Frühgeburtsrisiko

Projekt soll Frühgeburtsrisiko senken

kreis Sigmaringen / Lesedauer: 2 min

Projekt soll Frühgeburtsrisiko senken
Veröffentlicht:29.09.2010, 19:15
Aktualisiert:26.10.2019, 00:00

Von:
Artikel teilen:

Etwa 1100 Kinder kommen im Landkreis Sigmaringen jedes Jahr zur Welt. Davon werden etwa sieben Prozent also etwa 70 bis 80 zu früh geboren. Um die Zahl zu senken, wollen die Deutsche Angestelltenkrankenkasse (DAK) und die Frauenärzte in Baden-Württemberg enger zusammen arbeiten.

Von unserem Redaktionsmitglied Eileen Kircheis

Frühgeburten, das heißt Geburten vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche, bergen für die Neugeborenen große Risiken. Je früher die Kinder zur Welt kommen, umso größer ist die Gefahr, dass sie geistige und körperliche Behinderungen davontragen. So behalten 60 Prozent der Frühchen unter 1000 Gramm Behinderungen zurück.

Besonders im städtischen Raum sei das Risiko sehr groß, dass Kinder zu früh auf die Welt kämen, sagt Edgar Schelble , Chefarzt der Geburtshilfe am Kreiskrankenhaus in Sigmaringen. „Das Problem ist hier in Sigmaringen daher nicht so groß“, sagt der Gynäkologe. Psychosoziale Komponenten, wie Stress, würden einen bedeutenden Einfluss auf den Schwangerschaftsverlauf haben und in Städten häufiger auftreten.

Um das Frühgeburtenrisiko zu mindern will die DAK die Vorsorge für schwangere Frauen noch weiter verbessern. Dafür hat sie das Projekt „Willkommen Baby“ ins Leben gerufen. Das vor allem drei wichtige Vorsorgeuntersuchungen werdender Mütter übernimmt, die zuvor nicht von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert wurden. Für die wichtigste Neuerung hält Schelble die Übernahme der Kosten des sogenannten oralen Glukosetoleranztests. Durch diesen Diabetestest kann eine Schwangerschaftsdiabetes, die zu schweren Schädigungen des Kindes führen kann, wesentlich zuverlässiger erkannt werden als durch den üblichen Urintest. Ein weiterer wichtiger Punkt sei, dass Schwangere kostenlos Testhandschuhe bekommen, mit denen sie regelmäßig selbst zuhause ihren ph-Wert bestimmen können. „Die Bestimmung dieses Wertes ist sehr wichtig, da er Aufschluss über eventuell vorhandene Infektionen geben kann“, erklärt Matthias Becker, Facharzt für Frauenheilkunde in Sigmaringen . Infektionen seien die häufigste Ursache für Frühgeburten erklärt Schelble. „Das sind sehr einfache Maßnahmen durch die das Risiko bis zu sieben Prozent gesenkt werden kann“, sagt er weiter.

Außerdem bekommen werdende Mütter in der frühen Schwangerschaft einen Toxoplasmosetest, bei diesem wird die Frau auf Antikörper getestet, um einen eventuellen Immunschutz festzustellen. Bei Toxoplasmose handelt es sich um eine Infektionskrankheit, mit der sich Menschen durch Katzenkot und rohes Fleisch anstecken können. Auch wenn die Krankheit für gesunde Erwachsene keine schlimmeren Folgen hat, kann sie bei Ungeborenen schwere Schäden verursachen.

Frauenarzt Schelble befürwortet die Angebote der DAK, sieht die Probleme aber noch an ganz anderer Stelle. „Nur 60 bis 70 Prozent aller Schwangeren nehmen überhaupt die empfohlenen zehn Vorsorgeuntersuchungen wahr“. Viele der werdenden Mütter aus sozialkritischen Gruppen oder Risikoschwangere würden die Ärzte nicht erreichen.