Stadthalle

„Verb-brecher“ jongliert mit Worten

Sigmaringen / Lesedauer: 2 min

Kabarettist Willy Astor tritt in der Sigmaringer Stadthalle auf
Veröffentlicht:30.05.2016, 10:14
Aktualisiert:23.10.2019, 15:00

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Gut gefüllt ist die Stadthalle am Donnerstagabend gewesen, als Kabarettist Willy Astor dort aufgetreten ist. Der aus Funk und Fernsehen bekannte „Verb-brecher“ und „Vers-sager“, wie er sich selbst nennt, beglückte bei seinem Auftritt das Sigmaringer Publikum.

Mit seinem neuen Programm „Reim Time“ stülpte der Verbalakrobat Sinn und Ausdruck der Sprache um wie einen alten Sack, um den herausfallenden Inhalt willkürlich und nach Gutdünken wieder zusammenzusetzen: Eine „Will(y)-Kür“ sozusagen. Natürlich verloren die Regeln die Dichtkunst bei Astor ihre Existenzberechtigung, da er keinerlei Scheu an den Tag legte, mit verbalem Vorschlaghammer die Kunst auf ihre Dichtigkeit zu prüfen. Da mutierte die „Kohl-Ära“ schon mal zu Cholera, die Schreibtischlampe reimte sich trefflich auf „Schreibt die Schlampe“ und das von oben gelangweilt herabblickende „Hängereh“ entpuppte sich am Ende des Liedes schließlich als Hängeregister.

Oder er „jagt im kurzen Bommerlunder mit glühend heißen Feuerzangen Bohlen“ im rauschenden Wald der Alkoholika. „Ich Hasse Röder“, bekannte Astor und ließ mit weiteren Wortbrechern imaginäre Bilder im Kopf des Zuhörers entstehen. „Schnaps se dir, aber Brändy net“. Mit Wortwitz warb er für das „Seitenstechermüsli“ und die Tücher für Gesundheit, Finanzen und Arbeit, denn „Gesundheit-Samt“, „Finanz-Samt“ und „Arbeit-Samt“ könnten wahre Wunder vollbringen.

Dem Heiterkeitspegel und dem immer wieder aufbrandenden Beifall war zu entnehmen, dass das sprachliche Frikassee dem Publikum sehr gut gemundet hat.

Allerdings hatte Astor zu Beginn für Irritationen gesorgt: Die Besucher in der ersten Reihe bekamen manche Attacke ab, die zumindest für die Betroffenen nicht zum Lachen waren. So kommentierte er den guten Geschmack ein wenig überschreitend, den mit Applikationen besetzten Pulli einer Dame folgendermaßen: „Was sind denn das für Klunker? Sind Ihnen die Kronjuwelen aus der Krone auf den Busen gefallen?“ Einigen anderen rückte er mit penetrantem Nachfragen bezüglich ihres Privatlebens derart auf die Pelle, dass einer der so ins Rampenlicht Gestellten nachdrücklich und für alle vernehmlich sagte: „Nie wieder in die erste Reihe.“