Mobilfunkmast

Mobilfunkmast: Telefónica drängt Bürger zur Kooperation

Unterschmeien / Lesedauer: 3 min

Telefónica plant Mobilfunkmast im Ortsgebiet – Unternehmen übt Druck auf Bürger aus
Veröffentlicht:13.07.2022, 12:00
Aktualisiert:13.07.2022, 12:20

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Bislang ist die Ortsmitte Unterschmeiens ein totes Loch – zumindest, was den Mobilfunk betrifft. Zwar leben dort Dutzende Menschen, aber mit ihren Smartphones telefonieren oder ins Internet gehen können sie dort nicht. Das soll sich ändern. Ralph Königmaier von Telefónica hat am Montagabend dem Ortschaftsrat einen Besuch abgestattet und die Mitglieder über die Pläne des Telekommunikationsversorgers aufgeklärt. Ziel ist es, den Sigmaringer Ortsteil möglichst schnell ans Netz zu bekommen. Die Frage ist: wie?

Unternehmen muss Bundesstraßen und Bahnstrecken versorgen

Er und das Unternehmen wollen transparent sein, klärt Königmaier direkt zu Beginn auf, deshalb sei er da. Er wolle die Bürger bei der Suche nach dem passenden Standort für einen Mobilfunkmast einbinden.

Dabei gehe es aber nicht nur um die Versorgung der Bürger, sondern um Auflagen, die laut Bundesnetzagentur umgesetzt werden müssen: Nicht nur 98 Prozent der Haushalte, sondern auch der Autobahnen, Bundesstraßen und Schienenwege müssen künftig mit 100 Megabit versorgt sein – auch in Unterschmeien, wo die Bahntrasse in Richtung Stuttgart entlangführt.

Mehrere Standorte kommen in Frage

Infrage kommen laut Königmaier mehrere Standorte rund um den Ort. Der Favorit des Unternehmens liegt am Fußballplatz im Tal. Dieser liegt nahe den Gleisen und könnte so den Ort, aber auch die Bahnstrecke versorgen. Auch ein Standort weiter westlich am Waldrand sei eine Option, allerdings handele es sich dort um Privatfläche. Kommunales Gebiet sei aber einfacher, da die Gemeinde so davon finanziell profitiert und Mitspracherecht hat.

In diesem Zusammenhang betonte er, dass diese Lösung zwar grundsätzlich auch vonseiten der Telefónica bevorzugt werde, das Unternehmen aber wenn nötig auch auf Privatgelände ausweichen würde.

Bei Widerstand hat der Anbieter einen Plan B

Das bedeutet, statt eines großen, 50 Meter hohen Mobilfunkmasts auf öffentlicher Fläche, wo mehrere Anbieter unterkämen, gäbe es mehrere kleine der verschiedenen Anbieter auf privatem Grund im ganzen Ort. Das würde auch drohen, so Königmaier, wenn von Bürgerseite her zu viel Widerstand gegen den Mobilfunkmast käme. „Und nicht versorgen ist keine Option, weil wir jedes Jahr dafür immense Strafzahlungen machen müssen“, betonte er.

Wir müssen vermeiden, dass es viele kleine Mobilfunkmasten gibt.

Ortschaftsrat Steffen Dreher

Ortschaftsrat Harald Kaut erkundigte sich, ob ein 50 Meter hoher Mast wirklich nötig sei. Königmaier bejahte die Frage, denn alleine die Bäume im Umfeld umfassten 35 Meter Höhe. Steffen Dreher sprach sich dafür aus, eine kommunale Lösung zu suchen. „Wir müssen vermeiden, dass es viele kleine Mobilfunkmasten gibt“, mahnte er.

Königmaier klärte darüber auf, dass im nächsten Schritt mehrere Standorte untersucht werden; eine funktechnische Prüfung und eine bautechnische Prüfung finden statt.

Anbieter bevorzugt Stelle am Fußballplatz

Danach entscheide sich, welche Stelle sich am besten eigne. Telefónica bevorzuge aber klar den Standort am Sportplatz wegen der Bahntrasse. Ortschaftsrat Kaut sieht das skeptisch. Auf Königmaiers Einschätzung, der Funkmast werde von den Bürgern schon nach wenigen Wochen aus Gewöhnung nicht mehr gesehen, reagierte er mit Skepsis.

Wichtig sei am Ende, dass alle Beteiligten mit dem Standort zufrieden sind, Glasfaser für den Anschluss in der Nähe und genügend Funkkapazität vorhanden ist, entsprechend werde die Wahl ausfallen, sagte Königmaier. Er rechnet damit, dass der Vertrag im Herbst unterzeichnet ist, sodass der Mast etwa ein Jahr später gebaut werden kann.