Rosenkranz

Datenbank macht rund 400 Rosenkränze aus dem Klosters sichtbar

Sießen / Lesedauer: 3 min

Kunstgeschichtliche Expertinnen stellen die Sammlung vor, präsentieren die Datenbank und legen die Hintergründe dar
Veröffentlicht:30.09.2019, 12:22
Aktualisiert:30.09.2019, 15:39

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Rund 400 Rosenkränze aus vier Jahrhunderten aus der Sammlung des Klosters Sießen sind nun öffentlich über eine Datenbank zugänglich. Am Sonntag wurde die Aufarbeitung, die Sammlung und der Zugang über die Datenbank erstmals dem Kreis der Förderer vorgestellt.

„Wir Sießener Franziskanerinnen dürfen einen im Verlauf von Hunderten von Jahren entstandenen Schatz beherbergen, der bisher nur in kleinen Auszügen den Schwestern zugänglich war, sonst aber noch nie gehoben wurde: Eine Sammlung von mehr als 1600 Rosenkränzen aus vier Jahrhunderten“, sagte die Generaloberin der Sießener Franziskanerinnen, Schwester Anna Franziska Kindermann, bei ihrer Begrüßung und Einführung. Ein Teil davon ist nun für die Öffentlichkeit in einer Datenbank eingepflegt. Die Schwestern hatten am vergangenen Sonntagnachmittag ins Kloster eingeladen, um die jahrelange Arbeit ihrer Mitschwester und kunstgeschichtliche Expertin, Schwester Witgard Erler , zu präsentieren und die neue Rosenkranz-Datenbank den Förderern dieses Projektes vorzustellen. Die passende festliche Einführung war das „Ave Maria“ von Anton Bruckner, das von der Mezzosopranistin Sr. M. Antonie Wellmann und Organist Leopold Neder-Schneider feinfühlig interpretiert wurde, sowie die Erschließung des Hochaltarbildes „Die Rosenkranzspende“ durch Schwester Witgard Erler.

Im Barocksaal stellten dann die beiden Schweizer Kunsthistorikerinnen Petra Barton Sigrist und Denise Frey das Projekt und die Hintergründe der Entstehung vor. Der Rosenkranz ist eine Gebetsschnur, wie sie in vielen Religionen vorkommt. Im Rhythmus der Gebetsworte, welche die Glaubensgeheimnisse betrachten, lassen die Betenden die Perlen des Rosenkranzes durch die Finger gleiten und gelangen mit dieser sich wiederholenden Handlung zu einer meditativen Einkehr mit Gott. Diese im klösterlichen Kontext entwickelte, heute noch gebräuchliche Form der privaten Andacht hat ihren Ursprung im 15. Jahrhundert. Die Sießener Rosenkranz-Sammlung und das Kloster Sießen haben eine gemeinsame Geschichte.

Die Sammlung gehört nicht nur in historischer Hinsicht zum Kloster. Die Objekte sind auch Bestandteil der Gebetskultur der Gemeinschaften, die in Sießen lebten und leben. Sie ist über Jahrzehnte gewachsen und umfasst derzeit mehr als 1600 Objekte.

Groß und vielfältig

Die Sammlung zeichnet sich durch ihre Größe, das hohe Alter einiger Rosenkränze, den materiellen Wert und ihre Vielfalt aus. Die Ordensrosenkränze aus der Zeit der Dominikanerinnen in Sießen erzählen von den Anfängen des Klosters, die unterschiedlichen Rosenkranzformen wie zum Beispiel die Jerusalemer Gebetsschnur, der Arma-Christi-Rosenkranz, der Leiden-Christi-Rosenkranz, der Sieben-Freuden-/Sieben-Schmerzen-Rosenkranz oder der Fünf-Wunden-Rosenkranz weisen auf die verschiedenen Gebetsformen hin. Als wichtiges historisches Kulturgut soll die Sießener Sammlung für kommende Generationen bewahrt und der Öffentlichkeit außerhalb der klösterlichen Mauern zugänglich gemacht werden.

Aus diesem Grund wurde in einem mehrjährigen Projekt rund ein Viertel des Bestands von den beiden Kunsthistorikerinnen in enger Zusammenarbeit mit Schwester M. Witgard Erler wissenschaftlich aufgearbeitet, von einem professionellen Fotografenteam fotografiert und in eine Online-Datenbank eingelesen.

Mit der getroffenen Auswahl soll die Bandbreite der kulturhistorisch relevanten Sammlung hinsichtlich Form, Material, thematischer Vielfalt und Provenienz präsentiert werden: Nicht nur die Preziosen, die aus früheren Zeiten datieren und durch ihre wertvolle Verarbeitung und hochwertigen Materialien bestechen, erhalten eine Bühne, auch die alltäglichen, aus den Händen einfacher Menschen stammenden Rosenkränze finden Beachtung.

Viele Unterstützer

Das Inventar, das auf einem bereits bestehenden, seit vielen Jahren von Schwester M. Witgard Erler geführten Inventar basiert, ist als Grundlage für weitere Forschungen zu verstehen. Die Aufarbeitung und Inventarisierung der Sammlung wurde von zahlreichen Experten begleitet und durch Institutionen wie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Firmen und Privatpersonen finanziell unterstützt worden.