Baukosten

Kirchengemeinderat hebt strittigen Beschluss auf

Sigmaringen / Lesedauer: 3 min

Rätin geht auf die Kritiker zu – Erster Abschnitt der Sanierung der Kreuzkirche kostet 93500 Euro mehr
Veröffentlicht:30.01.2015, 20:17
Aktualisiert:24.10.2019, 06:00

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Der Kirchengemeinderat der evangelischen Gemeinde hat den rechtlich umstrittenen Beschluss vom Juli 2013 aufgehoben. In der Sitzung am Donnerstag stimmten alle Kirchengemeinderäte für die Aufhebung. „Wir haben damit den formalen Mangel beseitigt“, sagte die stellvertretende Vorsitzende Christel Lührs-Trugenberger. Die Aufhebung des Beschlusses bleibt jedoch ohne Folgen, denn die vom Oberkirchenrat angeordnete Zusammenlegung der beiden evangelischen Kirchengemeinden Sigmaringens ist bereits rechtskräftig (die SZ berichtete). In der Sitzung wurde außerdem über den aktuellen Stand der Renovierung der Kreuzkirche informiert: Das Budget für den ersten Bauabschnitt wurde um 93500 Euro überzogen, sodass jetzt kaum Geld für die noch geplanten Arbeiten zur Verfügung steht.

Aus diesem Grund speckt die Kirchengemeinde die Arbeiten ab: Der Umbau der Kellerräume zu einem Gemeindesaal wird ersatzlos gestrichen. Hierfür hätte eine Wand abgerissen und durch eine Trennwand ersetzt werden müssen. Ursprünglich waren dafür rund 80000 Euro veranschlagt worden. Der Einbau einer weiteren Fluchttüre wird nur angegangen, wenn das Geld reicht.

Deshalb vergab der Kirchengemeinderat in seiner Sitzung nur Maler-, Elektroarbeiten und den Einbau einer Fluchttüre zum Preis von rund 9000 Euro. Somit bleiben noch rund 8500 Euro als Puffer übrig. „Wenn wir so wirtschaften, schaffen wir mehr als eine Punktlandung“, sagte Codekan Albrecht Knoch.

Der Hauptgrund für die Überschreitung der geplanten Baukosten sind Feuchtigkeitsschäden an den Dachgauben. „Die waren nicht mehr zu retten“, sagte der Kostencontroller in der Sitzung. Die für die Sanierung des Kirchen- und Turmdachs sowie den Einbau von neuen Fenstern budgetierten 445000 Euro (netto) reichten aus diesem Grund nicht. Insgesamt stehen für die Sanierung der Kreuzkirche 806000 Euro (brutto) zur Verfügung. Dieses Budget will die Kirchengemeinde unbedingt einhalten.

Susanne Heckel will nicht öffentlich diskutieren

Bevor der Kirchengemeinderat über den Formfehler beriet, schloss er die Öffentlichkeit zur Beratung eines Antrags für einige Minuten aus. Kirchengemeinderätin Susanne Heckel wollte diesen Punkt nicht öffentlich beraten und entscheiden. Die Vorsitzende Lührs-Trugenberger hielt die Gegenrede und setzte sich mit ihren Argumenten durch.

Was passiere, wenn der Beschluss nicht aufgehoben werde, fragte Kirchengemeinderat Frank Richter. „Wird uns dann der Oberkirchenrat anweisen?“, wollte Richter wissen. Codekan Knoch bejahte diese Frage. Der Beschlussvorschlag Knochs wurde auf Vorschlag von Kirchengemeinderäten noch redaktionell geändert. Wörtlich lautet er: „Der Kirchengemeinderat hebt den Beschluss des Kirchengemeinderats vom 17. Juli 2013 aufgrund eines möglichen formalen Mangels auf.“

Wie berichtet, erhob der frühere stellvertretende Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Karl-Friedrich Leich, beim Oberkirchenrat Aufsichtsbeschwerde. Leich begründete seine Beschwerde unter anderem mit der Befangenheit von Kirchengemeinderätin Weishaupt, die sich an der Diskussion im Juli 2013 nicht hätte beteiligen dürfen. Dies wurde als Verstoß gegen die Kirchengemeindeordnung gewertet. Der Oberkirchenrat forderte die Gemeinde wegen des „nicht mehr auszuschließenden formellen Fehlers“ zur Aufhebung des Beschlusses auf.

„Uns ist wichtig, dass die Diskrepanzen ausgeräumt werden“, mit diesen Worten sandte die stellvertretende Vorsitzende Lührs-Trugenberger im Anschluss an die Abstimmung in Richtung der Kritiker ein Signal zur Versöhnung.