Vokalensemble

Vokalensemble interpretiert Rheinberger

Sigmaringen / Lesedauer: 2 min

Chorleiter von Cantus Stuttgart, Jörg-Hannes Hahn: „Diese Kirche singt sich schön“
Veröffentlicht:18.06.2018, 16:57
Aktualisiert:22.10.2019, 18:00

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Der Kammerchor Cantus Stuttgart hat unter der Leitung von Jörg-Hannes Hahn geistliche Musik von Joseph Gabriel Rheinberger in der Evangelischen Kirche zum Klingen gebracht. Die junge Organistin Maria Tscherepanova interpretierte zwischen den deutschen und lateinischen Liedern die sechste Sonate von Felix Mendelssohn Bartholdy. Die Zuhörer dankten für ein herausragendes und kurzweiliges Konzert.

Pfarrerin Dorothee Sauter hieß die trotz Konkurrenzveranstaltungen zahlreich erschienen Besucher in der Evangelischen Kirche willkommen: „Sie haben eine sehr gute Wahl getroffen.“ Einmalige Vokalmusik, auch wenn sie ähnlich erneut aufgeführt werden könne, sei immer etwas Besonderes.

Gemeinsames Singen gehört zum Gottesdienst. Der Kirchenraum ist also für ein Konzert, das in seinem Kern A-cappella gesungen wird, ideal. Kantor Sukwon Lee konnte den Kirchenmusiker Jörg-Hannes Hahn zu einem Gastspiel nach Sigmaringen holen. Dieser wiederum hat als Dirigent für sich und seinen Chor die Musik von Joseph Gabriel Rheinberger (1839-1901) entdeckt. Der in Liechtenstein geborene Rheinberger war Professor für Orgel und Komposition und später Hofkapellmeister des Bayerischen Königs Ludwig II. Er spielte eine bedeutende Rolle in der katholischen Kirchenmusik seiner Zeit, komponierte neben weltlicher Musik auch lateinische Motetten und Messen. Nach seinem Tod geriet er fast in Vergessenheit. Dass sich ein Hervorholen lohnt, bewies dieser Abend in schönster Weise.

Den Auftakt zum Abend setzte Hahn mit der „Missa sanctissimae Trinitatis op. 117“. Bereits mit dem Kyrie füllten die knapp 30 Chormitglieder den Raum mit ihren klar voneinander zu unterscheidenden, aber doch auch in ihren leisen Tönen zusammenklingenden Stimmen. Besonders auffällig zeigte sich dies im Benedictus, das vielstimmig wie zart oder als Frage und Antwort wie in einem Dialog zur Sprache kam. Weltlicher und mit deutschem Text interpretierte der Chor Rheinbergers fünf Motetten op. 40. Temperamentvoll und durchaus kritisch intonierten sie „Warum toben die Heiden und sinnen auf Eitles die Fürsten?“ und endeten mit „Frohlocket, ihr Gerechten, denn den Redlichen ziemt Lobgesang“ nach Psalm 33.

„Ein großes Geschenk“

Die Vielseitigkeit Rheinbergers demonstrierte der Chor mit drei lateinischen Hymnen für Frauenchor und Orgel op. 96. Die Musikstudentin aus Moskau, Maria Tscherepanova, übernahm den instrumentellen Part. Ein elegisches „Adoramus te, Christe“ und ein hoffnungsfrohes „Ave vivens hostia“ erklangen von der Orgelempore. Nach einem weiteren Teil von Mendelssohn Barholdy konnte der gesamte Chor im Gesamtklang noch einem aus dem Vollen schöpfen. Rheinbergers „Bleib bei uns“ nach dem Satz aus dem Lukasevangelium bewegte sechsstimmig in schönstem A-cappella und wurde als Zugabe noch einmal gesungen.

Vor der Kirche bedankte sich eine Zuhörerin bei Jörg-Hannes Hahn: „Das Konzert war ein großes Geschenk.“ Und der Kirchenmusiker aus Stuttgart erwiderte: „Ja, diese Kirche singt sich schön.“