Insulin

Helfen bringt Freude: Zwei Koffer voller Insulin und ein Sack voll Reis

Sigmaringen / Lesedauer: 4 min

Das Diabetes-Projekt The Gambia sammelt Geld für Medikamente – Mariphil für ein hungerfreies Weihnachtsfest
Veröffentlicht:18.11.2022, 17:00
Aktualisiert:18.11.2022, 17:17

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Bald steht die Volljährigkeit des Stettener Projekts an, das Roland und Gudrun Schindler 2003 langsam ins Leben riefen. Ein Alter, das in Gambia nicht jeder Diabetiker oder jede Diabetikerin erreicht. Und genau deswegen engagiert sich das Ehepaar durch den 2007 gegründeten Verein The Gambia in Afrika, gemeinsam mit Dr. Alieu Gaye.

Was in Deutschland oft kaum noch zur Behandlung der chronischen Erkrankung genutzt wird, wird in Gambia dringend benötigt, darunter Mischinsulin in Fläschchen und die klassischen Insulinspritzen. Hinzu kommen aber auch Teststreifen und weitere Hilfsmittel wie Nadeln und die Stechhilfen zum Blutzuckermessen. „Unsere Mittel sind allerdings begrenzt“, sagt Schindler. Das bezieht sich nicht allein auf die Medikamente, sondern auch die Kapazitäten der Pakala-Klinik in Banjul, die der Stettener Verein mitversorgt.

Reisen nach Gambia waren lange nicht möglich

Erst vergangene Woche reisten Schindlers mit zwei Koffern Insulin und weiteren Hilfsmitteln im Gepäck über Stuttgart und Brüssel nach Gambia. Sie unternehmen diese Reisen gern, wie Schindlers sagen, so bleiben sie Kontakt mit den Menschen vor Ort, können direkt helfen. Durch die Pandemie seien die Besuche allerdings schwieriger geworden, sagt der Vorsitzende.

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Die Spenden und die gekauften Materialien lagen bereit, aber ein Flug war nicht möglich. Da das Insulin besonders gelagert werden muss und zerbrechlich ist, ist ein Versand schwierig. Letztlich halfen aber Kontakte aus, um die Medikamente nach Gambia zu bekommen. Das Geld, das durch die „Helfen-macht-Freude-Aktion“ der SZ, zusammenkomme, wolle der Verein in erster Linie für das lebensnotwendige Insulin ausgeben.

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Mariama Ndow (links) mit ihrer Mutter und der Familie. (Foto: Diabetes-Projekt The Gambia/Schwäbische.de)
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Eine Reihe Typ-1er: Amie, Isatou, Gudrun, Satang, Mutter von Satang, Ousman sowie Isatou und Ousman, die beiden Helfer vor Ort. Roland Schindler ist kein Diabetiker, aber Vorsitzender des Vereins. (Foto: Diabetes-Projekt The Gambia/Schwäbische.de)

In den kommenden Wochen wollen wir die Hilfsprojekte von The Gambia genauer vorstellen. Neben der medizinischen Unterstützung hilft das Projekt außerdem mit Sachspenden und hat ein Schulprojekt.

Auswirkungen des Klimawandels auf den Philippinen

Medizinische Unterstützung leistet auch das Hilfsprojekt Mariphil auf den Philippinen mit einer Krankenversicherung. Der Gründer Martin Riester war vor einigen Wochen erst wieder dort. Er hat Freiwillige des Weltwärts-Programms begleitet, die sich dort engagieren. Nur mit Geländemotorrädern kommt man zu den Flächen, die Mariphil dort gekauft hat und gemeinsam mit den Eingeborenen bepflanzt. Weil die Philippinen eines der Länder sind, die vom Klimawandel sehr stark betroffen sind, sollen dort bis in zwei Jahren 100 000 Bäume gepflanzt werden.

Das hat schwere Auswirkungen auf ein schon gebeuteltes Land.

Martin Riester

Pro Jahr treffen das Land in Südostasien um die 20 Tropenstürme. Erst im Oktober wurden bei einem Tropensturm mehr als 40 Menschen getötet und es wurden Erdrutsche und Überschwemmungen ausgelöst. Laut Martin Riester werden diese immer häufiger und immer stärkeren Ausmaßes. „Das hat schwere Auswirkungen auf ein schon gebeuteltes Land“, sagt er.

Spendenbereitschaft sinkt

Und auch die globalen Krisen, wie die Pandemie und die Energiekrise, sind laut Riester zu spüren. Gab es zuvor seit einigen Jahren die eher positive Entwicklung, dass immer weniger Menschen auf dieser Welt unter Hunger leiden mussten, habe sich dies wieder gedreht. „Etliche Millionen Menschen auf dieser Welt sind dadurch – auch noch beschleunigt durch den fortschreitenden Klimawandel und dessen Folgen – von Hunger bedroht“, erklärt er.

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Auch auf den Philippinen seien Millionen Menschen betroffen. „Die Preise steigen und die Löhne halten nicht mit. Viele haben keine feste Arbeit und leben von der Hand in den Mund. Diese Eltern wissen nicht, wie Sie ihre Familien ernähren sollen.“ Und auch die Spendenbereitschaft hierzulande sinke, sagt Riester. Die Stammspender seien weiterhin treu aber manche Einzelspender würden abspringen.

Deshalb konzentriert sich das Hilfsprojekt vorerst auf die bestehenden Vorhaben, statt neue Projekte anzugehen. Eines davon ist die jährliche Aktion „Reissack“, bei der Spender für 40 Euro einen Sack Reis für eine Familie zu Weihnachten beisteuern. Über diese Aktion und den Bau einer Wasseraufbereitungsanlage beim Mariphil-Kinderdorf im Süden des Landes werden wir in den kommenden Wochen genauer berichten.