Riedhausen

Von einer Gräfin, die sich im Ried verirrt

Riedhausen / Lesedauer: 4 min

Lothar Zier schreibt für Gemeinde Riedhausen ein Heimatbuch
Veröffentlicht:01.10.2019, 06:00
Aktualisiert:01.10.2019, 06:01

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Lothar Zier hat für die Gemeinde Riedhausen ein Heimatbuch geschrieben. „Ein Blick zurück, soweit bekannt, auf Mensch und Moor im Oberland“ heißt das Werk, das er und Bürgermeister Ekkehard Stettner den zahlreichen Zuhörern am Sonntagnachmittag in der Grundschul-Turnhalle vorstellten.

Kaum einer kennt das Pfrunger-Burgweiler Ried so gut wie der 90-jährige Lothar Zier. Von mancher Anekdote und Begebenheit kann er berichten – beispielsweise von Sonja Gräfin Bernadotte, die sich 1995 mit Freunden im Ried verlaufen habe. „95 ist’s geschehen, im Pfrunger Ried früh um halb zehn“, trug Zier in Reimform vor. Ohne auf den Wanderführer Zier zu warten, war die Gruppe schon vor der vereinbarten Uhrzeit aufgebrochen. Der Gruppe sei schnell klar geworden, dass dieser Entschluss ein Fehler war: „Denn ohne den bestellten Guide, waren sie dort nah der Ewigkeit. Der Gang durchs Moor sei nicht bequem, die Orientierung ein Problem. Darum der Rat: Verlass‘ nicht den markierten Pfad.“ Da die Gruppe ein Handy – damals etwas Neues – hatte, konnte Zier telefonisch die Gruppe wieder sicher aus der Moorlandschaft lotsen. „Erschöpft doch glücklich kamen an, die Gräfin und ihr Mainau-Clan“, reimte Zier.

Auch von einem angeblich im Ried verschwundenen Mädchen konnte Zier berichten. Angeblich habe dieses Liebeskummer gehabt, 80 Mann der Polizei durchkämmten das Ried. Es habe sich aber herausgestellt, dass das Mädchen in Wahrheit die Nacht nicht im nebelfeuchten Ried verbrachte, „sondern in der warmen Stube bei ihrem Buben in Pfullendorf“, wie Zier unter dem Lachen des Publikums bekanntgab. Groß seien die Freude und auch die Kosten für die Eltern gewesen nach dem Wiedersehen, wie Zier doppeldeutig formulierte – die Kosten des letztlich unnötigen Rettungseinsatzes mussten demnach die Eltern des Mädchen begleichen. Zier reimte dazu: „Die Freude war groß, die Kosten nicht minder – denn Eltern haften für ihre Kinder.“

Im Januar habe Lothar Zier bei ihm im Rathaus angerufen, berichtete Bürgermeister Ekkehard Stettner über die Entstehung des Buches. Zier bot demnach an, unentgeltlich für die Gemeinde ein Heimatbuch zu schreiben – denn er wolle sein Wissen um die Gemeinde Riedhausen nicht mit ins Grab nehmen, zitierte Stettner den Publizisten, der schon einige andere Bücher veröffentlicht hat. „Dieses tolle Angebot hat der Gemeinderat einstimmig angenommen und von einem Glücksfall für unsere Gemeinde gesprochen“, sagte Stettner.

Stettner zeichnete den Lebensweg von Zier nach: 1929 im bayerischen Unterfranken geboren, erlernte er den Beruf des Försters. 1967 kam Zier nach Königseggwald und war dort bis 1992 als Förster für das Haus Königsegg-Aulendorf in der Forstverwaltung tätig. „Neben der Arbeit galt seine ganze Leidenschaft dem Pfrunger-Burgweiler Ried“, berichtete Stettner. 1974 sei Zier vom Regierungspräsidium Tübingen zum Sonderbeauftragten für diese Moorlandschaft bestellt worden. Nun folgte die Arbeit am Heimatbuch. Tag und Nacht habe Zier am PC sitzend am Buch gearbeitet. „Er recherchierte, studierte, fotografierte, dichtete und formulierte unermüdlich.“

Verlagsmitarbeiter staunen

Als das Manuskript dem Verlag vorgelegt worden sei, hätten die Verlagsmitarbeiter gestaunt, dass nur eine Person dieses umfangreiche Buch verfasst habe. In aller Regel brauche man für so ein Buch eigentlich einen Historiker, Biologen, Geologen, Fotografen und Grafiker. Stettner bezeichnete Zier als einen „exzellenten Lyriker“, dessen Heimatbuch als „ein schriftstellerischer Juwel“.

In dem Buch erfährt man Hintergründe zur Entstehung des Rieds und die politische Geschichte, die Riedhauser Vereine werden porträtiert, ebenso Riedhauser Persönlichkeiten, alles gewürzt mit den humorvollen Betrachtungen von Zier. Eine Panne gab es im Vorfeld der Buchvorstellung. Die Gemeinde Riedhausen als Herausgeber hatte laut Stettner 600 Bücher bestellt, zur Vorstellung waren nur 50 geliefert worden. Interessenten konnten sich aber in eine Liste eintragen oder man kann bei derVerwaltung eins bestellen.

Musikalisch unterhielten Dagmar Boscher und ihre Tochter Carmina sowie Ekkehard Stettners Tochter Lea-Lisanne Winkler die Besucher. Für eine eindrucksvolle Einlage sorgte Reinhold Gasser, der den Räuberhauptmann Schwarzer Vere gab und ein entsprechendes Gedicht von Zier rezitierte.