Pokémonkarte

Streit und Handel: Schule verbietet Pokémonkarten und Panini-Sticker

Sigmaringen / Lesedauer: 4 min

Weil die Tauschgeschäfte mit den Karten überhand nehmen, verbietet die Schule sie komplett
Veröffentlicht:01.12.2022, 19:00
Aktualisiert:02.12.2022, 10:49

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Kleine japanische Fantasiewesen, die bequem in die Tasche passen: Das sind Pokémon . Die Filme, Serien, Spiele und Karten der Medien-Franchise sind seit 1996 beliebt bei Kindern und Erwachsenen.

Auch an der Bilharzschule in Sigmaringen haben die Schülerinnen und Schüler bis vor Kurzem eifrig Pokémon-Sammelkarten getauscht. Doch jetzt hat die Schulleitung die Karten vom Schulgelände verbannt.

Auf den Spielkarten sind die kleinen japanischen Monster aufgedruckt. Darauf steht auch, welche Superkräfte sie haben und es gibt sie in unterschiedlichen Ausführungen. Limitiert, golden, glitzernd, manche Karten sind mehrere Tausend, die wertvollste Karte sogar mehr als fünf Millionen Dollar wert.

Handel mit Karten geht über reines Tauschen hinaus

So teuer sind die Karten der Schülerinnen und Schüler an der Werkrealschule und der Grundschule vermutlich nicht. Aber Geld spielte beim Verbot auch eine Rolle: „Es wurde auch mit den Karten gehandelt und das kann ich an der Schule nicht zulassen“, sagt Schulleiterin Susanne Seßler . Dadurch sei es unter den Schülern auch zu Streitigkeiten gekommen. „Manche haben sich von anderen übers Ohr gehauen gefühlt.“

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Immer wieder seien es in der Vergangenheit Wellen gewesen, in denen die Sammelkarten unter den Kindern mal mehr oder weniger beliebt waren. Jetzt habe es aber überhandgenommen. „Die Kinder sind mit dicken Alben hier angerückt. Sie sind quasi nur noch zum Tauschen in die Schule gekommen.“

Schüler protestieren zunächst gegen das Verbot

Ein Schüler der Bilharzschule berichtet der „Schwäbischen Zeitung“, die Karten seien irgendwann nicht mehr nur in den Pausen auf dem Schulhof, sondern auch im Klassenzimmer getauscht worden. „Fast alle haben Karten“, erzählt er.

Sie hätten zuerst in den Klassen gegen das Verbot protestiert. „Ich finde es blöd, dass es verboten wurde, aber ich habe es akzeptiert“, sagt der Schüler. Sammeln wolle er die Karten aber weiterhin. Susanne Seßler sagt, sie habe das Gefühl, die Schülerinnen und Schüler hätten das Verbot gut aufgenommen. „Manche waren sogar fast ein bisschen erleichtert“, sagt sie.

Verboten wurden auf dem gesamten Schulgelände nicht nur Pokémon-Karten, auch Ninjago-Karten oder Panini-Bilder. Ninjago-Karten von der Firma Lego sind Zusatzmaterial zur gleichnamigen animierten Action-Serie, die von 2011 bis 2022 im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Die Karten kann man genauso sammeln und auch mit ihnen spielen.

Pokémon beliebt wie vor 20 Jahren

Einen Hype gab es vor einigen Jahren auch um Panini-Bilder zur Fußball-Bundesliga und zu großen Fußball-Meisterschaften. Laut Gerhard Bräsicke sind die aber nicht mehr ganz so beliebt wie früher. Er ist Angestellter im Sigmaringer Spielwarengeschäft Ziegler. Pokémon dagegen sei heute so beliebt wie vor 20 Jahren . „Da kommen immer wieder neue Serien raus, das wird am Leben gehalten.“

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Zehn Karten kosten dort fünf Euro. Spezial-Boxen, die zum Teil mehr als 200 Euro kosten, seien innerhalb von wenigen Tagen ausverkauft. Besonders beliebt seien diese bei Sammlern, die für die Spielwaren sogar weite Fahrten auf sich nehmen. „So etwas hat uns in Corona-Zeiten den Umsatz gerettet “, sagt Bräsicke. Für jüngere Schüler sind dagegen die Papierkarten der erste Schritt in die Sammel-Welt.

Komplexe Welt der Franchise

Pokémon war unter Kindern und Erwachsenen vor etwa fünf Jahren schon einmal ein großes Thema, das auch medial diskutiert wurde. Damals kam die App „ Pokémon Go “ auf den Markt. Bei dem Spiel jagen die Mitspielerinnen und Mitspieler die Taschenmonster auf der Straße oder im Park und treten in virtuellen Arenen gegeneinander an. Das Spiel gibt es heute auch noch, aber der Hype darum ist etwas abgeflaut.

Auf den Pausenhöfen der Schulen sind die Karten aber noch beliebt wie eh und je, Computerspiele stehen bei den Jugendlichen zu Hause auch hoch im Kurs. Dort und auf Youtube eröffnet sich eine noch größere Welt des Medien-Franchise Pokémon. Eine Welt, in der sich nur die wahren Sammler richtig gut auskennen. „Das ist extrem komplex“, sagt Gerhard Bräsicke.

Andere Schulen verbieten Karten grundsätzlich

An der Geschwister-Scholl-Schule sind aufgrund der Fußball-WM aktuell vor allem Fußball-Karten unter den Schülerinnen und Schülern interessant. „Man sieht einzelne Karten“, sagt Schulleiter Ullrich Biesel. „Es ist auf jeden Fall mehr als letztes Jahr oder das Jahr davor.“ Problematisch sei es allerdings nicht.

Susanne Seßler weiß von anderen Schulen, dass die Karten dort auf dem Schulgelände grundsätzlich verboten sind. Sollten die Schüler der Bilharzschule trotz des Verbots mit Tauschkarten auf dem Schulhof erwischt werden, würden diese weggenommen und an die Eltern übergeben, sagt sie.

Dass das Verbot irgendwann wieder aufgehoben wird, schließt Seßler nicht aus. Lieber wolle sie den Kindern einen gesunden Umgang mit Medien vermitteln. „Das muss man dann neu bewerten“, sagt sie.

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