Staatsarchiv

Heimatforscher digitalisieren Dokumente

Sigmaringen / Lesedauer: 3 min

Historische Protokollbänder des Staatsarchivs sind nun im Internet einsehbar
Veröffentlicht:28.08.2018, 18:34
Aktualisiert:22.10.2019, 16:00

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Heimatforscher engagieren sich ehrenamtlich bei der Digitalisierung von historischen Protokollbändern im Staatsarchiv Sigmaringen. Das Stöbern und Recherchieren in jahrhundertealten Akten, das Entziffern verblasster Handschriften, das Aufspüren längst vergessener Siedlungen und ihrer Bewohner kann überaus spannend sein. Manch einer entwickelt daraus eine regelrechte Leidenschaft. Nicht nur Historiker, sondern auch Familienforscher und Heimatkundler wissen den unersetzlichen Wert geschichtlicher Unterlagen zu schätzen. „Das Studium der historischen Quellen ist oft mühsam und zeitaufwändig, trotzdem kommen unsere Nutzer nicht nur aus der Region, sondern manche reisen sogar aus Übersee an“, so Volker Trugenberger.

Im Staatsarchiv Sigmaringen werden Tausende alte Dokumente für die Nachwelt aufbewahrt. Aber nicht jeder, der die Archivalien gerne einsehen möchte, kann sich die mitunter lange Anfahrt in ein Archiv erlauben, sei es, weil ihm die Zeit oder die notwendigen finanziellen Mittel fehlen, sei es, weil er gesundheitlich beeinträchtigt ist. Nicht zuletzt aus diesen Gründen stellen immer mehr Archive digitale Abbilder ihrer Schätze ins Internet. Eine bundesweit führende Rolle nimmt dabei das Landesarchiv Baden-Württemberg ein.

Langfristige Strategie

Alle Abteilungen des Landesarchivs, darunter auch das Staatsarchiv Sigmaringen, verfolgen eine langfristig angelegte Strategie und haben insgesamt schon mehr als zehn Millionen digitalisierte Dokumente veröffentlicht. Doch das Scannen ist teuer und erfordert umsichtige Vorbereitungen. Längst nicht alle Wunschprojekte, die von außen an das Staatsarchiv herangetragen werden, lassen sich mittelfristig umsetzen. Dabei schont das Digitalisieren nicht nur den Geldbeutel der Forscher, sondern auch das Archivgut selbst, denn die Archivalien müssen nicht mehr für jede Nutzung aus den klimatisierten Magazinräumen in den Lesesaal und wieder zurück transportiert werden. Das Staatsarchiv Sigmaringen und die Forschergruppe Oberschwaben für Heimatkunde und Familienforschung haben deshalb aus der Not eine Tugend gemacht. Weil die Forschergruppe einen ihrer Arbeitsschwerpunkte auf die systematische Untersuchung der im Staatsarchiv Sigmaringen archivierten frühneuzeitlichen Amtsprotokolle der Klosterherrschaft Obermarchtal gelegt hat, haben die Heimatforscher dem Staatsarchiv vorgeschlagen, das Einscannen der historischen Bände im Ehrenamt zu übernehmen. „Das war ein Angebot, das wir nicht ablehnen konnten“, sagt Franz-Josef Ziwes , der im Staatsarchiv für Digitalisierungsprojekte zuständig ist, mit einem Augenzwinkern. Zwischen der Anregung des Projekts durch den Weingartner Daniel Oswald, den Vorsitzenden der Forschergruppe, und dem Start der Digitalisierung im Staatsarchiv lagen schließlich nicht einmal zwei Monate. Ein Ehrenamtlicher aus den Reihen der Forschergruppe war rasch gefunden. Reinhold Schmid aus Unlingen, der bereits über einschlägige Erfahrungen mit dem Einscannen von Unterlagen verfügt, stellte sich zur Verfügung.

Nach einer ausführlichen Einweisung in die Technik und in die konservatorischen Vorgaben waren die 22 voluminösen Amtsbücher bereits nach zehn Wochen in etwa 60 Ehrenamtsstunden auf fast 10 000 doppelseitige Seiten gescannt.

„Unmittelbar nach Abschluss des Projekts haben wir die Digitalisate (Endprodukt oder Ergebnis einer Digitalisierung, Anm. d. Red.) online gestellt. Davon profitieren jetzt nicht nur die Mitglieder der Forschergruppe Oberschwaben, sondern alle anderen Interessierten auch, und das rund um die Uhr, kostenlos und weltweit“, betont Ziwes. Alle Beteiligten können zufrieden sein. Mit den Protokollen aus dem 17., 18. und frühen 19. Jahrhundert stünden der Forschung jetzt wichtige serielle Quellen dauerhaft und barrierefrei zur Verfügung, die detaillierte Einblicke in die Lebenswelt unserer Region in der frühen Neuzeit ermöglichen.