Liebeskummer

Militärseelsorger hilft auch bei Trauer, Stress und Liebeskummer

Pfullendorf / Lesedauer: 4 min

Pfarrer Hans Wirkner berichtet vom Start bei der Bundeswehr
Veröffentlicht:31.10.2018, 15:43
Aktualisiert:22.10.2019, 15:00

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Ob in der Kapelle, auf dem Truppenübungsplatz oder im Auslandseinsatz: „Auch wenn sie mich nicht immer sehen: Ich bin dort, wo die Soldaten sind“, sagt Hans Wirkner. Seit zwei Monaten ist er nicht mehr Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde in Pfullendorf , sondern als Militärpfarrer für die Bundeswehr-Standorte Pfullendorf und Stetten am kalten Markt zuständig. Sein erster Eindruck: rundum positiv.

Die Chance, beruflich noch einmal einen anderen Weg einzuschlagen, hatte sich für Hans Wirkner im Herbst vergangenen Jahres ergeben – als Pascal Kober , sein Vorgänger als Militärpfarrer, für die FDP in den Deutschen Bundestag einzog. Er habe nicht aktiv nach einer neuen Aufgabe gesucht, sagt Wirkner. Doch als sich die Möglichkeit ergab, schickte er dennoch eine Bewerbung ab – und hatte Erfolg.

Weil er der Verschwiegenheitspflicht unterliegt, darf der Militärpfarrer nicht aus seinen Gesprächen mit den Soldaten berichten. „Ganz grundsätzlich bin ich Seelsorger für alle Fälle“, sagt Hans Wirkner. „Nicht nur dann, wenn es um dienstliche Angelegenheiten geht.“ Und so steht er den Soldaten auch bei Trauer, Stress und Liebeskummer als Ansprechpartner zur Verfügung. Gerade Themen wie das Sterben oder das Abschiednehmen spielten bei der Bundeswehr aber natürlich eine große Rolle, sagt Wirkner.

An seiner Dienststelle in Stetten am kalten Markt vertritt er die Kirche allerdings keineswegs allein. Während Hans Wirkner die evangelische Kirche repräsentiert, gibt es mit Pater Stefan auch einen katholischen Militärseelsorger. Unterstützung bekommen die beiden von jeweils einer hauptamtlichen Pfarrhelferin: Karin König (evangelisch) und Rita Wegesser (katholisch). „Die beiden Frauen sind tolle Mitarbeiterinnen“, sagt Wirkner. „Sie zeigen Präsenz in der Dienststelle und sind immer ansprechbar.“

Anders als bisher gibt es für den Pfarrer inzwischen einigermaßen geregelte Arbeitszeiten. „Wenn ich gegen 6.30 Uhr in die Kaserne komme, hat der Arbeitsalltag dort bereits begonnen“, sagt Hans Wirkner. Ein erstes Signal werde schon durch das Einschalten des Lichts in der Kapelle gesetzt, die bis in die 60er-Jahre hinein als Postamt gedient hatte. „Das Licht soll den Soldaten zeigen: Sie können immer dorthin kommen, wenn sie eine Auszeit brauchen.“

Solange eine solche Auszeit mit dem Dienst vereinbar ist, können die Soldaten jederzeit das Gespräch mit dem Pfarrer suchen. „Vor allem jeder, der schon einmal im Einsatz war, weiß die Seelsorge zu schätzen“, sagt Hans Wirkner. „Meine Rechte und Pflichten sind dabei die gleichen wie bisher.“ Wirkner ist weiterhin Pfarrer, nicht Soldat. Deshalb trägt er auch keine Uniform. „Das organisatorische Konstrukt ist in Deutschland komplex, aber sinnvoll“, sagt Hans Wirkner. In den USA beispielsweise sei der Militärgeistliche Teil der Streitkräfte – mit einem entsprechenden Dienstgrad. Damit könne er seine Rolle vielleicht nicht immer neutral ausüben.

Als Militärpfarrer begegnet Hans Wirkner den Soldaten nicht nur in Einzelgesprächen. So gibt es reguläre Gottesdienste und je nach Anlass kommen weitere hinzu – bei Bedarf auch auf dem Truppenübungsplatz. Wirkner übernimmt weiterhin Beerdigungen, Hochzeiten und Taufen. Jeder Soldat hat Anspruch auf Ethik-Unterricht, es gibt christliche Angebote („Rüstzeiten“) auch für ihre Familien. Die meiste Zeit seiner Arbeitswoche verbringt Hans Wirkner an seinem Dienstsitz in Stetten, an mindestens einem Tag pro Woche ist er aber auch in der Staufer-Kaserne in Pfullendorf präsent. Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde ist inzwischen Daniel Burk, der dort die zweite Hälfte seines Probedienstes absolviert. Ob er bleibt, entscheidet sich vermutlich im Frühjahr.

Mit seinem Start als Militärpfarrer sei er absolut zufrieden, sagt Hans Wirkner. Aber eines fehle ihm inzwischen dann doch: die Kinder, beispielsweise die Mädchen und Jungen aus dem evangelischen Kindertagheim. „Und mein toller Kirchengemeinderat.“ Auf den einen oder anderen Bekannten trifft Hans Wirkner in Pfullendorf aber dennoch: Freiwillig hält er einmal pro Monat einen Gottesdienst in der Christuskirche. „Vor allem, um meine Kollegen zu unterstützen.“