Reitverein

Reitverein bekommt Auszeichnung für Mitgliederzuwachs

Pfullendorf / Lesedauer: 4 min

Neue Strukturen tragen Früchte – Reit- und Fahrverein verdoppelt seine Mitgliederzahl
Veröffentlicht:29.04.2016, 09:56
Aktualisiert:23.10.2019, 16:00

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Klassische Reit- und Fahrvereine, wie es sie in Pfullendorf und Aach-Linz gibt, werden bundesweit immer weniger. Den Grund dafür sieht Martin Reuther, Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins Pfullendorf, nicht etwa in einem vermeintlich rückläufigen Interesse am Pferdesport, sondern in der Privatisierung vieler Ställe und Reitschulen. „Die Vereine sterben aus“, sagt Reuther. Sein Verein hat sich mit Erfolg gegen diesen Trend gestemmt: Bei einem landesweiten Wettbewerb des Pferdesportverbands Baden-Württemberg um den größten Mitgliederzuwachs landeten die Pfullendorfer auf Platz drei.

Bis 2013 hatte Rudolf Barthel den Vorsitz des Reit- und Fahrvereins inne. Als er nach 25 Jahren im Vorstand nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung stand, folgten zunächst einige Turbulenzen um den Fortbestand des Vereins – bis Martin Reuther sich bereit erklärte, die Führung zu übernehmen. „So einen Verein kann man nicht sterben lassen“, sagte sich Reuther, der selbst nicht reitet, damals. Einen Mitstreiter fand er in Bruno Perlak , der sich für das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden zur Verfügung stellte. Den beiden gelang es vor allem, die Mitglieder, denen bei der dramatischen Hauptversammlung wohl bewusst geworden war, wie knapp der Verein vor dem Aus stand, zu motivieren und wieder für den Verein zu begeistern.

Knapp 200 Mitglieder zählte der Verein damals. Heute sind es etwa 400. Dieses Ergebnis erfüllt Martin Reuther mit Stolz. „Die anderen haben mitgezogen, das war wichtig“, sagt er. Dank des Engagements, das Reuther und Perlak vorlebten, gelang es, das sechs Hektar große Gelände in Brunnhausen mit Reitplatz, Stallungen, Reithalle und Gaststätte, das der Verein von der Stadt gepachtet hat, wieder auf Vordermann zu bringen. Die Gebäude wurden grundlegend renoviert, Dach, Fenster und Elektrik erneuert. Der Reitplatz wurde verbessert, ein neuer Longierzirkel gebaut und der Dressurplatz mit Flutlicht ausgestattet.

Es entstand ein neuer Kinderspielplatz und in die Gaststätte und die Terrasse wurde ebenfalls kräftig investiert. Auf etwa 500000 Euro beziffert Martin Reuther den Geldwert der Baumaßnahmen – eine Summe, die nur finanziert werden konnte, weil großzügige Sponsoren gefunden wurden und die Mitglieder selbst kräftig mit anpackten. „Inzwischen schaut jeder darauf, dass es hier schön ist. Jeder hilft mit“, sagt Martin Reuther. „In der Vergangenheit haben viele vom Verein profitiert. Heute ist es wieder anders: Der Verein profitiert von den Mitgliedern.“

Verein betreut Stall wieder selbst

Gleichzeitig haben Martin Reuther und Bruno Perlak organisatorische Veränderungen vorgenommen. Der Stall mit 20 Einstellplätzen, der lange Jahre verpachtet war, wird wieder vom Verein betreut. Neben den sechs vereinseigenen Pferden sind dort private Pferde ebenso untergestellt wie die Tiere von Mitgliedern, die nicht nur die schönen Ausreitmöglichkeiten in Brunnhausen schätzen, sondern auch ein Interesse am Verein haben und sich einbringen.

„Wir haben jetzt wieder eine tolle Stallgemeinschaft“, sagt Martin Reuther, der außerdem Cornelia Keuling mit ins Boot geholt hat. Die ausgebildete Reittherapeutin leitet nicht nur die Reitschule, sondern bietet auch Bambini-Reiten für die Allerkleinsten und Reittherapie für Kinder und Jugendliche mit Einschränkungen oder besonderem Förderbedarf an. Außerdem wurden Kooperationen mit Schulen und Kindergärten initiiert, die Früchte tragen. „Wir haben die Jugendarbeit stark gefördert“, sagt Martin Reuther und verweist auf rund 100 Kinder und Jugendliche, die seither neu in den Verein kamen. Deutlich gestiegen ist aber auch die Zahl der älteren Mitglieder, denen die Infrastruktur mit dem gepflegten Reitgelände, die zahlreichen Wettbewerbe, die der Verein inzwischen ausrichtet, und das gute Miteinander wichtig sind.

Reitsport nicht nur für die Elite

Als weitere zukunftsweisende Neuerung hat der Vereinsvorsitzende ein Konzept eingeführt, das es jedem ermöglicht, am Reitbetrieb teilzunehmen. „Früher war Reitsport sehr elitär, da konnten sich nur Vermögende das Reiten leisten“, sagt Martin Reuther. „Wir ermöglichen es beispielsweise mit unseren Reitkarten, dass jeder reiten kann und der Reitunterricht für die Eltern bezahlbar ist.“

Obwohl es sich mit 400 Mitgliedern schon um eine stattliche Zahl für einen Reitverein im ländlichen Bereich handelt, freut sich Martin Reuther über jeden weiteren Pferdefreund, der hinzukommt. „Neue Mitglieder sind eine Bereicherung – auch für die Vielfalt im Verein“, sagt dessen Vorsitzender.

Anlässlich der Vereinsmeisterschaften am Sonntag, 1. Mai, lädt der Reit- und Fahrverein Pfullendorf zu einem Tag der offenen Tür ein. Beginn ist um 9 Uhr mit einem Weißwurstfrühstück, anschließend werden im Reiterstüble ein Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen angeboten. Dazu gibt es den ganzen Tag über Reitsport zum Zuschauen und ein Ponyreiten für Kinder.