Stadtkirche

Lees Kantate mischt asiatische Klänge mit Musik von Bach

Sigmaringen / Lesedauer: 3 min

„Singet dem Herren ein neues Lied“ lautet der Titel der neuen Kantate des Sigmaringer Kantors
Veröffentlicht:15.12.2014, 19:03
Aktualisiert:24.10.2019, 07:00

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In der evangelischen Stadtkirche ist die Kantate „Singet dem Herrn ein neues Lied“ uraufgeführt worden. Die Komposition von Kantor Sukwon Lee, die europäische und asiatische Klänge zusammenführt, begeisterte Sänger, Musiker, den Dirigenten und Komponisten genauso wie das zahlreich erschienene Publikum.

In Asien hat Sukwon Lee Komposition studiert. Die Musik von Bach führte ihn danach nach Deutschland. Er kam nach Trossingen , um an der Musikhochschule weiter zu studieren. Seit sechs Jahren dirigiert er die Kantorei an der evangelischen Stadtkirche in Sigmaringen. Beim diesjährigen Jahreskonzert wagte der 41-jährige Lee das, was ihn besonders bewegt: Die von ihm gelebte Verbindung von asiatischen Volksweisen und die von ihm verehrten Kirchenlieder von Bach in einem eigenen Werk zu realisieren.

Für die Aufführung verband er beide Kulturen auch in der Besetzung: Neben dem Chor der evangelischen Kirche sangen Sänger der evangelischen Gemeinde Trossingen mit. Der Blockflötenkreis (Solo-Blockflöte von Julia Wetzel und Subbass-Blockflöte von Hannah Tietze) und Harfe (Hannah Pfeiffer) kamen aus Sigmaringen . Aus Frankfurt kamen die Koreanerinnen Pyun Hea-Jung mit dem zweisaitigen asiatischen Streichinstrument Hägeom und Ho-Jeong Reinbacher-Kang mit den asiatischen Trommeln Buk und Jangu. Dae-Kyu Park, ein Mitglied in der Robert-Schumann-Philharmonie, kam aus Chemnitz.

Der krankheitsbedingte Ausfall der Sopranistin kurz vor dem Konzert erforderte besondere Logistik und eine Umstellung der Stimmen (Alt: Sabine K. Bimek, Tenor: Seong Hyun Kim, Bass: Taeyoung Lee). Yunji Choi aus Trossingen sprang ein, auch Lee übernahm neben dem Dirigieren eine Singstimme. So konnte die Uraufführung gerettet werden und übertraf sämtliche Erwartungen.

Generalkonsul Young-hoon Kim schickte über seinen Stellvertreter in Frankfurt ein Grußwort: „Die Komposition ist ein außergewöhnliches Ereignis, das die unterschiedlichen Kulturen freundschaftlich verbindet.“ Er danke allen Beteiligten und hoffe, „dass die Aufführung noch lange in Ihren Herzen und Seelen nachklingen wird“.

Reverenz an Bach

Codekan Albrecht Knoch führte in das Werk ein. Die Komposition treibe Lee schon lange um: Er bindet seine Komposition in die von Bach ein. Dies sei seine Referenz an das Vorbild. Jeweils zwei Lieder von Bach bilden den Rahmen des Konzerts. Lee führe weiter, was schon angelegt ist, so Knoch. Das Neue durch die „fremden Töne“ bedeute ein gegenseitiges Entdecken und zudem die Aufgabe, das Fremde anzunehmen und neues Gemeinsames zu gestalten. Lee nennt seine Komposition „Singet dem Herrn ein neues Lied“. Diese bachsche Kirchenkantate ist gleichzeitig Hommage an den Meister und bisher „unerhört“ neu.

Denn zum ersten Mal werden koreanische Klänge in seine Lieder eingewoben, die modern sind, ohne das Original zu verdrängen. Mit der gleichnamigen Bachkantate beginnt die Komposition. Bekannte Flötentöne und fremde Hägeom-Töne ermöglichen ein neues Zuhören. Besonders deutlich wird dies auch im Adventslied „Wachet auf, ruft uns die Stimme“. Das Zugehen auf Gott steht auch für die gesamte Kantate: Das rhythmische „europäische“ Schreiten und die wiegende „asiatische Fortbewegung“ verbinden sich zu einem choralen „Ich will dich preisen ewiglich“.

Das Konzert sollte mit den beiden vom Chor gesungenen Bach-Liedern enden, aber als Zugabe wünschte sich Lee, dass die Gemeinde sich noch einmal im Schlusschor einbringt: „Aber diesmal richtig!“ Ein großartiges Konzert: Groß, neu und reich an Kunst – in der Komposition, und in der Darbietung. Es bleibt zu wünschen, dass Lees Komposition noch weitere Aufführungen erfährt.