Klosterstadt

Stadt behält die Kontrolle über Klosterstadt-Finanzen

Meßkirch / Lesedauer: 4 min

Löwenanteil der Zuschüsse wird von der Gemeinde verwaltet – Geurten und Zwick wollen Transparenz
Veröffentlicht:05.06.2013, 13:25
Aktualisiert:25.10.2019, 00:00

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Je näher der Eröffnungstermin der Klosterstadt rückt, umso lauter wird die Frage, ob das Projekt auch wirtschaftlich ist. Hintergrund ist, dass manche Campus Galli nicht zutrauen, finanziell auf eigene Füße zu kommen. Hinzu kommen Gerüchte und Unterstellungen, dass sich Initiator Bert M. Geurten persönlich an dem Projekt bereichern wolle – womöglich sogar auf Kosten der Steuerzahler. Dabei war es der Verein Karolingische Klosterstadt selbst, der vor einiger Zeit vorgeschlagen hat, einen Wirtschaftsbeirat als Kontrollgremium einzurichten. „Wir geben da freiwillig Kompetenzen ab, damit alles transparent ist“, sagt Geurten.

Wie die SZ berichtete, sollen unter dem Vorsitz von Manfred Sattler, Präsident der IHK Koblenz, zwei Banker, ein Meßkircher Unternehmer und Bürgermeister Arne Zwick als Vertreter der Stadt über die Finanzen von Campus Galli wachen. Der Wirtschaftsbeirat soll den Jahresetat genehmigen und muss über außerordentliche Ausgaben informiert werden. „Gerade hatten wir Probleme mit der Finanzierung des Küchencontainers“, sagt Geurten. Daraufhin habe er sich an den Beirat gewandt, der nun bei der Finanzierung helfe.

Neben derlei praktischer Hilfe im Kleinen wurden dem Wirtschaftsbeirat auch weitreichendere Kompetenzen eingeräumt: So soll er etwa die Gehälter derjenigen Vorstandsmitglieder festlegen, die später auch auf der Baustelle mitarbeiten. „Wenn wir das selbst machen würden, hätte das ein Geschmäckle“, sagte Geurten Anfang des Jahres. „Es soll eben nicht der Eindruck entstehen, dass sich Einzelne die Taschen vollmachen.“ Dass dies praktisch unmöglich sei, sagt auch Zwick – denn die Stadt habe die „direkte Verwendungskontrolle“ über die größten Summen.

Tatsächlich bekommt Campus Galli in der Anfangsphase viel Geld – der Löwenanteil stammt mit rund 450000 Euro aus dem EU-Fördertopf Leader. Allerdings fließt das Geld nicht direkt an den Verein, sondern an die Stadt. „Dadurch haben wir auch die Kontrolle darüber, dass das Geld zweckgebunden verwendet wird“, sagt Zwick. Künftig werde auch nicht nur der Wirtschaftsbeirat über die Finanzen der Klosterstadt informiert. „Die Buchhaltung bekommt dann natürlich auch der Gemeinderat zu Gesicht.“ So könne dieser jederzeit nachvollziehen, was mit dem Geld passiert und welche Summen in was gesteckt wurden.

„Die Entscheidung, ein bestimmtes Projekt zu fördern, wird auch niemals übers Knie gebrochen“, sagt Emmanuel Frank von der Leader-Geschäftsstelle im Landratsamt Sigmaringen. Im Fall der Klosterstadt sei sie von großer Expertise begleitet worden. „Im Vorfeld gab es nicht nur Gespräche, es wurden auch detaillierte Untersuchungen verlangt.“ Daran seien die Leader-Aktionsgruppe vor Ort, aber auch das Regierungspräsidium und das Land Baden-Württemberg beteiligt gewesen. Die knappe halbe Million Euro gebe es zudem „nicht einfach so“, sondern das Geld sei „mit einer 15-jährigen Zweckbindungsfrist verbunden“, sagt Frank. Wenn man die Infrastruktur mithilfe von Leader-Geld schaffe, müsse der Betrieb auch 15 Jahre lang wie vereinbart laufen. „Wenn nicht, gibt es eine Prüfung, ob Fördermittel zurückgegeben werden müssen.“ Diesen Fall hält Frank aber für unwahrscheinlich. „Im Zweifelsfall würden wir erst einmal gemeinsam mit allen Beteiligten nach einer Lösung suchen.“ Es sei dann beispielsweise denkbar, den Betrieb von Campus Galli zu verändern oder zu verkleinern. „Wir sind aber sehr zuversichtlich, dass es über Jahre funktioniert.“ In der Leader-Aktionsgruppe Oberschwaben habe es auch noch nie eine Rückforderung gegeben.

Finanzielle Unterstützung hat indes auch der Landkreis zugesagt. Er gibt der Klosterstadt einen Zuschuss von 20000 Euro und ein Darlehen über 100000 Euro. „Das wurde aber noch gar nicht abgerufen“, sagt Karlheinz Fahlbusch, Sprecher des Landratsamts. Für mehrere Jahre sei der Kredit tilgungsfrei. „Und wenn dann kein Geld da sein sollte, bürgt die Stadt Meßkirch.“

Doch so weit soll es gar nicht erst kommen. Geurten kalkuliert derzeit mit rund 250 Besuchern am Tag, das hält er „für erreichbar“. Damit sei es nach seinen Berechnungen theoretisch möglich, bereits Ende 2013 eine schwarze Null zu schreiben. Und auch Bürgermeister Zwick verbreitet Zuversicht: Für ihn ist wichtig, dass „alles transparent ist“. Da letztlich die Stadt die Kontrolle über die Finanzen habe, gebe es die Möglichkeit zu intervenieren, bevor es zu spät ist.