Windrad

EnBW plant weitere Windräder in Veringenstadt

Veringenstadt / Lesedauer: 4 min

Die zusätzliche Anlagen könnten bis 2025 den Betrieb aufnehmen. Sie sollen größer und leistungsstärker sein als das Windrad, das derzeit gebaut wird.
Veröffentlicht:30.10.2022, 05:00
Aktualisiert:30.10.2022, 13:37

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Noch in diesem Jahr will der Energieversorger EnBW das Windrad, das er derzeit im Waldgebiet „Bol/Alter Hau“ in Veringenstadt errichtet, in Betrieb nehmen. Seit Donnerstagabend ist offiziell: In den kommenden Jahren sollen zwei weitere, größere und leistungsstärkere Anlagen hinzukommen. Damit greift die EnBW ihren ursprünglichen Plan wieder auf, drei Windenergieanlagen zwischen Veringenstadt und Inneringen zu bauen.

Pläne sind seit 2015 bekannt

Daran, dass dieses Vorhaben nicht wirklich neu ist, erinnerte Projektleiter Daniel Fenchel in der Sitzung des Veringenstädter Gemeinderats am Donnerstagabend. Bereits 2015 habe die EnBW entsprechende Pläne vorgestellt, sagte er. Die vollständige Umsetzung sei dann aber am strengen Naturschutzgesetz gescheitert: Im Waldgebiet, in dem die Windräder errichtet werden sollten, wurden mehrere Rotmilan-Horste entdeckt.

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Alle drei Windräder entstehen im Waldgebiet „Bol/Alter Hau“. (Foto: EnBW AG/Schwäbische.de)

Weil die Greifvögel streng geschützt sind, wurde lediglich die Errichtung eines Windrads genehmigt. Inzwischen seien die Vorgaben aber gelockert worden, sagte Fenchel im Gemeinderat. „Man hat erkannt, dass ein Ausbau erneuerbarer Energien sonst kaum noch möglich wäre.“ Deshalb greife die EnBW nun ihre ursprünglichen Pläne wieder auf.

Rotorblätter mit 172 Metern Durchmesser

Wie der Projektleiter erläuterte, sollen die beiden zusätzlichen Windräder nördlich der dann bereits bestehenden Anlage gebaut werden – und damit weiter in Richtung Inneringen. Die neuen Anlagen vom Typ „V172“ des Herstellers Vestas haben eine Nabenhöhe von 175 Metern. Hinzu kommen Rotorblätter mit einem Durchmesser von 172 Metern , was eine Gesamthöhe von 261 Metern ergibt. Beide neuen Windräder haben eine Leistung von 7,2 Megawatt.

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Auch die Bürger sollen vom Bau der Windräder profitieren. In welcher Form genau, ist noch offen. (Foto: EnBW AG/Schwäbische.de)

Zum Vergleich: Das im Bau befindliche Windrad des Herstellers Enercon hat eine Nabenhöhe von 160 Metern und bekommt Rotorblätter mit einem Durchmesser von 140 Metern. Seine Leistung beträgt vier Megawatt. „Die neuen Anlagen hätten also jeweils eine fast doppelt so hohe Leistung “, sagte Daniel Fenchel. Die beiden neuen Windräder könnten zusammen fast 30 Gigawattstunden Strom pro Jahr produzieren. Bei der Anlage, die derzeit gebaut wird, sind es acht.

Die Beeinträchtigung von Menschen, Tieren und Natur soll sich durch die beiden zusätzlichen Windräder trotzdem in Grenzen halten. „Alle Grenzwerte beim Schall können weiterhin eingehalten werden“, sagte Fenchel. Das Gleiche gelte für den Schattenwurf durch die Rotorblätter, sodass die Anlagen auch nicht zeitweise abgeschaltet werden müssten.

So können die Bürger profitieren

Der Projektleiter stellte drei Varianten vor, wie auch die Bürger von den neuen Windrädern profitieren könnten. So brachte er etwa eine direkte Beteiligung an der Windpark Veringenstadt GmbH ins Spiel – mit bis zu 49,9 Prozent der Anteile.

Eine weitere Möglichkeit sei die Beteiligung am gesamten Windpark-Portfolio des Energieversorgers über ein Darlehen. „Man gibt der EnBW Geld und bekommt dafür eine Verzinsung, die etwa zwei Prozent über dem Leitzins liegt“, sagte Fenchel.

Bei der dritten Variante handelt es sich um einen direkten Zuschuss für die betroffenen Gemeinden: Sie bekommen 0,2 Cent pro produzierter Kilowattstunde Strom. „Mit dem Geld kann die Stadt dann machen, was sie will“, sagte Fenchel. Bei der fast fertigen Anlage habe sich Veringenstadt für dieses Modell entschieden. Die beiden zusätzlichen Windräder brächten der Stadt etwa 30.000 Euro pro Jahr ein. Weitere 30.000 Euro gingen nach Hettingen.

Günstigerer Strom für Veringenstädter?

Gemeinderat Herbert Holzmann erinnerte Fenchel daran, dass auch einmal eine Versorgung der Veringenstädter mit vergünstigtem Strom im Gespräch gewesen sei. „Ich weiß: Das klingt psychologisch erst einmal gut“, sagte der EnBW-Vertreter.

„Weil wir hier vor Ort aber ohnehin schon Grundversorger sind, ist die Sache – auch rechtlich – extrem kompliziert.“ Dennoch biete er an, diese Option noch einmal zu prüfen. Das sei wichtig, sagte auch Gemeinderat Thomas Schenzle. „Die Bürger müssen schon auch von den Windrädern profitieren.“

Möglichst noch in diesem Jahr, spätestens aber im Januar will die EnBW die nötigen Anträge für die beiden neuen Anlagen stellen. Mit einer Genehmigung sei 2024 zu rechnen, sagte Daniel Fenchel. Bau und Inbetriebnahme der Windräder seien damit für die Jahre 2024 und 2025 realistisch .