Höchststrafe

Sexueller Missbrauch: Gericht verhängt die Höchststrafe gegen Vater

Sigmaringen / Lesedauer: 3 min

Der Mann hat seine elf Jahre alte Tochter sexuell missbraucht – Gericht verhängt Höchststrafe
Veröffentlicht:17.11.2022, 05:00
Aktualisiert:17.11.2022, 06:59

Von:
Artikel teilen:

Vier Jahre ins Gefängnis muss ein 34-jähriger Familienvater aus einer Gemeinde im Kreis Sigmaringen. Damit erhält der Mann die höchstmögliche Strafe, die am Amtsgericht verhängt werden kann. Das Schöffengericht sieht es als erwiesen an, dass der Mann seine elf Jahre alte Tochter sechsmal sexuell missbraucht hat.

Freiheitsstrafe

Vater vor Gericht: Er soll seine Tochter missbraucht haben

qSigmaringen

Die Hauptverhandlung am Sigmaringer Amtsgericht wurde am Mittwoch fortgesetzt, nachdem vergangene Woche bereits mehrere Zeugen und eine Sachverständige ausgesagt hatten. Der Angeklagte, der sich seit Juni in Haft befindet, wurde, wie am ersten Verhandlungstag, in Fußfesseln in den Gerichtssaal geführt.

Angaben machte er während des Prozesses keine. Die Plädoyers der Staatsanwältin und der Verteidigung fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil diese auch während der Befragung der Tochter am ersten Verhandlungstag den Gerichtssaal verlassen musste.

Die Richter glauben der Tochter

Richterin Kristina Selig begründete das Urteil schließlich damit, dass die Richter die Aussage der Tochter für glaubwürdig erachtet. Die Elfjährige beschuldigt ihren Vater, sie mehrmals gezwungen zu haben, mit ihm Pornofilme anzusehen und ihn sexuell zu befriedigen. „Sie hat die Taten glaubhaft geschildert“, sagte Selig.

Sie seien davon überzeugt, dass sie sich die Taten nicht ausgedacht haben kann. Die Elfjährige hätte sich laut Selig die sexuellen Handlungen auch aus einem Pornofilm nicht so zusammenreimen können. „Dann hätte sie auch andere Dinge schildern müssen“, sagte die Richterin.

Geldstrafe

Sex mit der minderjährigen Schwägerin: Mann muss Geldstrafe zahlen

qSigmaringen

Neben der Aussage der Tochter weisen laut Selig auch Bilder und Apps auf dem Handy des Vaters darauf hin, dass er sexuelles Interesse an seiner Tochter entwickelt habe. Die Kriminalpolizei hatte auf dem Handy des Vaters Bilder von Pornodarstellern gefunden, deren Gesichter durch die der Tochter und des Vaters ersetzt wurden. Außerdem fanden sie die dazugehörige App, mit der man Bilder dementsprechend zuschneiden kann. „Das kann die Tochter nicht gemacht haben“, sagte Selig.

Tochter ruderte bei ihrer Aussage zurück

Die Elfjährige hatte am ersten Verhandlungstag spontan unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt, obwohl sie es ursprünglich nicht wollte. Dabei hatte sie ihre Aussage teilweise zurückgenommen: Statt sechsmal sei die Tat nur zwei Mal passiert. Bei einer richterlichen Vernehmung, die im Gericht als Video abgespielt wurde, hatte sie dagegen mehrere Taten einzeln geschildert. Dass sie nun die Taten auf das Minimum reduziere, sei nicht plausibel, sagte die Richterin. Sie hätte unter Druck aus der Familie gestanden. Seitdem der Vater verhaftet wurde, sei die Familie durch die Situation sehr belastet.

Sie hat versucht, die Mutter und die Familie wieder glücklich zu machen.

Richterin Kristina Selig

Zu Beginn der Verhandlung hatte die Verteidigung versucht, mit der Staatsanwaltschaft und dem Gericht eine Verständigung zu erreichen. Einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren und zehn Monaten hatte der Angeklagte aber nicht zugestimmt. Nun sind es vier Jahre ohne Bewährung, die der 34-Jährige ins Gefängnis muss.

Mehrere Vorstrafen hätten außerdem gegen ihn gesprochen, sagt die Richterin. Seine Tochter habe er vor mehreren Jahren am Hals gepackt und wurde daraufhin zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Auch seine Frau verletzte er im Streit und erhielt dafür eine Geldstrafe. Laut Richterin Selig würde das zeigen, dass es bereits früher Gewalt in der Familie gegeben habe.

Psychische Folgen für die Tochter sind wahrscheinlich

Sie geht zudem davon aus, dass die Tat psychische Auswirkungen für die Tochter haben wird. Das sei in der Verhandlung bereits deutlich geworden. „Was das noch für Folgen in der Zukunft hat, wird sich noch zeigen. Aber es ist davon auszugehen, dass sie noch lange damit zu kämpfen haben wird“, sagte sie.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte kann innerhalb einer Woche eine Revision beantragen.

Kinderporno

32-Jähriger hortet Hunderte Kinderpornos

qSigmaringen