Würstchen

Von der Garage ins Wurst-Business

Sigmaringen / Lesedauer: 4 min

Manuel Stöffler und Michael Ziegler lieben den Geschmack gegrillter Würstchen, aber nicht deren Fettgehalt. Sie ersetzten Fett mit "interessanten Zutaten" - und sind jetzt Unternehmer.
Veröffentlicht:04.07.2017, 11:21
Aktualisiert:23.10.2019, 04:00

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Manuel Stöffler und Michael Ziegler lieben den Geschmack gegrillter Würstchen, aber nicht deren Nährwerte und Fettgehalt: Diese Ausgangssituation hat die beiden vor zwei Jahren zuerst in die Garage der Großeltern, dann in die Küche mehrerer Sterneköche, anschließend in die „Höhle der Löwen“ und damit in die Wohnzimmer von Millionen Fernsehzuschauern und vor Kurzem aufs Siegertreppchen des Deutschen Gründerpreises gebracht. Er wird von ZDF, „Stern“, Sparkasse und der Porsche-AG für vorbildhafte Leistungen bei der Entwicklung von innovativen und tragfähigen Geschäftsideen und beim Aufbau neuer Unternehmen verliehen. Ihre Geschäftsidee: Würstchen für gesundheitsbewusste Feinschmecker – eiweißreich und fettarm einerseits, voll mit für Würstchen eher ungewöhnlichen Zutaten andererseits. So sollen etwa Sushi-Ingwer oder Guarana den Geschmacksträger Fett ersetzen.

Manuel Stöffler stammt aus Deckenpfronn im Schwarzwald und hat an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Er erinnert sich noch sehr genau an eine Projektmanagement-Vorlesung bei Professor Dr. Lutz Sommer: „Er hat uns jeden Tag in eine andere Richtung rennen lassen, das sicher Geglaubte galt dann einfach nicht mehr.“ Das habe ihn nachhaltig beeindruckt und offen und mutig für neue Ideen gemacht. Und so hat die Idee, die er gemeinsam mit Michael Ziegler hatte, denn auch bereits nach kurzer Zeit eine schier abenteuerliche Karriere hinter sich.

Vor zwei Jahren sitzen die beiden Sandkastenfreunde zusammen beim Grillen. Sie sind beide sportlich, die fette Wurst passt nicht in ihren Ernährungsplan. „Auf das vernünftige Putensteak hatten wir aber einfach keine Lust mehr“, sagt Stöffler. Ihm fällt ein, dass es in der Garage seiner Großeltern noch einen alten Fleischwolf gibt, sein Opa war Metzger. Die jungen Männer kaufen sich ein gutes Stück Fleisch und „ein paar interessante Zutaten“ und probieren drauf los – die Geburtsstunde von „Grillido“.

Ihre erste eigene Wurst schmeckt gar nicht mal so schlecht, sie werden immer größere Fans ihrer eigenen Idee. „Wir haben das einfach weiter verfolgt, viele Freunde und unsere Familien probieren lassen.“ Schließlich suchen sie sich professionelle Hilfe und rennen bei mehreren Spitzenköchen offene Türen ein. „Die haben uns freiwillig geholfen, unsere Rezepturen zu optimieren“, sagt Stöffler. Weil ihnen die Idee gefällt. Heraus kommen Kreationen mit Birne und Ziegenkäse, mit Spargel und Balsamico.

Die beiden heute 29-Jährigen verkaufen ihre Würstchen auf Weihnachtsmärkten und machen eine für sie bahnbrechende Feststellung: „Für unser Produkt interessierten sich auch total viele Frauen.“ Ihnen wird klar, dass sie nicht nur den Geschmack des „Wurstessers Mann“ bedienen, sondern ganz allgemein den ernährungsbewusster Menschen, die sonst eher einen Bogen um die Wursttheke machen. Es folgt ein Online-Shop, mit ihren privaten Autos werden die beiden zu Wursttaxifahrern. Die Nähe zum Kunden, das Feedback am Gartenzaun: Stöffler und Ziegler erfahren direkt, was den Kunden schmeckt und was nicht. „Und so ging die Entwicklung immer weiter, wir haben immer am offenen Herzen operiert.“

„Das richtige Produkt“

Was dann kommt, verpasst „Grillido“ den Turbo: Ihr Auftritt in der TV-Sendung „Höhle der Löwen“ verschafft ihnen Kapital und Öffentlichkeit. „Innerhalb einer Woche hatten wir 10 000 Bestellungen und 30 000 Klicks auf unserer Homepage“, sagt Stöffler. Binnen kürzester Zeit schaffen sie es in Süddeutschland in die Supermarktregale von Edeka und Rewe. Produziert wird in Zusammenarbeit mit der Metzgereigenossenschaft Stuttgart.

Ihre festen und aussichtsreichen Jobs geben die beiden Freunde auf und knacken bereits nach zehn Monaten als Vollzeit-Unternehmer die erste Umsatz-Million. Mit ihrer Firma mit Sitz in München ziehen sie gerade zum wiederholten Male um, weil das Büro immer wieder zu klein wird. „Inzwischen haben wir zehn feste Mitarbeiter und zehn bis 15 Werkstudenten und Praktikanten“, sagt Stöffler. „Wir gehen immer einen Schritt nach dem nächsten.“ Sie entwickeln laufend neue Produkte und arbeiten daran, bald in Supermärkten in ganz Deutschland vertreten zu sein. Ihr Erfolgsrezept: „Wir hatten das richtige Produkt zur richtigen Zeit“, sagt Stöffler. Die Menschen achteten sehr auf ihre Ernährung und wollten genau wissen, was sie essen.

Dem tragen sie auch durch „die Verwendung von Fleisch aus kontrolliert artgerechter Tierhaltung und den Verzicht auf künstliche Zusatzstoffe“ Rechnung – so steht es auf der Homepage, und das versprechen die beiden Gründer. Angst vor Nachahmern haben sie nicht: „Wir schützen uns durch unsere starke Marke, hinter der eine tolle Story steht.“