Steuererklärung

Wieso die Digitalisierung bei der Steuererklärung zunehmend zum Problem wird

Sigmaringen / Lesedauer: 4 min

Jonas Rossmanith spricht als Vorstandsmitglied der Steuerberatungskammer Stuttgart über die Krux mit der Grundsteuer
Veröffentlicht:31.07.2022, 08:00

Von:
Artikel teilen:

Die Steuer ist für viele Menschen ein leidiges Thema. Prof. Dr. Jonas Rossmanith hat dazu eine andere Einstellung: Der Sigmaringer Professor an der Fakultät für Business Science and Management ist auch langjähriger Steuerberater, Sigmaringer Bezirksbeauftragter der Steuerberater und erst kürzlich in den Vorstand der Steuerberaterkammer Stuttgart gewählt worden. Mit Steuern kennt der 56-Jährige sich also aus. Im Interview mit SZ-Redakteurin Mareike Keiper spricht er über die neue Funktion, die er künftig übernimmt, und kommende Herausforderungen für Steuerzahler.

Herr Rossmanith, was macht die Steuerberaterkammer?

Die Kammer vertritt deren Interessen und hat die Aufsicht über Aus- und Fortbildungen. Mitglied ist jeder Steuerberater. Man kann es vergleichen wie eine Industrie- und Handelskammer für Steuerberater. Ein Versorgungswerk gehört zum Beispiel auch dazu.

Wie sehen die Aufgaben des Vorstands aus?

Der Kammervorstand leitet die Geschicke der Kammer. Außerdem werden aktuelle Themen behandelt und beraten. Wenn Gesetzesänderungen anstehen, wirken wir auf Landesebene auf das Finanzministerium ein und gehen mit oder halten dagegen, wenn etwas nicht praktikabel ist.

Welche Themen sind das zum Beispiel?

Ein wichtiges Beispiel ist die Grundsteuerreform. Die ist eigentlich Ländersache. Es gibt verschiedene Modelle der Grundsteuer und wir haben Einfluss genommen, welches Modell genommen werden kann. Da haben wir uns auch mit dem Finanzministerium ausgetauscht. In Baden-Württemberg ist das Modell nun einfacher als auf das vom Bund vorgeschlagene Bundesmodell.

Steuerberaterkammer

Jonas Rossmanith in Vorstand der Steuerberaterkammer gewählt

qAlbstadt

Ein anderes Thema ist die Umsatzsteuer im Internethandel. Es gibt immer mehr Menschen, die im Internet tätig sind. Die Herausforderung ist, das nachzuvollziehen und auch nachzuvollziehen, wo sie welchen Satz an Umsatzsteuer zahlen müssen. Wer umsatzsteuerliche Geschäfte im Inland tätigt, hat es relativ einfach, aber wenn das über einen Server im Ausland läuft, wird es schwieriger. Da haben wir auch das Problem, wenn das Land nicht der EU angehört, sondern ein Drittland ist. Es stellt sich dann immer die Frage, wie die Geschäfte umsatzsteuerlich zu behandeln sind.

Welche wichtigen Veränderungen im Steuerrecht haben Sie in den vergangenen Jahren wahrgenommen?

Die Digitalisierung hat stark zugenommen. Vieles geht sogar nur noch digital über das Elster-Portal oder Software. In dem Kontext ist auch die Grundsteuerreform ein Problem, weil die neue Erklärung bis Oktober abgegeben sein muss. Das hat nicht nur zwischenzeitlich das Elster-Portal überlastet, etlichen Menschen ist auch gar nicht klar, wie sie das übermitteln sollen. Das wird vorausgesetzt. Schließlich landen sie dann beim Steuerberater.

Sie sagten, Sie kümmern sich auch um Aus- und Fortbildungen. Gibt es noch genügend Nachwuchs unter den Steuerberatern?

Diejenigen, die die Prüfung im vergangenen Oktober gemacht haben, gingen überwiegend in die Industrie. Wenige übernehmen danach noch eine Kanzlei. Steuerberater gehen also in Ruhestand und müssen ihre Kanzlei verkaufen, weil sie keinen Nachfolger finden.

Eines meiner Ziele ist es aber für meine Amtszeit im Vorstand, wieder mehr junge Menschen für die Ausbildung zu begeistern, denn viele haben heute auch ein falsches Bild von der Branche.

Das heißt?

Man denkt an Klischees, an Buchführung, eine verstaubte Branche, nichts Lebendiges. Aber so ist es nicht. Die Branche ist sehr lebendig und vielfältig, es gibt so viele Steuerarten und auch Unterschiede über die Landesgrenzen hinweg. Außerdem gibt es etliche Themenfelder, zum Beispiel gerade die Rückzahlung der Coronahilfen.

Welche Aufgaben übernehmen dabei Steuerberater?

Die Frage war ja, wer Hilfen bekommt. Dann gab es auch noch mehrere Hilfegesetze. Wenn jemand zum Beispiel erst mit einem Geschäft oder Lokal begonnen hat, konnte er sich nicht, wie gedacht, an den Vorjahresumsätzen orientieren, dann kommen wieder andere Dinge zum tragen. Das sind alles Dinge, die Inhaber neben dem Tagesgeschäft erledigt werden müssen. Deshalb ist die Frist zur Abgabe der Steuererkärung nach hinten gerückt. Auch da hat der Kammervorstand eingewirkt. Steuerberater wiederum helfen denjenigen, die mit Schließungen während der Pandemie zu tun hatten.