Stromausfall

Das passiert, wenn im Kreis das Licht ausgeht

Sigmaringen / Lesedauer: 4 min

Landkreis bereitet sich auf kleinere Stromausfälle im Winter vor –
Veröffentlicht:25.11.2022, 05:00
Aktualisiert:25.11.2022, 08:15

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Nicht nur das Gas könnte in den kommenden Monaten knapp werden, auch Stromausfälle sind zumindest nicht ausgeschlossen. So hat erst diese Woche der Sigmaringer Stadtwerke-Geschäftsführer Markus Seeger davon gesprochen, dass eine gezielte stufenweise Abschaltung des Stromnetzes – ein sogenanntes Brownout – realistischer sei als ein großflächiger Stromausfall. Der Landkreis bereitet sich deshalb auf verschiedene Szenarien vor.

Adrian Schiefer , Leiter des Dezernats Bau und Umwelt, rechne derzeit ebenfalls eher mit einzelnen lokalen Stromausfällen durch eine Überlastung des Netzes. Dabei greifen Sicherheitsmechanismen der Stromversorger; durch umliegende Bereiche, in denen noch Strom fließt, ließen sich schnell Lösungen finden, um Lücken zu schließen, erklärt er. Eine entscheidende Rolle werden auch Notstromaggregate spielen – zum Beispiel bei der Wasserversorgung, die so erhalten werden soll.

Grundversorgung hat höchste Priorität

Einen Verwaltungsstab, der im Krisenfall aktiv wird, gebe es bereits. Im Oktober erst haben unter anderem Landkreis, aber auch Regierungspräsidium, geübt, wie mit dem Unfall eines Kernreaktors umgegangen wird.

Dieser Test soll auch auf einen möglichen „Blackout“, also einen großflächigen Stromausfall, vorbereiten, so Schiefer: „Unabhängig von der Auswahl des Themas dienen diese Übungen dazu, das Handeln in einem Krisenfall zu üben und Abläufe zu festigen.“

Wichtig bei einem Blackout sei es, die Grundversorgung der Bürger aufrechtzuerhalten. Der Landkreis würde in dem Fall die Koordination übernehmen und mit Polizei , Feuerwehr, dem technischen Hilfswerk, den Rettungsdiensten sowie Städten und Gemeinden kommunizieren – eine Herausforderung : Handynetze könnten bei einem längeren Stromausfall nicht mehr benutzt werden. Der Kreis wäre auf Funk angewiesen, so Schiefer. Bürger könnten unter anderem über Wurfsendungen informiert werden.

Polizei hat eigene Kraftstoffreserve

Gleichzeitig muss gewisse Infrastruktur funktionieren. Gemeint ist damit laut Schiefer die Grundversorgung , also zum Beispiel die Erreichbarkeit des Gesundheitsamts oder der Supermärkte, die sich zwar erst einmal selbst bemühen sollen, ihren Betrieb aufrechtzuerhalten, aber notfalls auch Unterstützung vom Kreis bekommen. Auch sei gegebenenfalls eine polizeiliche Überwachung möglich, berichtet Schiefer.

Die Polizei bereitet sich selbst auf Notfälle wie Blackouts vor, möchte aber aus taktischen Gründen nicht zu viel Preis geben. Allerdings werde vorgesorgt, dass die Polizei trotz Stromausfällen einsatzbereit ist. So könne auf Notstromaggregate und eine eigene Kraftstoffreserve zurückgegriffen werden, versichert Christian Sugg, Sprecher des Polizeipräsidiums Ravensburg.

Blackout-Übung zeigt Grenzen auf

Die Stromversorgung des Landratsamts muss ebenfalls zumindest in Teilen funktionieren. Wie Schiefer mitteilt, habe eine Blackout-Übung vor drei Jahren gezeigt, dass die Notstromversorgung des Landratsamts nicht ausreicht. Hier wurde nachgerüstet.

Notstromlösungen für das gesamte Gebäude wären sehr teuer.

Adrian Schiefer

Dadurch funktioniere zumindest die Technik weiterhin, sagt der Dezernent: „Notstromlösungen für das gesamte Gebäude wären sehr teuer und unverhältnismäßig.“ Das Landratsamt verweist aber klar auf die übergeordneten Behörden: Bei einem großflächigen Stromausfall wird es darauf ankommen, dass „sich Land oder Bund in die Krisenbewältigung einschalten“.

Doch was passiert, wenn es während eines längeren Stromausfalls besonders kalt ist? Auch dafür hat der Kreis vorgesorgt. Die Bürger könnten auch in öffentlichen Gebäuden unterkommen. Zum Beispiel, so Schiefer, sei es möglich, dass die Menschen in anderen Teilen ihrer Kommune, in denen das Stromnetz noch funktioniert, im Warmen untergebracht werden.

Keine klassischen Schutzräume mehr da

Klassische Schutzräume, wie es sie im 20. Jahrhundert noch gab, gibt es jedenfalls nicht mehr, erklärt Schiefer: Nach der Friedensdividende in den 90er-Jahren wurde der Erhalt der Schutzräume eingestellt. Sie werden seit 2007 peu à peu stillgelegt.

Trotz Energiekrise rät das Landratsamt aber, ruhig zu bleiben. „Es ist nicht angezeigt, in Panik zu verfallen“, teilt Schiefer mit. Trotzdem sei es sinnvoll, sich mit bestimmten Lebensmitteln einzudecken, die auch ohne Strom oder Gas zubereitet werden können. Schiefer verweist dabei auf die Checkliste des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

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