Unfall

Einsatz der Feuerwehr kostet 1100 Euro

Hitzkofen / Lesedauer: 4 min

Beim Bahnunfall in Hitzkofen waren rund 50 Rettungskräfte – Zu viele, sagen Kritiker
Veröffentlicht:28.02.2013, 19:15
Aktualisiert:25.10.2019, 02:00

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Kurz nachdem die SZ über den Unfall ist Hitzkofen berichtet hatte, bei dem ein Zug einen Schlepper vom Bahndamm gestoßen hat, ging im Internet-Forum der SZ eine Diskussion über die Größe des Aufgebots an Rettungskräften los. Die einen sind der Ansicht, das sei doch völlig unrealistisch und unnötig gewesen, so viele Rettungskräfte nach Hitzkofen zu schicken. Es sei doch so gut wie nichts passiert. Die anderen sagen, lieber 30 Leute zu viel als einen zu wenig.

Zur Erinnerung: Die Binger Feuerwehr war mit 30 Mann und vier Fahrzeugen ausgerückt, die Sigmaringer Feuerwehr hatte neun Mann und drei Fahrzeuge im Einsatz. DRK und Malteser Hilfsdienst waren zusammen mit vier Fahrzeugen, sechs Rettungsdienstmitarbeiter und einem Notarzt anwesend. Außerdem waren fünf Notfallseelsorger vor Ort. Dazu kommen zwei Polizeifahrzeuge mit vier Beamten, die den Unfall aufnahmen. Solch ein Aufgebot müsse doch eine Menge Kosten nach sich ziehen, mutmaßen die Forums-Teilnehmer.

Die SZ hat nachgefragt. Die Gemeinde Bingen berechnet pro Feuerwehrmann und Einsatzstunde neun Euro. Zwei Stunden waren die Binger Feuerehrmänner im Einsatz. Das wären dann 540 Euro. Ein Fahrzeug kostet laut Bürgermeister Jochen Fetzer 70 Euro pro Stunde. Für die vier Fahrzeuge sind also 560 Euro aufzubringen. Dazu kommen dann auch noch die Kosten für die Sigmaringer Wehr. Sie war mit neun Leuten und drei Fahrzeugen in Hitzkofen. Zusammen macht das 870 Euro; sie haben einen höheren Satz. „Malteser und DRK rechnen nur Fahrten mit transportierten Patienten ab, und das mit der Krankenkasse“, sagt Markus Weigel, der Leiter der Rettungswache der Malteser in Sigmaringen. Hitzkofen sei als sogenannte Fehlfahrt einzustufen, und dafür werde nichts in Rechnung gestellt. Die Malteser verzeichnen etwa fünf Prozent an Fehlfahrten pro Jahr.

Die nächste Frage, die sich auftut: Wäre es nicht möglich gewesen, weniger Einsatzkräfte rauszuschicken. „Wohl kaum“, sagt Bürgermeister Jochen Fetzer, der als Gemeindeoberhaupt die Meldung vom Unfall in Hitzkofen ebenfalls auf sein Handy bekommen hatte. Er weiß, dass Rettungskräfte mit bestimmten Stichworten arbeiten. Wenn beispielsweise in der Meldung von einem Eingeklemmten die rede ist, wie das in der Hitzkofen Meldung zunächst der Fall war, heißt das, es sind zwei Spreitzer nötig, um die Person zu befreien. Dafür muss bei einem Unfall in Bingen die Sigmaringer Feuerwehr hinzu gerufen werden. Oder: Beim Stichwort „Bahnunfall“ werden automatisch mehrere Notfallseelsorger alarmiert.

Alles muss schnell gehen

„Die Meldung auf dem Handy hat sich für mich jedenfalls brutal schlimm angehört“, so Fetzer. Hinterher sei man immer klüger. Aber in einer Notsituation müsse ja alles ganz schnell gehen, da sei keine Zeit, um das eine oder andere zu hinterfragen, sagt der Bürgermeister und stellt sich damit auf die Seite derer, die solche Großeinsätze befürworten. Es hänge auch immer von der Person ab, die die Notrufnummer 112 wählt. Wie genau hat er beobachtet? Wie gut kann er die Situation einschätzen? Die Alarmierung kam vom Lokführer, der einen leichten Schock erlitten hatte.

Eine wichtige Frage ist auch, an wem bleiben die Kosten hängen. Es geht ja nicht nur um den Einsatz, sondern auch um den Sachschaden an der Lok (2000 Euro) und am Schlepper (3000 Euro). Laut Pressesprecher der Polizei Edwin Dobler werde der Hitzkofer Landwirt mit einer Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft rechnen müssen. So sei die Gesetzeslage, bedauert Dobler, denn er weiß, dass der Landwirt nur helfen wollte. Aber der habe schließlich den Unfall verursacht, weil er seinen Schlepper auf dem Gleis abgestellt habe - auch wenn die Absicht eine ehrenwerte gewesen sei. „Das wird als gefährlicher Eingriff in den Bahnverkehr eingestuft.“ Doch für den Landwirten besteht noch Hoffnung: Die Staatsanwaltschaft hat die Möglichkeit, das Verfahren auch wieder einzustellen. Das Weitere wird er mit seiner Versicherung klären müssen.