Freibadsanierung

Sigmaringer Freibad: Gemeinderat trägt Mehrkosten mit

Sigmaringen / Lesedauer: 4 min

Sanierung kostet 8,05 Millionen Euro – Badesaison 2019 entfällt
Veröffentlicht:28.06.2018, 16:20
Aktualisiert:22.10.2019, 18:00

Von:
Artikel teilen:

Die Freibadsanierung ist beschlossene Sache. In seiner Sitzung am Mittwoch hat der Gemeinderat die aktuellen Pläne einstimmig gebilligt. Das Gremium trägt damit auch die Kostensteigerung in Höhe von rund 2,31 Millionen Euro mit. Um die Attraktivität des Bades zu erhöhen, wird es zusätzlich einen Fünf-Meter-Sprungturm geben. Damit steigen die Kosten auf 8,05 Millionen Euro.

Bürgermeister Thomas Schärer wollte verhindern, dass die Gemeinderäte die Freibadsanierung grundsätzlich in Frage stellten. Deshalb nannte er zu Beginn der Diskussion einige Argumente, die gegen die Vermischung von Hallen- und Freibad sprechen: Würden beide Projekte zeitgleich gebaut, lägen die Einsparungen lediglich bei 300 000 Euro. Der Zuschussbescheid des Bundes sei an das Freibad gebunden. „Aus statischen Gründen ist es nicht möglich, ein Dach über das Freibad zu stülpen“, sagte das Stadtoberhaupt.

„Geschockt“ von der Kostensteigerung

Einige Gemeinderäte kritisierten die Kostensteigerung dennoch deutlich. Klaus Kubenz von den Freien Wählern sagte, er sei geschockt gewesen, als er von den Zahlen gehört habe. Trotzdem plädierte er dafür, an den Plänen festzuhalten. „Wir sanieren das Bad für die kommenden Generationen und sollten uns dieser Verantwortung bewusst sein.“ Ulrike Tyrs (SPD) griff diesen Gedanken auf und untermauerte ihn mit noch deutlicheren Worten: „Wenn wieder über die Freibadsanierung gesprochen wird, sind die meisten von uns tot.“ Deshalb warne sie vor reflexhaften Sparmaßnahmen. Kritik am Planungsbüro, das vor einigen Jahren die Machbarkeitsstudie entwickelt hatte, übte Martin Bösch von den Grünen. Die Firma habe gewusst, dass das Freibad über zusätzliche Attraktionen aufgewertet werden solle. Trotzdem habe sie die Technik, also die Wasseraufbereitung, zu klein ausgelegt. Die Stuttgarter Architekten 4a, die das Freibad aktuell planen, legten nun eine korrigierte Planung vor.

Zum Einwand Böschs, dass sich die Stadt nach Kostensteigerungen bei der Stadthalle und dem Bootshaus generell kritisch hinterfragen müsse, sagte Stadtbaumeister Thomas Exler: Wenn der Gemeinderat von Anfang an volle Kostenkontrolle wolle, müsse er direkt in ein Vergabeverfahren einsteigen. Dies verursache jedoch erhebliche Honorarkosten für Architekten. „Wenn man das Projekt später eindampft, ist dieses Geld verloren.“

Mehrere Gemeinderäte plädierten dafür, an den Attraktionen, die das Freibad bekommen soll, festzuhalten. „Diese Neuerungen sind auf lange Sicht gesehen zwingend notwendig“, sagte Markus Lehmann von der CDU. Martin Huthmacher nannte die Planung „gelungen“ und die Mehrkosten „erklärbar“.

Die Gesamtkosten werden nun mit 8,05 Millionen Euro angegeben. Die Baukosten betragen 6,13 Millionen Euro. Der Puffer für weitere Kostensteigerungen liegt bei fünf Prozent. Kosten für Architekten und Ingenieure betragen rund 1,6 Millionen Euro. Abzüglich des Zuschusses müssen die Stadtwerke 5,5 Millionen Euro bezahlen.

Der Gemeinderat entschied sich außerdem, wie von den Stadtwerken vorgeschlagen, die Arbeiten im April 2019 zu beginnen. Damit entfällt die kommende Freibadsaison. Die Wiedereröffnung ist für Mai 2020 geplant.

Info:

Laut den gebilligten Plänen erhält das Freibad einen völlig neu gestalteten Kinderbereich, eine zusätzliche Rutsche, auf der nebeneinander gerutscht werden kann, und das Nicht-Schwimmer-Becken, das künftig vom Schwimmerbecken getrennt wird, wird durch Düsen, Sprudler, ein Deck und eine Wanne aufgewertet. Bislang nicht vorgesehen war ein Fünf-Meter-Turm. Auf Wunsch des Gemeinderats (23 Ja-, sieben Nein-Stimmen) wird das Sprungbecken tiefer betoniert. Kostenpunkt: 250 000 Euro. Das 50-Meter-Schwimmerbecken wird sich von der Form nicht verändern, allerdings wird es, wie die anderen Becken auch, komplett mit Edelstahl ausgekleidet.

Neben diesen Neuerungen wird das Freibadgebäude entkernt und neu gestaltet. Neue Duschen, Toiletten und Umkleideräume gibt es ebenso wie eine aufgewertete Gastronomie: „Die aktuelle Küche ist nicht mehr tragbar“, sagte Architekt Martin Reimer. Die Barriere zwischen Bad und Kiosk entfällt, weil die bestehenden Sitzstufen künftig nach oben bis zur Gastronomie durchgezogen werden. Unter dieser Terrassenanlage entsteht ein zusätzlicher Technikkeller. Auf eine neue Anordnung der Sanitäranlagen in der Mitte des Umkleidebereichs wird aus Kostengründen verzichtet. Einsparung: rund eine halbe Million Euro. Ebenso entfällt ein Wärmeraum, den Frühschwimmer hätten nutzen können. Sie bekommen stattdessen eine Umkleidebereich in der Nähe des Schwimmerbeckens. (fxh)