Jahresrückblick

Ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang

Sigmaringen / Lesedauer: 3 min

Improtheater gibt im Alten Schlachthof einen etwas anderen Jahresrückblick – Publikum beteiligt sich mit Geschichten
Veröffentlicht:29.12.2019, 18:44
Aktualisiert:29.12.2019, 18:45

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Einen Jahresrückblick der besonderen Art haben die Zuschauer am Samstagabend im Alten Schlachthof erlebt. Im Mittelpunkt standen herausragende Erlebnisse einzelner Zuschauer. Aus diesen auf Zettel geschriebenen Besonderheiten machte die mittlerweile weit über die Grenzen Sigmaringens hinaus bekannte Theatergruppe Spieltrieb ein abendfüllendes Unterhaltungsprogramm.

Wenn sich jemand mit Improvisation auskennt, dann Günther Letsch und Andi Musen, die dieses außergewöhnliche Theaterensemble vor über zehn Jahren gegründet haben. Improvisieren ist ihr Fachgebiet, keine Frage, das haben die beiden mit ihren Mitstreitern Evi Frick, Christos Jakumis und Hanna Stauß bewiesen. Ohne Konzept und völlig ahnungslos, so stürzten sich die Schauspieler auch bei diesem Jahresrückblick in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Denn keiner konnte wissen, was der einzelne Zuschauer erlebt hat. Dabei durfte es auch keine Rolle spielen, ob die Erlebnisse tatsächlich stattgefunden haben oder frei erfunden worden sind. Letzteres dürfte wohl das selbstfahrende Auto gewesen sein, das ein Gast auf dem Zettel als seine neue Errungenschaft bezeichnete. Jedenfalls machten die Impro-Akteure aus den Jahreshighlights der Zuschauer, sei es ein gebrochener Zeh, eine Radtour an der Elbe, einen Unfall mit dem heiß geliebten alten Fiesta, oder den als Schmach eines Bayern-Fans empfundene sechste Tabellenplatz des FC-Bayern umwerfendes Stegreif-Theater, das eins ums andere Mal die Zuschauer zum Lachen brachte.

Flinker Rollenwechsel

Insbesondere Evi Frick, die ad hoc Rollen, Szenarien und Charaktere wechseln kann und ihr Kollege Christos Jakumis, lebende Comicfigur mit hinreißenden mimischen Fähigkeiten, beherrschten überragend manche Szene. Wie manches Stichwort der Zuschauer unterschiedlich interpretiert werden kann, zeigten alle fünf Akteure, als es darum ging, Geburtstag zu feiern, während der alte Vater im Krankenhaus liegt. Die erste Variante zogen die Mimen in die Länge, ob mit Absicht oder weil sich einfach nicht die Kurve zu einem pointierten Ende finden ließ, sei dahingestellt. „Das geht auch kürzer“, befand Günther Letsch und wie aufs Stichwort wickelte das Quintett die Story noch einmal ab, diesmal innerhalb zwei Minuten und mit einem ganz anderen Ende. Rauschender Beifall des verblüfften Publikums im vollen Schlachthof war den Stegreifakrobaten sicher.

„Es gehört eine hohe Konzentration dazu“, sagte Elke Gehrling, Mitglied des achtköpfigen Ensembles, im Gespräch. Da es schlicht an Zeit fehle, sich in neue Szenarien hineinzufinden, brauche es eine gute Mischung aus Konzentration, Fantasie und Spontanität. Was alles aus einer Situation oder auch nur einfachen Gegenständen gemacht werden kann, zeigten die Theaterleute zu Beginn . Vier auf die Bühne geworfene Gegenstände – einen Schal, eine Mütze, ein Brillenetui und einen Haargummi – verwandelten die Schauspieler auf der Stelle in einen Ring, ein Handy, eine Fahne, in ein Matadorentuch oder eine Papsthaube – immer mit einer entsprechend dargestellten Geschichte dazu.