Stadthalle

Konkurrenz und Profit sollen nicht im Mittelpunkt stehen

Sigmaringen / Lesedauer: 2 min

Christian Felbers Vortrag über Gemeinwohlökonomie stößt auf großes Interesse
Veröffentlicht:26.02.2013, 19:00
Aktualisiert:25.10.2019, 02:00

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Der Autor und Publizist Christian Felber aus Österreich hat auf Einladung der Grünen im Kreis bei einem Vortrag in der Sigmaringer Stadthalle die Grundgedanken der Gemeinwohl-Ökonomie vorgestellt. Felber stellte fest, dass etwa neun von zehn Bürgern unzufrieden mit der aktuellen Wirtschaftsordnung sind. Dies sei verlässlich in Umfragen festzustellen. Felber fragte, was das Ziel des Wirtschaftens sei und zitierte hierzu Landesverfassungen. Hier findet sich überall die Aussage, dass die wirtschaftliche Tätigkeit dem Gemeinwohl dienen soll.

Die derzeitige Ökonomie stelle aber Konkurrenz und Gewinnstreben in den Vordergrund. Die weitverbreitete These, dass Wettbewerb die effizienteste Methode sei, ist laut Felber wissenschaftlich nicht belegt. Konkurrenz erzeuge Stress und Angst bei den Berufstätigen. Stattdessen lasse sich nachweisen, dass Kooperation effizienter ist. Aus diesen Überlegungen heraus schlägt er als neue Prinzipien Kooperation und Gemeinwohlstreben vor. Der wirtschaftliche Erfolg einer Volkswirtschaft und eines Unternehmens messe sich nicht mehr am Bruttoinlandsprodukt und Finanzgewinn. Diese Kennzahlen seien nur Mittel, aber nicht Ziel. In der Gemeinwohl-Bilanz werde ein Unternehmen über Indikatoren bewertet, wie es sich in den Bereichen Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und Demokratie verhalten habe. Nach einem Punktesystem fällt das Unternehmen in eine Kategorie. Über eine Gemeinwohl-Ampel auf dem Produkt könne der Verbraucher dann entscheiden, was er kauft.

Zum Schluss gab es noch ein Demokratieexperiment. Die Anwesenden sollten entscheiden, welche Verdienstobergrenzen es für Manager geben soll. Sie stimmten aber nicht für ihren favorisierten Vorschlag, sondern äußerten zu jedem der Vorschläge, ob und wenn ja wie stark sie ihn ablehnten. Am wenigsten Widerstand gab es für den Vorschlag, dass die Verdienstobergrenze beim Zehnfachen des Mindestlohnes von etwa 1300 Euro sein sollte.

Der nächste Termin der Grünen Vortragsreihe ist am 6. März mit Gerhard Schick (MdB) im Seepark Pfullendorf.