Osternacht

Togolese übernimmt Patenschaft für deutschen Täufling

Sigmaringen / Lesedauer: 3 min

In der Osternacht tauft Vikar Armin Nagel zwei Flüchtlinge und einen Deutschen
Veröffentlicht:30.03.2016, 16:05
Aktualisiert:23.10.2019, 17:00

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In der Osternacht sind in der Seelsorgeeinheit Sigmaringen drei Erwachsene getauft worden. Unter den Täuflingen waren zwei Flüchtlinge aus Togo, die in der Gemeinschaftsunterkunft Fürstenhof leben. Vikar Armin Nagel erzählt im Gespräch mit SZ-Redakteur Michael Hescheler, dass drei Muslime aus dem Irak Christen werden möchten. „Ich bin mit ihnen im engen Gespräch und sage ihnen, dass sie Christen werden können, dies aber keinen Einfluss auf die Bearbeitung ihres Asylantrags hat.“

Herr Nagel, warum wollten die beiden Flüchtlinge aus Togo getauft werden?

Sie sind Mitglied der Trommelgruppe, die beim Fidelisfest im vergangenen Jahr und zu anderen Anlässen gespielt hat. So haben sie gespürt, dass sie zur Pfarrei gehören. Sie haben festgestellt, dass sich hier Menschen um sie kümmern.

Hatten die Flüchtlinge bereits einen christlichen Hintergrund?

Ja, sie haben viel an Grundwissen mitgebracht, weil sie in einem christlichen Umfeld aufgewachsen sind. Nur die Taufe wurde damals aufgeschoben.

Der dritte Täufling in der Osternacht in Bingen war ein Einheimischer. Warum bekannte er sich zur katholischen Kirche?

Seine Lebensgefährtin und der Nachwuchs waren ausschlaggebend. So hat er den Weg zur Kirche gefunden.

Wie unterscheidet sich eine Erwachsenentaufe von einer Kindstaufe?

Erwachsenentaufen sind eigentlich dem Bischof vorbehalten, da drei Sakramente auf einmal gespendet werden: Taufe, Firmung und Eucharistie. Deshalb musste ich Freiburg um Erlaubnis bitten. Taufe heißt, sich zum Glauben bekennen und dem Bösen widersagen. Für die Kinder antworten stellvertretend die Eltern, die Erwachsenen machen dies natürlich selbst. Mit Chrisamöl habe ich ein Kreuz auf die Stirn der Getauften gesalbt. Dies entspricht der Firmung.

Ein Flüchtling aus Togo hat für den deutschen Täufling das Amt des Paten übernommen. Wie ist dies entstanden?

Der Einheimische hat ihm erst ein Praktikum und später eine feste Anstellung bei einem Unternehmen aus Hohentengen vermittelt. Deshalb wollte der Togolese, er ist der Kopf der Trommlergruppe und bereits getauft, seinem Wohltäter etwas zurückgeben.

In Baden-Württemberg sind in der Osternacht rund 25 Muslime getauft worden und haben den christlichen Glauben angenommen. Gibt es in Sigmaringen Interessenten?

Ich bin mit drei Muslimen aus dem Irak im engen Gespräch. Der Prozess ist hier relativ am Anfang und braucht eine längere Vorbereitungszeit. Um Muslim zu werden, muss unter Zeugen ein Satz gesprochen werden. Christsein ist dagegen ein langsames Hineinwachsen.

Verbinden die Asylbewerber durch ein Übertreten andere Hoffnungen?

Ich sage ihnen, dass sie Christen werden können, dies aber keinen Einfluss auf die Bearbeitung ihres Asylantrags hat.

Sie haben es als wichtige Aufgabe angesehen, sich der Flüchtlinge anzunehmen. Wie geht es weiter, wenn Sie Sigmaringen im September in Richtung Konstanz verlassen werden?

Das Asylcafé, das immer donnerstags im Fidelishaus stattfindet, soll weitergehen. Aus dem Café sind die meisten Kontakte entstanden.