Wasserturm

Machtolsheim gehen die Optionen aus

Machtolsheim / Lesedauer: 5 min

Machtolsheim gehen die Optionen aus
Veröffentlicht:16.04.2010, 12:15
Aktualisiert:26.10.2019, 04:00

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Wasserturm, „Stiegel“, Friedhof: Der Machtolsheimer Ortschaftsrat hat den Mobilfunk-Unternehmen an allen drei Standorten einen Korb gegeben. Welche Möglichkeiten bleiben jetzt noch? Wir haben Fragen und Antworten zusammengestellt.

Von unserem Redakteur Sven Kauffelt

Wieso kommt der Wasserturm als Standort nicht in Betracht? {element}

„Der Wasserturm ist vom Ortschaftsrat nie vorgeschlagen worden“, erklärte Roland Autenrieth in der Sitzung am Dienstagabend. Dennoch hat der Ortschaftsrat darüber beraten und „entschieden, dass der Wasserturm draußen ist“, wie Reiner Fink noch einmal erklärte. Der Rat war dabei im Wesentlichen einer Unterschriftenaktion gefolgt, die von 300 Machtolsheimern unterschrieben wurde. Initiator: die Familie Richter. Gleichwohl weist das Gutachten des TÜV Süd von Oktober vergangenen Jahres den Wasserturm als am ehesten geeigneten Standort aus: „Von den drei untersuchten Szenarien („Hinter dem Stiegel“, Wasserturm, Rathaus, Anm. d. Red.) führt die Variante Wasserturm mit großem Abstand zu den niedrigsten durchschnittlichen Immissionswerten“, heißt es in dem Gutachten. Laut Ortsvorsteher Tobias Erz , der am Dienstagabend zusammen mit Gottfried Lang dem Vorschlag von Gerd Zeifang zustimmte, in der nächsten Sitzung noch einmal über den Wasserturm zu diskutieren, bringen viele Machtolsheimer in Briefen und Anrufen den Wasserturm nach wie vor ins Spiel. Eine erneute Diskussion hat der Ortschaftsrat am Dienstagabend jedoch abgelehnt – mit sechs zu drei Stimmen.

Was spricht gegen den Standort beim Friedhof?

Der Ortschaftsrat hat dem Anbieter O2 einen Standort südöstlich vom Friedhof als Alternative genannt. Schon gegen diesen Vorschlag hat sich die Unterschriftenaktion gerichtet, deren Ergebnis mit 247 Unterschriften Gerhard Bohnacker am Dienstagabend an Tobias Erz übergeben hat. Erst nach dem Vorschlag des Ortschaftsrats hat der Anbieter Vodafone den Bau eines 30-Meter-Mastens beantragt. Standort: 90 Meter westlich, also näher zum Ort, als der vom Rat vorgeschlagene Standort. Mit dem Hinweis auf den abweichenden Standort hat der Ortschaftsrat dies am Dienstagabend abgelehnt. Aufgrund der Unterschriftenaktion wäre aber wohl auch selbst ein Mast auf dem vom Rat vorgeschlagenen Grundstück südöstlich vom Friedhof kaum akzeptiert worden. Der Ortschaftsrat hätte, um die Bürger im Osten von Machtolsheim nicht vor den Kopf zu stoßen, seinen eigenen Vorschlag kaum noch halten können.

Wie geht es beim Standort „Hinter dem Stiegel“ weiter?

Sehr wahrscheinlich vor Gericht. Auf dem Schuppen gibt es bereits einen Mobilfunkmasten mit einer GSM-Antenne von T-Mobile . Weil die Gesamtanlage zehn Meter in der Höhe überschreitet, hätte sie nach einhelliger Auffassung der beiden Rechtsgutachten von Dr. Barbara Wachsmuth und Dr. Reinhard Heer, die die Stadt in Auftrag gegeben hatte, nicht ohne Zustimmung des Ortschaftsrates errichtet werden dürfen. Nachträgliche Konsequenzen drohen dem Betreiber jedoch nicht. Das Landratsamt hat dem städtischen Bauamt mitgeteilt, dass es die Anlage trotz des Verstoßes „dulden“ werde. „Es gehen keine unmittelbare Gefahren von dem Mast aus, welche ein bauordnungsrechtliches Einschreiten rechtfertigen würde“, hat das Landratsamt dem Bauamt mitgeteilt. Einen Antrag von O2 zur Errichtung einer weiteren Anlage hat der Ortschaftsrat abgelehnt, in dem er das „gemeindliche Einvernehmen“ verweigert hat. O2 hat dagegen Widerspruch eingelegt. Das Regierungspräsidium Tübingen hat diesen Widerspruch zurückgewiesen. O2 hat dadurch jetzt die Möglichkeit, vor dem Verwaltungsgericht Sigmaringen zu klagen, was das Mobilfunk-Unternehmen aller Voraussicht nach auch tun wird. Der Ausgang ist ungewiss, jedoch gab Ortsvorsteher Tobias Erz am Dienstagabend die Einschätzung ab, dass O2 dabei „eher gewinnen als verlieren“ werde.

Ist der Standort „Hinter dem Stiegel“ damit bis zum Ausgang des Gerichtsverfahrens außen vor?

Nein. Sowohl O2 als auch Vodafone können sich den Schuppen als Standort nach wie vor vorstellen. Wenn sie sich mit dem Eigentümer einig sind, was offenbar der Fall ist, steht es ihnen immer noch frei, auf dem Schuppen Anlagen zu errichten, die eine Höhe von zehn Metern nicht überschreiten. Dafür würde die Zustimmung des Ortschaftsrates nicht benötigt. Fraglich ist allerdings, ob Masten in dieser Höhe den Mobilfunkanbietern ausreichen, um den ganzen Ort abzudecken.

Wie hoch ist die Reichweite von UMTS?

Darüber existieren unterschiedliche Angaben, weil die Funkreichweite von mehreren Faktoren abhängt. In unverbautem Gelände ist die Reichweite höher als innerorts. Thomas Lichtenberger, Sprecher von O2, hat gegenüber der SZ bestätigt, dass die Entfernung für eine „ideale Datenübertragung“ bei „maximal einem Kilometer“ liege. Dies ist jedoch wiederum davon abhängig, wie viele Menschen im Bereich der Anlage den UMTS-Dienst nutzen. Faustregel: Je mehr Nutzer und je mehr Daten diese abrufen, desto geringer wird die Reichweite. Telefongespräche fallen dabei kaum ins Gewicht. Der weitaus größte Teil des Datenvolumens wird durch die Nutzung mobiler Internetdienste verursacht.

Sind dadurch Standorte weit außerhalb des Ortes, etwa im Gewann „Steinenlauh“, überhaupt realistische Alternativen?

Aus Sicht der Mobilfunkbetreiber wohl nicht. Selbst bei optimaler Datenübertragungsrate und wenig Mobilfunkverkehr könnte eine UMTS-Antenne von „Steinenlauh“ aus wohl nur 90 Prozent von Machtolsheim abdecken. Je höher der Datenverkehr, desto mehr würde sich dieser Radius verringern. Für die Betreiber scheint dies keine Alternative zu sein, weil ihr Fokus nicht nur auf dem Ortsgebiet Machtolsheim liegt, sondern sich auch auf die Landesstraßen Richtung Autobahn und Richtung Blaubeuren sowie auf Teile des Laichinger Gewerbegebiets erstreckt. Sie suchen nach einer Lösung, mit der sie diese Gebiet über eine Anlage abdecken können. Zwei Bauwerke dafür erklärte O2-Sprecher Lichtenberger gegenüber der SZ als „unverhältnismäßig“.

Welche Einflussmöglichkeiten blieben somit für eine Bürgerinitiative, die vom Ortschaftsrat ins Spiel gebracht wurde?

Wenige. Denn die Standorte, die aus Sicht der Mobilfunk-Unternehmen geeignet sind, hat der Ortschaftsrat abgelehnt. Und die Standorte, die der Ortschaftsrat als Alternativen genannt hat, kommen für die Mobilfunk-Unternehmen nicht in Frage. Selbstverständlich bliebe es einer solchen Initiative frei, sich auch für bereits vom Ortschaftsrat ausgeschlossene Standorte wie den Wasserturm oder den Friedhof auszusprechen.