:25.10.2019, 23:00

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Sie haben Wort gehalten: Die Bürgerinitiative Mobilfunk Denkingen hat die erste von zwei Blutuntersuchungen erfolgreich organisiert. Am Donnerstagmorgen haben ein Arzt und drei Arzthelferinnen Blut ab- und Urin angenommen. 67 Denkinger haben mitgemacht.

Von unserer Redakteurin Regina Braungart

Der Parkplatz der Firma von Martin Dreher ist so früh morgens schon voll. „Jetzt ist die Hausfrauenrunde da“, lacht Christoph Andris . Jene also, die ihre Familien schon versorgt und noch nicht andere Arbeiten angegangen haben. Um halb Sechs waren bereits die ersten gekommen, um noch rechtzeitig die Kinder in Schule und Kindergarten zu bringen.

In einem Raum des Firmen-Bürotrakts ist das „Labor“. Dort steht eine Zentrifuge. Zwei Helfer füllen Flüssigkeiten mit der Pipette in Röhren, einer passt auf, dass immer auch der Namens-Aufkleber dabei ist, damit es keine Verwechslungen gibt. Im Flur stehen die ausgebrauchten Urinbehälter. Sie werden wieder mit nach Hause genommen für den zweiten Test in rund zehn Wochen. Die 67 Teilnehmer haben den nächtlichen Urin gesammelt, in dem man die Konzentration des Hormons Melatonin nachweisen kann. Die Ausschüttung des Nachthormons werde nämlich unter anderem durch Signale, die das Auge sendet, und die Zirbeldrüse gesteuert. Und die können echtes Licht nicht von andern elektromagnetischen Hochfrequenzfeldern unterscheiden, so die Information Dr. Hans-Christoph Scheiners, München, der die Studie macht. Das Melatonin wird nachts ausgeschüttet. Elektrosmog signalisiert aber „Licht“ und damit „Tag“. Melatonin und Serotonin sind sehr wichtig für viele Vorgänge in Körper und Psyche, unter anderem auch für den nächtlichen „Reparaturbetrieb“ des Körpers. Untersucht wird also, ob dauerhaft zu wenig Melatonin und Serotonin produziert werden – mit entsprechend schlimmen Folgen für Körper und Psyche.

Im nächsten Raum sieht es aus wie beim Blutspendetermin. Spritzen, Nadeln, Blut-Auffangröhrchen, Tupfer, Pflaster und mehr stehen bereit, ein Mann und eine Frau tragen Latexhandschuhe. Dr. Wolfgang Klawitter ist dabei. Er wurde vom Vorbereitungsteam der Aktion, Harald Gehring und Hans Orner gebeten, die Aktion zu begleiten. Auch drei Arzthelferinnen beziehungsweise Krankenschwestern sind dabei. Entsprechend routiniert läuft alles ab. Gerade streckt Dr. Thomas Grupp den Arm aus und lässt sich Blut abnehmen.

Jede Station hat ihre Aufgaben - niemand will, dass sich Fehler einschleichen. Das Blut soll neben den Hormonen auch die Konzentration von unreifen roten Blutkörperchen messen lassen, deren Ausschüttung auch bei geringer Handystrahlenbelastung deutlich ansteigt.

Ein Trockeneisbehälter steht bereit für aufbereitete Proben. Alles wird an ein Labor geschickt, das wiederum die Daten an Dr. Schreiner und die Teilnehmer zurücksendet. Die Initiative hat in dem an den Mast angrenzenden Wohngebiet, in dem vor allem junge Familien wohnen, 150 Flugblätter mit dem Aufruf, sich an der Studie zu beteiligen, verteilt. Mit dem Rücklauf der Anmeldungen sind sie sehr zufrieden, denn nicht nur, dass die Kosten selbst getragen werden müssen – auch das Ausfüllen der umfangreichen Fragebögen ist aufwändig und anspruchsvoll. Aber das ist die Studie auch.

Kurz nach acht Uhr ist auch schon alles vorbei. Das Brezelkörbchen ist noch halb voll. Die 14 Helfer sind zufrieden über den reibungslosen Ablauf der Aktion. Parallel hatte ein Externer Gutachter den „Ist-Zustand“ der Strahlenbelastung im Dorf an verschiedenen Stellen gemessen und festgehalten. Sobald der neue, umstrittene Handymast in Betrieb gegangen ist und einige Wochen verstrichen sind, soll nochmal untersucht werden. „Uns wäre es wirklich am Liebsten, wenn sich dann keine Veränderungen ergeben hätten“, sagt Christoph Andris.

Und wenn nicht? Dann, so schauen sich die Teilnehmer betroffen an, dann gehe man davon aus, dass allein schon aus Haftungsgründen der Mast abgeschaltet werde.